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Adolf Merckle begeht Selbstmord

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Adolf Merckle begeht Selbstmord

07.01.2009, 09:29 Uhr | cs, dpa, dapd, t-online.de

Adolf Merckle hat sich an diesen Gleisen das Leben genommen (Fotos: Reuters)Adolf Merckle hat sich an diesen Gleisen das Leben genommen (Fotos: Reuters) Der Pharma-Milliardär Adolf Merckle ist tot. Wie die Polizei bestätigte, ist der Unternehmer unweit seiner Villa am Montag von einem Zug überrollt worden. Merckles Familie teilte mit, es habe sich um einen Freitod gehandelt. Merckle hatte enorme Summen mit Spekulationsgeschäften verzockt und sein Unternehmen damit in Schieflage gebracht. Sein Firmenimperium stand vor der Zerschlagung. Dies habe "den leidenschaftlichen Unternehmer gebrochen", so seine Angehörigen in einer Erklärung. Er unterlag im Kampf um sein Lebenswerk.

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Selbstmord auf den Gleisen

Die Staatsanwaltschaft Ulm bestätigte, dass der schwäbische Milliardär am Montag in der Nähe seines Wohnorts Blaubeuren-Weiler bei Ulm von einem Zug erfasst und getötet wurde. Sein Leichnam sei gegen 19.30 Uhr von einem Bahn-Mitarbeiter gefunden worden. "Nach dem Stand der Ermittlungen gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden." Adolf Merckle war am Nachmittag aus dem Haus gegangen und nicht zurückgekehrt. Letzte Sicherheit zur Identität der Leiche soll im Laufe der Woche eine DNA-Analyse bringen.

Familie bestätigt Freitod

Der Unternehmer hinterließ seiner Familie einen Abschiedsbrief, in dem er allerdings keine Gründe für seinen Selbstmord nannte, sich aber für seinen Schritt entschuldigte. In einer persönlichen Erklärung teilte die Familie Merckle mit: "Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet." Adolf Merckle habe stets für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet.

Merckle verzockte Millionen

Zu den bekanntesten Firmen in Merckles Imperium zählen ratiopharm und HeidelbergCement. Im Zuge der Finanzkrise hatte sich der Unternehmer mit Wetten auf Volkswagen-Aktien verzockt und einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag verloren. Fast zeitgleich vermieste die Finanzkrise Merckle die Geschäfte. Die Banken forderten zusätzliche Sicherheiten für hohe Kredite. Nach früheren Informationen aus Finanzkreisen beläuft sich der Finanzierungsbedarf auf 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf Merckles Holding VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten.

Lage hatte sich aufgehellt

Der Freitod des Unternehmers kommt zu einer Zeit, in der sich die Lage für das Firmen-Imperium gerade wieder aufzuhellen schien. Der Milliardär sollte für sein in Finanznot geratenes Imperium einen Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro bereits im März erhalten. Zudem war ein Sanierungsplan geplant. Die Rettung von Teilen des Imperiums wäre damit in greifbarer Nähe.

Das gigantische Imperium des Adolf Merckle (Grafik: dpa)Das gigantische Imperium des Adolf Merckle (Grafik: dpa)

Verkauf des Familienerbes?

Doch der Preis für die Rettung wäre hoch gewesen. Das Familienunternehmen Ratiopharm hätte der Familienpatriarch auf lange Sicht verkaufen müssen. Dies hätte das Lebenswerk des Unternehmers in Mitleidenschaft gezogen. Und der über 125-Jährigen Geschichte der Familie Merckle in der Medikamentenherstellung ein Ende bereitet.

Merckle-Imperium umfasst 100 Firmen

Rund 100 Unternehmen sollen zu Merckle gehören, in denen die Familie ihre Aktivitäten jeweils möglichst steuergünstig eingebracht habe. Zum verschachtelten Merckle-Imperium gehören neben Ratiopharm und HeidelbergCement auch der Pharmagroßhändler Phoenix. Weitere Beteiligungen der Familie sind Kötitzer Ledertuch, Spohn Cement und Kässbohrer Geländefahrzeuge.

Mehr als 100.000 Menschen arbeiten für Merckle

In den Firmen von Adolf Merckle und seiner Familie sind mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz liegt bei 30 Milliarden Euro. Der 74-Jährige Clan-Chef hielt im Hintergrund die zahllosen Fäden in der Hand, setzte Vertrauensleute an wichtige Stellen, kontrollierte genau und setzte sich gerne durch.

Bestürzung in der Politik

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) zeigte sich von dem Tod des Unternehmers Adolf Merckle erschüttert. "Baden-Württemberg verliert eine große Unternehmerpersönlichkeit. Trotz der Finanzprobleme der letzten Wochen hat Adolf Merckle ein mittelständisches Unternehmen von europäischer Bedeutung aufgebaut. Sein unternehmerisches Vermächtnis bleibt", so Oettinger. Als Unternehmer und Mäzen habe Merckle seine Verantwortung in besonderer Weise wahrgenommen und wurde dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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