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Gleichstellungsgesetz: Diskriminierungsverbote verursachen nur geringe Kosten

Gleichbehandlung  

Nur geringe Kosten durch Diskriminierungsverbot

27.08.2008, 15:23 Uhr | bv, AFP, t-online.de

Gleichstellung kostet weniger als gedacht (Foto: imago)Gleichstellung kostet weniger als gedacht (Foto: imago) Als es vor rund zwei Jahren, am 18. August 2006, in Kraft trat, gab es viel Kritik am AGG, dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, besser bekannt auch als Antidiskriminierungs- oder Gleichstellungsgesetz. Vor allem die Wirtschaft rechnete mit einer Menge zusätzlicher Bürokratie. Ebenso wurden hohe Kosten aufgrund von Klagen vermeintlich diskriminierter Mitarbeiter oder abgelehnter Bewerber befürchtet. Jetzt rechnet eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADB) vor, dass die direkten Kosten weitaus geringer sind als von Unternehmensverbänden angegeben. Aber die bleiben trotzdem bei ihrer Kritik.

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Nur Millionen statt Milliarden

Während die Wirtschaft jährliche Kosten von mehr als 1,7 Milliarden Euro befürchtete, waren es nach Erkenntnissen der ADB im ersten Jahr nur rund 26 Millionen. Die ADB kritisierte, die Arbeitgeber-Studie berücksichtige nicht die Vorteile einer vielfältigen Personalstruktur.

Wirtschaftliche Bedeutung von Vielfalt

Was die Vielfalt in der Belegschaft angehe, seien viele deutsche Unternehmen "noch nicht an internationale Standards angeschlossen", so die ADB. Dabei sei dieser Faktor von großer wirtschaftlicher Bedeutung - sowohl für einzelne Unternehmen als auch die Gesamtwirtschaft. Insgesamt seien die Ergebnisse der Arbeitgeber-Studie, die von der Metallarbeitgeber-finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt wurde, aus methodischen Gründen "nicht haltbar". Es würden "einseitig Kosten erörtert, nicht aber der enorme Nutzen wertebasierter und nachhaltiger Unternehmensführung".

Wirtschaft: "Nur Bürokratie und Kosten"

Der Präsident des "Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft" (BVMW), Mario Ohoven, erneuerte trotz der neuen Ergebnisse seine Kritik am Gleichstellungsgesetz. Die vor zwei Jahren eingeführten Regelungen hätten den drei Millionen deutschen Mittelstandsbetrieben und Kleinunternehmen "nur neue Bürokratie und zusätzliche Kosten gebracht", sagte Ohoven. Gerade Kleinbetriebe täten sich mit der Umsetzung der Vorgaben schwer, und diese Unternehmen seien "nun mal die übergroße Mehrheit", laut BVMW 99 Prozent.

Längere Archivierung von Bewerbungen

Ein Beispiel für neue bürokratische Hürden sei, dass die Unternehmen Bewerbungsunterlagen viel länger aufheben müssten als bisher, sagte Ohoven. "Es hätte völlig ausgereicht, wenn wir, wie unsere Nachbarn auch, einfach nur die Vorgaben aus Brüssel zur Gleichstellung umgesetzt hätten", kritisierte der Arbeitgeber-Vertreter.

"Nicht weniger Diskriminierung durch AGG"

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erneuerte seine Kritik am AGG. "Es ist nicht davon auszugehen, dass es seit der Einführung mehr oder weniger Diskriminierung in den Unternehmen gibt als vorher", sagte DIHK-Rechtsexpertin Hildegard Reppelmund. Das AGG habe - abgesehen von den höheren Kosten - lediglich zu einer "erheblichen Verunsicherung" in den Betrieben geführt, sagte Reppelmund.

AGG bringt Unternehmen auch Nutzen

Der unabhängige Unternehmensberater und Experte für Unternehmenskultur, Michael Stuber, verteidigte dagegen den Nutzen des AGG für die Unternehmen. "Die Wirtschaft muss an das Thema mit einem positiven Blick herangehen", forderte Stuber. Bei einer rein juristischen Betrachtung des AGG, verlören die Unternehmen die positiven Effekte einer an Vielfalt orientierten Unternehmensführung aus den Augen.

Höhere Wertschöpfung durch Vielfalt

"Der Nutzen von Antidiskrimierung ist immer höher als die Kosten", sagte der Unternehmensberater, zu dessen Kunden eine Vielzahl deutscher und internationaler Großkonzerne gehört. So sei es einzelnen Unternehmen aus seinem Kundenstamm gelungen, ihre Wertschöpfung allein durch mehr Vielfalt in der Belegschaft auf Sicht von mehreren Jahren um zehn Prozent zu steigern, sagte Stuber.

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