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Ex-Blackwater-Bosse: Vom Schlachtfeld ins Vorstandszimmer

Ex-Blackwater-Bosse: Vom Schlachtfeld ins Vorstandszimmer

20.05.2011, 09:21 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Ex-Blackwater-Bosse: Vom Schlachtfeld ins Vorstandszimmer. Blackwater-Söldner beim Einsatz im Irak (Foto: AP) (Quelle: AP/dpa)

Blackwater-Söldner beim Einsatz im Irak (Foto: AP) (Quelle: AP/dpa)

Die Söldnertruppe Blackwater trieb im Irak ihr Unwesen, jetzt geben sich die Ex-Bosse als brave Unternehmer: Unter dem Namen Jellyfish wollen sie mit Kollegen aus der Geheimdienst-Szene US-Konzerne in Krisenregionen beraten. Ein weltweites Spionagenetz soll die nötigen Informationen liefern.

Neue Beratungsfirma für US-Firmen im Nahen Osten

US-Konzerne haben es im Ausland nicht leicht. Etwa in Libyen: Der Bürgerkrieg hat etliche Unternehmen kalt erwischt. Wall-Street-Giganten wie Goldman Sachs, Citigroup und JP Morgan Chase, die lange mit der Regierung in Tripolis Geschäfte gemacht hatten, hocken nun auf den eingefrorenen Gaddafi-Milliarden. Andere Firmen mussten ihren Rohstoffhandel mit Libyen einstellen.

Viele US-Manager fragen sich, wie sie mit den Unruhen im Nahen Osten umgehen sollen. Jetzt gibt es eine neue Firma, die helfen will, böse Überraschungen zu vermeiden. Diese Firma heißt Jellyfish Intelligence. Zu Deutsch: Quallen-Geheimdienst.

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Hinter dem seltsamen Namen verbirgt sich ein neues Dienstleistungsunternehmen, das amerikanischen Multis beim Engagement im Ausland helfen möchte - mit Sicherheitspersonal, örtlichen Connections, Insider-Informationen, Gefahrenanalysen und anderem Background-Wissen. Schließlich gelte es, so Jellyfishs Eigenwerbung, "eine Welt zu navigieren, die immer komplexer" werde: "geopolitische Spannungen, steigende Energie- und Rohstoffpreise, vielschichtige außenpolitische Entscheidungen".

Experten-Team aus Ex-Militär- und Geheimagenten

In der Tat wird das Informationsgestrüpp täglich dichter. Doch Beratungsfirmen gibt es schon genug. Was ist also das Besondere an Jellyfish?

Präsident Michael Bagley erklärt es in allerfeinstem Consulting-Jargon, als er sein Unternehmen der Presse vorstellt: "In einer Welt, in der sich Energie-, Finanz- und Militäroperationen verknüpfen, ist es lebenswichtig, eine Informationsbrücke vom Schlachtfeld ins Vorstandszimmer schlagen zu können."

Allein das Wort "Schlachtfeld" dürfte potentielle Kunden aufhorchen lassen. Und auch das: Jellyfish biete zu diesem Zweck ein "einzigartiges" Expertenteam - zusammengestellt unter anderem aus "ehemaligen Militär- und Geheimagenten".

Schlachtfeld? Militär? Geheimagenten? Spätestens da wird klar: Jellyfishs Serviceleistung sollte man etwas ernster nehmen als sein grellrotes Quallen-Logo. Während sich klassische Consulting-Häuser wie Stratfor auf herkömmliche Analysemethoden verlassen, greift Jellyfish wesentlich tiefer in die Trickkiste - und zu geheimdienstlich-militärischen Mitteln.

Privat-Geheimdienst für die Wall Street

Kein Wunder: Die Firma ist das Geistesprodukt einschlägiger Herren. Jellyfish - das sind unter anderem Ex-Strippenzieher der skandalumwitterten US-Söldnerfirma Blackwater, die mit ihren tödlichen Machenschaften im Irak ins Gerede geriet. Das Unternehmen durchlebte mehrere Mutationen und wurde schließlich meistbietend verscherbelt.

Die Veteranen des berüchtigten Sicherheits-, Kriegs- und Schießladens fassten daraufhin eine andere Klientel ins Auge: die Wall Street.

