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Bad Bank: HRE-Vorstände kassieren üppige Pensionen zum Abschied

Bad Bank  

HRE-Vorstände kassieren üppige Pensionen zum Abschied

25.09.2010, 15:01 Uhr | jdc mit Material von AFP, dpa, dpa, AFP

Der personelle Aderlass bei der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) geht einem Pressebericht zufolge weiter. Wie die "Welt am Sonntag" aus Finanzkreisen erfuhr, werden zwei Vorstände das Münchner Finanzinstitut schon bald verlassen - mit einem Anspruch auf üppige Pensionszahlungen. Schon im März verließ Vorstandschef Axel Wieandt nach einem 19-monatigen Intermezzo auf eigenen Wunsch die Bank. Seine Pensionsansprüche beliefen sich dabei auf 240.000 Euro pro Jahr, die er ab dem 60. Lebensjahr erhält. Für solch eine Rente müsste ein Durchschnittsverdiener fast 730 Jahre arbeiten! Den anderen Vorständen winken ähnlich hohe Pensionen.

Abgang nach Abspaltung der Bad Bank

Kapitalmarktvorstand Kai Wilhelm Franzmeyer und der für interne Abläufe verantwortliche Frank Krings hätten demnach ihren Abgang angekündigt, sobald die Abspaltung der Abwicklungsbank - der sogenannten Bad Bank - im Herbst vollzogen sei, hieß es demnach im Umfeld der HRE. Laut "WamS" ließen sich beide Vorstände von Aufsichtsratschef Bernd Thiemann bereits im Frühjahr dieses Jahres fest zusichern, den Konzern dann verlassen zu dürfen. Die Bad Bank soll bis spätestens zum Jahresende stehen. Ursprünglich hätten die beiden Manager die Hypo Real Estate bereits im März verlassen wollen, als der damalige Vorstandschef Axel Wieandt abtrat. Aufsichtsratschef Thiemann habe dann aber die Vorstände dazu bewegen können, ihren Vertrag zu erfüllen, bis die Bank aufgespalten sei.

Goldener Handschlag zum Abschied

Der Abschied der Manager werde voraussichtlich mit erheblichen Zahlungen verbunden sein, hieß es in dem Bericht. Beide Banker könnten darauf zählen, bisher gestundete Bonuszahlungen von jeweils 325.000 Euro ausgezahlt zu bekommen. Dazu kämen die Pensionszahlungen, die ähnlich großzügig ausfielen wie beim öffentlich kritisierten Vorstandschef Axel Wieandt. Diese Regelung war von Politikern parteiübergreifend scharf kritisiert worden. "Der Bund hätte die Selbstbedienung bei der HRE verhindern müssen", sagte der Grünen-Finanzexperte im Bundestag, Gerhard Schick, der "Bild".

Ein Jahr Arbeit im Vorstand für dauerhafte Ansprüche

Auch bei Franzmeyer und Krings reiche nach Angaben im Geschäftsbericht bereits ein Jahr im Vorstand, um die Ansprüche dauerhaft zu sichern - eine in der Branche eher ungewöhnliche Regelung. Beide Manager erhalten nach Berechnungen der Zeitung ab ihrem 60. Lebensjahr jeweils 186.000 Euro jährlich.

140 Milliarden an Garantien für die HRE

Der Bund hatte die HRE im vergangenen Jahr verstaatlicht, um die Zusagen von inzwischen mehr als 140 Milliarden Euro abzusichern. Ein Großteil davon waren Garantien. Bei den direkten Kapitalhilfen von zehn Milliarden Euro drohen dem Bund hohe Verluste.

Abschreibungsquote von 80 Prozent

Der Chef des parlamentarischen Kontrollgremiums für den Bankenrettungsfonds SoFFin, Florian Toncar (FDP), rechnet mit massiven Ausfällen. Von den rund sechs Milliarden Euro Eigenkapital, die der SoFFin allein 2009 in die HRE gesteckt hat, habe der Bund 4,75 Milliarden Euro abgeschrieben. Daraus ergebe sich eine Abschreibungsquote von fast 80 Prozent. "Das ist die Größenordnung, auf die wir uns leider einstellen müssen", sagte Toncar der Zeitung "Euro am Sonntag". Nach dieser Rechnung wären von den gesamten staatlichen Kapitalhilfen für die Bank rund acht Milliarden Euro verloren.

Um sich von ihren Altlasten zu befreien, will die HRE einen Großteil ihrer Altlasten in die Bad Bank mit dem Namen FMS Wertmanagement auslagern. Die EU-Kommission gab am Freitag trotz Zweifeln an der langfristigen Überlebensfähigkeit der HRE vorläufig grünes Licht für die Aktion.

Bank wird vielleicht vollständig abgewickelt

Möglicherweise wird noch mehr in die Anstalt ausgelagert als bislang geplant: Die Bundesregierung schafft laut "Welt am Sonntag" die Option, die Bank sogar vollständig abzuwickeln. Das neue Bankenrestrukturierungsgesetz regele, dass auch die Kernbank der HRE später in die Abwicklungsanstalt geschoben werden kann. Ursprünglich war geplant, dass die Gesellschaft lediglich die HRE-Altlasten übernimmt. Das unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank (pbb) firmierende Kerngeschäft sollte dagegen weitergeführt und später verkauft werden.

Auf dem Höhepunkt der Krise vor zwei Jahren hatte bereits der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) von einer Abwicklung der HRE gesprochen und damit für Unruhe gesorgt. Damals musste der Bund zusammen mit den Banken quasi über Nacht ein erstes Rettungspaket für die HRE über 35 Milliarden Euro für die Bank schnüren, um den Kollaps abzuwenden.

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