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Bernard L. Madoff: "Ich bin ein guter Mensch"

Milliardenbetrüger Madoff  

"Ich bin ein guter Mensch"

01.03.2011, 09:55 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Bernard L. Madoff: "Ich bin ein guter Mensch". Bernhard L. Madoff  (Foto: Reuters)

Bernhard L. Madoff (Foto: Reuters)

Bernard L. Madoff verbreitet aus dem Gefängnis heraus seine Sicht der Dinge. Der Milliardenbetrüger lästert und gibt seinen Opfern eine Mitschuld an den Verlusten. Und er verkündet: "Ich bin ein guter Mensch."

Er gibt sich als reuiger Betrüger und verspottet zugleich die US-Regierung. Im Gefängnis gibt der Milliardenbetrüger Bernard Madoff , der zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde, eifrig Interviews. Im "New York Magazine" tat er nun kund, was er von den Finanzmarktreformen hält. "Die gesamte Reform zur Regulierung ist ein Witz", verkündete Madoff. Er setzte gleich noch eins drauf: "Die gesamte Regierung ist ein Schneeballsystem."

Verachtung für Ex-Kollegen

Infolge seiner Betrügereien wurde Madoff zum Symbol der Gier und Unaufrichtigkeit der Finanzbranche. Doch für seine einstigen Kollegen hat er inzwischen nur noch Verachtung übrig. Madoff sehe sich inzwischen als eine Art Aufklärer, schreibt das Magazin.

Die Kontrolleure der US-Börsenaufsicht SEC hätten angesichts seiner Betrügereien und der Finanzkrise total versagt, tönt Madoff und lässt deutlich durchblicken, dass er noch viele andere an der Wall Street für mitschuldig hält. Aber bei Banken werde niemand bestraft. "Es ist unglaublich", zitierte ihn das Magazin.

Madoff hatte über Jahre Geld von Investoren eingesammelt und die Ausschüttungen mit den Beiträgen immer neuer Anleger bezahlt. In der Finanzkrise brach sein Schneeballsystem zusammen. Es ist der größte Betrugsfall der Finanzgeschichte. Ein Gericht schickte den heute 72-Jährigen im Juni 2009 ins Gefängnis. Die Strafe sitzt er in einem Bundesgefängnis in Butner, North Carolina, ab.

"Alle waren gierig"

Schon im ersten Interview seit seiner Verhaftung hatte der Milliardenbetrüger Banken und Hedge Fonds bezichtigt, sie hätten von seinem Schneeballsystem gewusst. Seine ehemaligen Geschäftspartner sollen absichtlich weggeschaut haben. Auch ein Vertreter der Geschädigten von Madoff warf dessen Hausbank JP Morgan Chase vor, diese sei trotz erheblicher Zweifel an seinem Geschäftsgebaren untätig geblieben.

Auch seinen Opfern gab Madoff eine Mitschuld, dass seine Betrügereien möglich wurden. "Alle waren gierig", sagte er. "Ich machte einfach weiter. Auch wenn das keine Entschuldigung ist."

Therapie im Gefängnis

Dem Magazin zufolge fand das Interview mit Madoff per Telefon statt. Im Gefängnis treffe Madoff sich wöchentlich mit einer Therapeutin, schrieb das Magazin. Denn für ihn laute die große Frage: "Wie konnte ich das alles tun?"

"Ich bin nicht so, wie ich nun in der Öffentlichkeit dargestellt wurde", klagte Madoff. Dem Reporter des Magazins sagte er: "Ich bin ein guter Mensch." Er habe aber nicht den Mut gehabt, seine Betrügereien selbst zu beenden und wäre froh gewesen, hätte man ihn früher geschnappt.

"Ich weinte zwei Wochen lang"

Madoff gab auch einen Einblick, wie das Auffliegen seines Betrugs sein Familienleben verändert hat. Seine Frau sei wütend auf ihn, sagte er. "Ich habe ihre Familie zerstört." Nach dem Selbstmord seines Sohnes Mark sei er wie vernichtet gewesen. "Ich weinte zwei Wochen lang." An Selbstmord habe er aber nicht gedacht. "Das ist nicht meine Art."

Zuvor hatte Madoff bereits beklagt, die Gefängnisverwaltung habe ihm untersagt, zur Beerdigung seines Sohnes zu fahren - im Interesse der öffentlichen Sicherheit und weil die Zeit nicht ausgereicht habe, die Reise zu organisieren.

Madoff hat bereits an anderer Stelle die Knasthärte zu spüren bekommen: Vor rund einem Jahr wurde er von einem Mithäftling verprügelt, weil Madoff ihm Geld schuldete. Er trug eine gebrochene Nase, gebrochene Rippen sowie Schnitte im Gesicht und auf dem Kopf davon.

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