Jellyfish will Amerikas "Fortune 500"-Konzerne und deren Top-Manager mit einer eigenen Armee aus Geheimagenten und Spionen ausstatten - eine Art Privat-CIA, die "vorausschauende Informationen" bieten soll, um die "weltweiten Geschäftsinteressen" ihrer Klientel zu wahren und zu schützen.

Connections in Dutzenden Ländern

Dazu will Jellyfish die "lange etablierten Beziehungen" der Blackwater-Clique anzapfen - "von Bogota bis Belgrad, von Somalia bis Südkorea", so behauptet es die Firma. Man habe Verbindungen in mehr als zwei Dutzend Länder - mit der muslimischen Brüderschaft in Ägypten, mit Klerikern in Iran, mit Stammesführern in Pakistan, mit "Oppositionsgruppen im gesamten Nahen Osten". Dieses Netzwerk nähre sich aus "der akademischen Welt, Think-Tanks, dem Militär oder der Regierung" - inklusive "mehr als 200 Geheimdienstlern" in "globalen Hot Spots".

Vor allem aber nährt sich dieses Team eben aus dem alten Blackwater-Kosmos. Jellyfish-Vorstandschef Keith Mahoney leitete zuvor die Sicherheitsfirma Total Intelligence Solutions, damals ein Schwesterunternehmen von Blackwater. Jellyfish-Vizepräsident Michael Yorio war Verkaufsleiter bei Xe Services, wie sich Blackwater nach der Irak-Affäre umbenannte, um das Rambo-Image abzuschütteln.

Durchlauferhitzer für ausrangierte Beamte

Andere Jellyfish-Leute kommen von "Able Danger", einem umstrittenen Datenschürf-Geheimprogramm der US-Regierung, das mal Terroristen identifizierten sollte, aber nach scharfer Kritik im Kongress noch vor den Anschlägen von 2001 wieder eingestellt wurde. Die angeblichen Erkenntnisse, die "Able Danger" nach Angaben einiger Teilnehmer vorab über die 9/11-Attentäter gehabt haben will, wurden nie bestätigt - und nie ausgewertet.

Jellyfish-Technologiechef J.D. Smith und Militärberater Tony Shaffer waren beide prominente "Able Danger"-Akteure. Shaffer, ein Armee-Oberstleutnant a.D., hat darüber hinaus ein Buch über die Verquickung von Militär und Geheimdienst geschrieben. Titel: "Operation Dark Heart" - Operation dunkles Herz. Das scheint der Wall Street direkt auf den Leib geschneidert.

Mahoney betont jedoch, die alten Söldnerzeiten seien vorbei - für die Wirtschaft gehe alles ganz gediegen zu: "Jellyfish Intelligence hat kein Interesse an Gewehren und Gattern und Wachposten."

17 Zivilisten erschossen

Ein Markt dafür besteht jedenfalls. Das haben andere Consulting-Firmen längst erkannt - sie sind oft eine Art Durchlauferhitzer für ausrangierte Regierungsexperten, denen sie eine zweite oder dritte Karriere bieten.

Doch keine Firma prahlt so ungeniert mit ihrer kontroversen Vergangenheit wie Jellyfish. Sowohl Blackwater wie auch "Able Danger" entpuppten sich als Fehlschläge mit Folgen. Blackwater, einst die Top-Vertragsfirma im Irak und in Afghanistan, kam 2007 ins Gerede, als Blackwater-Söldner in Bagdad 17 Zivilisten erschossen. Es folgten Prozesse, Anhörungen, weitere Vorwürfe - und die Diskreditierung des Unternehmens. Bis heute köcheln Verfahren, Blackwater zahlte 42 Millionen Dollar Strafe.

2009 nannte sich Blackwater in Xe um - und bleibt so weiterhin eine Vertragsfirma der US-Regierung. Ende vorigen Jahres verkaufte Gründer Erik Prince seine Anteile an eine Investment-Gruppe, für angeblich rund 200 Millionen Dollar. Einen neuen Job hat er auch schon - nach Recherchen der "New York Times" trainiert er im Scheichtum Abu Dhabi seit fast einem Jahr eine Geheimtruppe, um den Vereinigten Arabischen Emiraten im Kampf gegen Terror und Unruhen beizustehen.

Und wollen sich amerikanische Großkonzerne für ihr Engagement in den Emiraten beraten lassen, gibt es nun eben auch für sie eine praktische Ex-Blackwater-Adresse: Jellyfish.

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