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Deutschland droht Verdopplung der Arbeitslosenzahlen

Rezession  

Deutschland droht Verdopplung der Arbeitslosenzahlen

08.12.2008, 09:18 Uhr | cs, dapd, t-online.de, dpa-AFX

Deutschland droht eine Explosion der Arbeitslosenzahlen (Foto: imago)Deutschland droht eine Explosion der Arbeitslosenzahlen (Foto: imago) Finstere Aussichten für den deutschen Arbeitsmarkt: Nach Ansicht des Goldman-Sachs-Chefvolkswirts für Deutschland droht eine Verdoppelung der Arbeitslosenzahl, falls die Wirtschaftsleistung wie vorhergesagt einbricht. "Sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wirklich um vier Prozent zurückgehen, wäre es durchaus möglich, dass es in Deutschland wieder sechs Millionen Arbeitslose gibt", sagte Dirk Schumacher der "Berliner Zeitung".

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Animierte Grafik - Arbeitslosigkeit in Deutschland
Arbeitslosigkeit

Massenarbeitslosigkeit ist möglich

"Im jetzigen Umfeld kann man gar nichts mehr ausschließen", zitierte das Blatt den Ökonomen der US-Großbank. Sechs Millionen Arbeitslose gab es in Deutschland zuletzt während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hatte die Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs des BIP um vier Prozent im kommenden Jahr auf ein Drittel geschätzt. Das wäre die größte Krise seit Bestehen der Bundesrepublik - und ein herber Dämpfer für den deutschen Arbeitsmarkt.

Deutsche Bank Bundesrepublik steht vor ihrer größten Krise

Schärfste Rezession seit 1945

Die derzeitige Lage sei viel schwieriger als in der Konjunkturkrise der Jahre 2002 und 2003, sagte Schumacher. "Es kann durchaus sein, dass wir die schärfste Rezession seit 1945 bekommen." Angesichts der Dramatik müsse die Regierung stärker gegensteuern. Schumacher forderte dem Bericht zufolge eine deutliche Senkung der Einkommensteuer, ein staatliches Investitionsprogramm in Bildung und Infrastruktur sowie die Ausgabe von Gutscheinen an die Bevölkerung. „Konsumschecks sind die schnellste Methode, um einen Impuls beim Verbraucher zu setzen.“

50 Milliarden für den Aufschwung

Auch der Chefvolkswirt der UN-Welthandelskonferenz, Heiner Flassbeck, hält ein großes staatliches Konjunkturprogramm für dringend erforderlich. "Die Bundesregierung müsste sofort ein Konjunkturprogramm auflegen, das zwei Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht - das wären 50 Milliarden Euro", sagte Flassbeck der "tageszeitung".

Globaler Einbruch

Flassbeck warf der deutschen Politik vor, die wirklichen Dimensionen der Rezession noch nicht begriffen zu haben: "Das hier ist keine normale Rezession, sondern ein globaler Einbruch." Niemand wisse, wie lange diese Krise andauern werde. Prognosen der Bundesbank, dass 2010 in Deutschland wieder ein Wachstum von 1,2 Prozent zu erwarten sei, nannte Flassbeck "völligen Quatsch und unverantwortlichen Optimismus".

Bundesbank erwartet Minuswachstum

Die Bundesbank erwartet für 2009 ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 0,8 Prozent und damit eines der schlechtesten Jahre seit Bestehen der Bundesrepublik. Nur während der Ölkrise 1975 sank das BIP stärker. Damals musste die deutsche Wirtschaft ein Minus von 0,9 Prozent verkraften. 2010 könnte allerdings eine weltwirtschaftliche Belebung die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung bringen, so die Bundesbank.

Eines der schwierigsten Jahre

Unter Ökonomen ist unstrittig, dass die Bundesrepublik vor einem ihrer schwierigsten Jahre steht - zumindest im Hinblick auf die Wirtschaft. Es besteht die Gefahr eines dramatischen Einbruchs des Bruttoninlandprodukts (BIP), was den Arbeitsmarkt stark belasten könnte. So schrumpften die Exporte in den vergangenen Monaten - ein gefährliche Situation für den Wirtschaftsstandort Deutschland, der als Exportweltmeister besonders abhängig vom Außenhandel ist.

Industrieproduktion schrumpft

Schlechte Nachrichten kommen auch aus der Industrie. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, seien die Auftragseingänge der Industrie im Oktober um 6,1 Prozent gesunken. Bereits im September waren sie um 8,2 Prozent geschrumpft. "In der Tendenz nimmt die Nachfrage aus dem Ausland und hier speziell die aus der Eurozone stärker ab als die aus dem Inland", erklärte das Ministerium. Und auch im kommenden Jahr ist keine Erholung in Sicht.

Zahl der Insolvenzen steigt

Ein weiteres Zeichen für die sich eintrübende Lage der deutschen Wirtschaft ist die Zahl der Insolvenzen. Im September stieg sie um 4,1 Prozent. Insgesamt gab es 13.115 Insolvenzen, darunter 8.312 von Verbrauchern und 2.479 von Unternehmen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Und die Verschlechterung der Situation hat sich nach einer Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform seit September fortgesetzt. Nach Angaben der Experten wird die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland infolge der Wirtschaftskrise 2008 erstmals seit fünf Jahren wieder in die Höhe schnellen.

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