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China, Kambodscha und Bangladesh: Aufstand in ehemaligen Billiglohn-Paradiesen Asiens

Aufstände in ehemaligen Billiglohn-Paradiesen

28.09.2010, 07:22 Uhr | AFP, AFP, t-online.de

China, Kambodscha und Bangladesh: Aufstand in ehemaligen Billiglohn-Paradiesen Asiens. Autobauer in China: Firmen mussten Löhne erhöhen (Foto: imago)

Autobauer in China: Firmen mussten Löhne erhöhen (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Das traditionelle Billiglohn-Land China ist vielen weltweit aktiven Konzernen inzwischen zu teuer geworden. Sie verlagern ihre Fabriken in andere asiatische Länder wie Bangladesch, wo die Lohnkosten noch vergleichsweise niedrig sind. Doch auch dort beginnen die Arbeiter nun, für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne zu streiken und protestieren. Die von der Industrie oder den Regierungen vorgeschlagenen Mindestlöhne sehen dabei zwar oft deutliche Steigerungen vor, liegen aber dennoch weit unter den Forderungen von Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen.

Lange Zeit war die harte Arbeit in den Fabriken die einzige Möglichkeit für die Menschen in vielen asiatischen Ländern, ein Auskommen zu haben. Inzwischen wollen aber auch die Arbeiter dort am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Region teilhaben. In Kambodscha etwa streikten vor wenigen Wochen zehntausende Arbeiter. Ihnen waren 20 Prozent mehr Lohn angeboten worden - zu wenig, fanden die Streikenden. Sie legten die exportorientierte Textilindustrie des Landes lahm, die auch Produkte für bekannte Marken wie Gap, Benetton, Adidas und Puma herstellt.

Mindestlohn von 47 Euro im Monat

Regierung und Industrie in Kambodscha hatten vereinbart, den Mindestlohn für die Textil- und Schuhindustrie in Kambodscha auf 61 Dollar (47 Euro) im Monat anzuheben. Die Gewerkschaften jedoch forderten noch einmal rund ein Drittel mehr - mindestens 93 Dollar. "Den Arbeitern fällt es schwer, mit so niedrigen Löhnen zu überleben", sagte Kong Athit, Generalsekretär des kambodschanischen Gewerkschaftsverbands.

In Bangladesch, wo drei Millionen Textilarbeiter für die westliche Welt Kleidung zu den weltweit niedrigsten Löhnen herstellen, kommt es seit Monaten zu Protestwellen. Demonstranten attackierten dort jüngst wieder Fabriken und zündeten Autos an. Die Arbeiter, die Kleidung für Textilketten wie H&M oder Supermarktketten wie Tesco nähen, forderten dabei einen Mindestlohn von umgerechnet 54 Euro im Monat. Das ist mehr als jene 32 Euro, auf die der Mindestlohn vor wenigen Wochen nach einer ersten Protestwelle erhöht wurde.

Löhne in China deutlich höher

In China, vor allem in dessen Boom-Provinzen an der Küste, sind die Löhne sehr viel höher als in diesen Ländern. Teils wird bis zum Zehnfachen gezahlt. Zuletzt sahen sich Firmen wie die japanischen Autohersteller Honda und Toyota und der taiwanische IT-Gigant Foxconn nach Protesten und kritischen Nachfragen aus dem Ausland gezwungen, ihren Arbeitern mehr zu bezahlen. Um den Arbeitern entgegenzukommen, führten zudem bereits viele chinesische Provinzen, Regionen und Gemeinden in diesem Jahr einen offiziellen Mindestlohn ein.

"Die Kosten in Ländern wie China steigen, sodass viele Unternehmen nach Vietnam, Kambodscha oder Bangladesch ausweichen, was gut für diese Länder ist", sagt Robert Broadfoot von der Beratungsfirma PERC in Hongkong, die politische und wirtschaftliche Risiken in Asien analysiert. Die Produktionsverlagerung führt in den Ländern zu steigenden Exportzahlen. In Bangladesch etwa stiegen die Exporte im Juli um mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Billiglohn-Länder werden billig bleiben

Auch wenn die Firmen in den neuen Herstellungszentren inzwischen oft ebenfalls höhere Löhne bezahlen müssen, bewegt sich die Bezahlung laut Broadfoot in einer anderen Größenordnung. "Die Schere zwischen dem Pro-Kopf-Einkommen in Ländern wie Bangladesch, Kambodscha und Vietnam und denen in China wird noch weiter auseinander gehen", sagt er. "Die Löhne der Arbeiter in diesen Ländern werden in absoluten Zahlen kaum derart steigen wie in China."

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