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Arbeitsmarkt: Ver.di erwartet bis zu 120.000 arbeitslose Zeitarbeiter

Leiharbeit  

Ver.di erwartet bis zu 120.000 arbeitslose Zeitarbeiter

08.12.2008, 09:22 Uhr | mfu, dapd, t-online.de, dpa-AFX

Viele Automobilhersteller bauen auf Zeitarbeiter. (Foto: imago)Viele Automobilhersteller bauen auf Zeitarbeiter. (Foto: imago) Zeitenwende bei der Zeitarbeit. Bis zu 15 Prozent der Leiharbeiter in Deutschland droht nach Schätzungen der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di die Arbeitslosigkeit. "Im schlimmsten Fall wären das knapp 120.000 Menschen, die ihren Job verlieren würden", sagte Ver.di-Experte Gerd Denzel der "Thüringer Allgemeinen". Experten aus dem Arbeitgeberlager gehen dagegen nicht von einem derart dramatischen Stellenabbau aus.

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Boom bei Zeitarbeit

Im Juni 2008 gab es nach Angaben des Bundesagentur für Arbeit rund 794.000 Leiharbeiter in Deutschland. Vor allem in der Automobilindustrie setzen die Arbeitgeber auf die Zeitarbeitskräfte, die häufig weitaus weniger verdienen als die Stammbelegschaft in den Betrieben. So ist es kein Wunder, dass die Zeitarbeit in den letzten Jahren einen beispiellosen Boom erlebt hat. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigten mehr als verdoppelt.

Clement: "Keine Systemkrise"

Doch die goldenen Zeiten sind nun vorbei: Experten gehen daher davon aus, dass die Branche vor einer Konsolidierungsphase steht. Doch wie hart die Einschnitte letztendlich ausfallen, bleibt unklar. "Die Zeitarbeit werde gewiss eine signifikante Anzahl von Mitarbeitern verlieren", sagte der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, heute Chef beim Institut zur Erforschung der Arbeit der Zeitarbeitsfirma Adecco. Von einer Systemkrise könne aber "keinesfalls gesprochen werden".

Kein Erdrutsch bei Zeitarbeitern

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Mittelständischer Personaldienstleister (AMP), Thomas Hetz, geht im Gegensatz zu Ver.di nur von 50.000 gefährdeten Jobs aus . "Das ist eher eine Stagnation, als dass man von einem Erdrutsch sprechen kann." Er hat von seinen Mitgliedern noch "keine alarmierenden Rückmeldungen im großen Stil" erhalten.

Probleme für einseitig ausgerichtete Zeitarbeitsfirmen

Schwierig könne es allerdings für die Zeitarbeitsfirmen werden, die von einzelnen Branchen einseitig abhängig sind, wie zum Beispiel von Autozulieferern. "Derzeit haben wir in Rheinland-Pfalz Probleme in der Automobilzulieferbranche und bei den Automobilproduzenten selbst. Hier gab es viele Abmeldungen", berichtet Andreas Brohm, Regionalkreisleiter Rhein-Neckar-Pfalz des Arbeitgeberverbandes Mittelständischer Personaldienstleister. "Kritisch wird es zunehmend auch in der Metallbranche und bei Logistik-Unternehmen."

Beschäftigte leben mit hohem Jobverlust-Risiko

Unabhängig davon wie stark der Jobabbau letztlich ausfällt, dürften laut Ex-Wirtschaftsminister Clement darunter vor allem gering Qualifizierte in der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern leiden. Doch anders als festangestellte Mitarbeiter müssen Leiharbeiter nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern schon immer mit einem hohen Jobverlust-Risiko leben. "Leiharbeitssjobs stellen in der Regel kurze Phasen im Erwerbsverlauf dar", stellte das BA-eigene Institut für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung (IAB) schon 2006 in einer Studie fest. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Allein im ersten Halbjahr waren rund 270.000 Leiharbeiter kürzer als drei Monate bei einem Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt, 57.000 weniger als eine Woche.

Zeitarbeit bleibt wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument

Für den Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ/Münster) bleibt die Branche jedoch ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument. Das Verkaufsmotto der Zeitarbeitsfirmen laute: "Wälzt einen Teil Eures Risikos auf uns ab", sagte Vorstandsmitglied Bettina Schiller. Unternehmen, die dieses Instrument in der Vergangenheit genutzt hätten, um bei der Belegschaft einen Puffer aufzubauen, seien gut beraten gewesen. Denn nun könnten sie den Puffer brauchen.

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