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Krankmeldung: Das müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten

Richtig krankmelden  

Krankmeldung: Der Chef muss nicht alles wissen

06.07.2011, 10:17 Uhr | dpa-tmn / t-online.de, t-online.de, dpa-tmn

Krankmeldung: Das müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten. Krank? Das sollten Sie dem Chef umgehend mitteilen. (Foto: Archiv)

Krank? Das sollten Sie dem Chef umgehend mitteilen. (Foto: Archiv)

In den letzten Jahren haben Beschäftigte immer seltener wegen Krankheit im Job gefehlt. Trotzdem kommt es zwischen Chefs und Arbeitnehmern manchmal zu Streit - wenn etwa der Mitarbeiter die für eine Krankmeldung geltenden Regeln nicht beachtet. Der Arbeitgeber wiederum muss akzeptieren, dass er vielleicht weniger über die Krankheit seines Angestellten erfährt, als er möchte. Wir erklären Ihnen, wie sich Ärger vermeiden lässt.

Sofort krankmelden

Laut Gesetz ist der Mitarbeiter verpflichtet, dem Arbeitgeber "unverzüglich" mitzuteilen, dass er erkrankt ist. Was das genau heißt, ist interpretationsbedürftig. "Jedenfalls sollte der Arbeitgeber spätestens zu dem Zeitpunkt Bescheid wissen, an dem der Arbeitnehmer üblicherweise zur Arbeit kommt", sagt Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin. "Das ist wie eine abendliche Verabredung. Die würde ich ja auch rechtzeitig absagen", so die Expertin.

Was der Chef wissen darf

Die Ursache der Krankheit aber ist Privatsache. Wie genau sich ein Mitarbeiter darüber auslässt, entscheidet er selbst. Dagegen hat der Chef einen Anspruch darauf, so schnell wie möglich von der Krankheit zu erfahren und auch, wie lange der Arbeitnehmer wohl fehlen wird.

Krankmeldung per Fax oder E-Mail

Im Einzelfall ist es arbeitsrechtlich noch kein Drama, wenn jemand diese Regel missachtet. "Aber wenn das mehrfach vorkommt, kann das abmahnungsrelevant sein", erklärt Juristin Perreng. Wer krank zu Hause bleibt und einfach nichts von sich hören lässt, riskiert zudem finanzielle Nachteile. Der Arbeitgeber kann dann Perreng zufolge durchaus die Lohnfortzahlung verweigern. Das Gesetz schreibt allerdings nicht vor, wie sich der Arbeitnehmer krankzumelden hat, sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg. "Wichtig ist, dass der Arbeitgeber die Information tatsächlich erhält", betont Eckert. Theoretisch reicht ein Fax oder eine E-Mail.

Bescheinigung nach drei Tagen Pflicht

Grundsätzlich hat der Chef das Recht auf einen Nachweis der Erkrankung. "Und zwar nach drei Tagen", sagt Eckert. "Der Arbeitgeber kann auch verlangen, gleich am ersten Krankheitstag eine Bescheinigung vom Arzt zu erhalten. Eine solche Regelung ist aber mitbestimmungspflichtig", so der Rechtsanwalt. Die Frage stelle sich auch, ob das sinnvoll sei. "Der Gesetzgeber hat sich bei den drei Tagen schließlich etwas gedacht", meint Eckert. Wenn Arbeitnehmer gleich am ersten Tag zum Arzt müssten, sei durchaus denkbar, dass dieser sie dann häufig gleich länger krankschreibe.

Krankheit geht den Chef nichts an

Bei der Erkrankung eines Arbeitnehmers sind natürlich die Interessen des Unternehmens und des Beschäftigten gegeneinander abzuwägen. Zum einen hat der Chef Anspruch auf die vereinbarte Arbeitsleistung. Deshalb möchte er eventuell detailliert erfahren, was genau den Angestellten davon abhält, seinen Job zu machen. "Aber die Diagnose muss nicht mitgeteilt werden", so Martina Perreng. "Wenn der Arbeitnehmer eine ansteckende Krankheit hat, wird er sowieso krankgeschrieben und stellt kein Infektionsrisiko mehr da", erläutert die Fachfrau.

Diagnose unterliegt Datenschutz

Auch von anderer Seite, etwa von der Krankenkasse oder vom Arzt, erfährt der Arbeitgeber nichts zur Diagnose. "Das unterliegt dem Datenschutz", sagt Christine Göpner-Reinecke vom AOK Bundesverband in Berlin. Der Arbeitgeber habe kein Recht, bei der Krankenkasse anzurufen und dort nachzufragen.

Im Zweifel die Krankenkasse einschalten

Hat der Chef Zweifel am Wahrheitsgehalt der Krankmeldung, kann er aber die Krankenkasse einschalten. Diese veranlasst gegebenenfalls eine Untersuchung über den Medizinischen Dienst. Erkenntnisse über die Krankheit darf aber auch der nicht an den Arbeitgeber weiterleiten.

Krankentagegeld nach sechs Wochen

Erkrankte Arbeitnehmer erhalten sechs Wochen lang eine Entgeltfortzahlung. "Danach gibt es Krankentagegeld", so Christine Göpner-Reinecke. Es wird innerhalb von drei Jahren für maximal 78 Wochen gezahlt, wenn der Beschäftigte wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig ist. Dauert die Krankheit über diesen langen Zeitraum an, besteht kein Anspruch mehr auf Krankentagegeld. Dann sei zu prüfen, ob Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld I oder II gezahlt werden oder ein Rentenverfahren eine Alternative sein kann.

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