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Bernard L. Madoff bekennt sich schuldig

Schneeballsystem  

Madoff bekennt sich schuldig

26.03.2009, 11:34 Uhr | bv, dpa , t-online.de

Vor Gericht schuldig bekannt: Milliardenbetrüger Bernard Madoff (Quelle: dpa)Vor Gericht schuldig bekannt: Milliardenbetrüger Bernard Madoff (Quelle: dpa) Milliardenbetrüger Bernard L. Madoff hat sich vor einem Gericht in New York in allen Anklagepunkten schuldig bekannt und seine Opfer um Vergebung gebeten. "Ich entschuldige mich zutiefst und schäme mich", sagte der 70-Jährige US-Medienberichten zufolge. Er räumte ein, "über Jahre" ein Schneeballsystem betrieben zu haben. Zu den Geschädigten gehörten "Einzelpersonen, Stiftungen, Pensions- und Hedge Fonds", sagte er. Der Richter akzeptierte das Schuldbekenntnis. Viele Opfer waren vor das Gerichtsgebäude in Manhattan gezogen.

Bis zu 150 Jahre Haft

Der Finanzjongleur ist in elf Punkten angeklagt, ihm drohen deshalb bis zu 150 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Wertpapierbetrug, Geldwäsche und Meineid vor. Madoff räumte außerdem ein, die US-Börsenaufsicht SEC mit falschen Informationen gefüttert zu haben. Richter Denny Chin wies Madoff darauf hin, dass es für ihn keine Möglichkeit für eine Bewährung gibt. Das Strafmaß soll am 16. Juni bekanntgegeben werden, meldet der US-Sender CNBC.

Größter Betrug der Wirtschaftsgeschichte

Madoffs Wall-Street-Investmentfirma hatte US-Medienberichten zufolge Ende November 4800 Kunden und wies eine Bilanzsumme von rund 64,8 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro) aus. In Wirklichkeit sei nur ein Bruchteil dieses Betrags vorhanden gewesen. Es ist der mit Abstand größte Betrug der Wirtschaftsgeschichte.

Bis zu 46 Prozent Zinsen versprochen

Die Behörden kündigten an, Madoffs Vermögen bis zu einer Summe von 170 Milliarden Dollar beschlagnahmen zu wollen. Der Betrag ergibt sich aus dem angerichteten Schaden und dürfte nicht annähernd zu holen sein: Nach Angaben des Finanzjongleurs vom Dezember waren nur noch einige hundert Millionen Dollar vorhanden. Laut Anklage versprach Madoff seinen Investoren Zinsen von bis zu 46 Prozent.

Praktisch lebenslange Haft

Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf Rechtsexperten berichtet, es sei wahrscheinlicher, dass Madoff nicht zu 150, sondern eher zu etwa 20 Jahren Haft verurteilt werde - was in seinem Alter faktisch lebenslang bedeuten würde.

Schneeballsystem über Jahrzehnte betrieben

Madoff selbst hatte den Schaden vor der Festnahme im Dezember auf 50 Milliarden Dollar beziffert. Der einstige Verwaltungsratschef der Technologiebörse NASDAQ hatte das Schneeballsystem seit den 80er Jahren betrieben. Bei einem Schneeballsystem werden die Gewinne früher Investoren mit dem Geld immer neuer Anleger bezahlt. Madoffs Betrugsmaschine soll zusammengebrochen sein, als unter dem Druck der Finanzkrise immer mehr Kunden ihr Geld zurückforderten.

Geschädigte auf der ganzen Welt

Die Ausfälle trafen Anleger weltweit, auch in Europa. In den USA zählen auch einige Prominente wie Hollywood-Regisseur Steven Spielberg zu Madoffs Opfern. Bisher wurden nach offiziellen Angaben etwa 940 Millionen Dollar sichergestellt, die unter den Investoren aufgeteilt werden könnten.

Gab es Komplizen oder nicht?

Während Madoff behauptet, im Alleingang gehandelt zu haben, soll die Staatsanwaltschaft davon überzeugt sein, dass er Komplizen hatte. Laut Medienberichten fand sie zwei Mitarbeiter, die für ihn Belege gefälscht haben sollen. Ihnen soll für die Aussage Straffreiheit zugesichert worden sein.

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