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Landärzte sollen mehr Geld bekommen

Medizinische Versorgung  

Landärzte sollen mehr Geld bekommen

30.05.2011, 10:47 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Landärzte sollen mehr Geld bekommen. Für Landärzte soll es attraktive Anreize geben (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Für Landärzte soll es attraktive Anreize geben (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Auf dem Land haben in der Vergangenheit immer mehr Arztpraxen schließen müssen, nun soll ein neues Gesetz Abhilfe schaffen. Zuschläge für Landärzte, Schließung von Praxen in den Städten - mit vielen neuen Regeln will die Regierung die medizinische Versorgung auf dem Land verbessern. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigte sich in Berlin zufrieden, dass nach vielen "Streitereien" das Versorgungsgesetz nun kurz vor dem Abschluss stehe. Doch die Ärzte drohen bereits mit einer "Eskalationsstrategie" im Ringen ums Honorar und eine neue Gebührenordnung.

Bessere Perspektiven für Landärzte

"Insgesamt ist das Versorgungsgesetz ein großer Schritt voran für die Verbesserung der Versorgung in Deutschland", sagte Bahr. Letzte Details würden kommende Woche geklärt, am 1. Januar 2012 solle das Gesetz in Kraft treten. Nach dem 163-Seiten-Entwurf, der der dpa vorliegt, sollen Landärzte Preiszuschläge bekommen und von Obergrenzen bei der Bezahlung ausgenommen werden. Wenn ein Arzt zuvor fünf Jahre in einer Mangelregion gearbeitet hat, soll er leichter in eine Stadt wechseln können. "Wir schaffen den jungen Medizinern, die sich entscheiden, in die Fläche zu gehen, eine verlässliche Perspektive", sagte Bahr. Bis zu 20.000 Ärzte werden nach Schätzungen in den kommenden Jahrzehnten fehlen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Gemeinden sollen größeren Handlungsspielraum erhalten

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen künftig mit Mitteln aus einem Strukturfonds Landärzte fördern. So soll es laut Entwurf Zuschüsse bei Investitionen geben, wenn sich ein Arzt neu auf dem Land niederlässt oder Zweigpraxen gründet. In Kliniken soll mehr ambulant behandelt werden. Gemeinden sollen notfalls selbst Ärzte anstellen können.

Wenn ein Arzt in Ballungsräumen mit vielen Medizinern in Rente geht, sollen die Arzt-Vereinigungen ein Vorkaufsrecht bekommen. Dann können sie die Praxis schließen. Das Bahr-Ministerium geht aber nicht von vielen Fällen aus. Kinder und Ehegatten des ausscheidenden Arztes haben weiter erstes Zugriffsrecht. Die Krankenkassen hatten gefordert, auch die Ärzteballung in Städten zu bekämpfen, so dass der Kampf gegen den Ärztemangel nicht zu neuen Milliardenkosten führt. Das Ministerium rechnet nicht mit hohen Kosten - heute gebe es schlicht noch nicht so viele Mangelregionen, in die mehr Geld fließt.

Bundesärztekammer fordert weitreichende Innovationen

Die Bundesärztekammer begrüßte die Pläne - die Elemente reichten aber nicht aus, sagte Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery der dpa. "Man muss viel innovativer sein, wenn Ärzte sich auch in der Fläche niederlassen sollen." Montgomery forderte zudem eine neue Gebührenordnung und insgesamt angemessenes Honorar für die Ärzte. "Es gibt immer auch eine Eskalationsstrategie", drohte er. Notfalls würden die Ärzte das Land oder die Medizin verlassen.

Beim Ärztetag in der kommenden Woche in Kiel gilt Montgomery als Favorit für die Nachfolge des scheidenden Ärztepräsidenten Jörg-Dietrich Hoppe. Im Bahr-Ministerium wertete man die Drohung als der Kandidatur geschuldet. Der Krankenkassenverband warf Montgomery Realitätsverlust vor. "Anders ist es nicht zu erklären, dass er ein durchschnittliches Brutto-Gesamthonorar für niedergelassene Ärzte von 165.000 Euro, von dem die Praxiskosten bereits abgezogen sind, als unangemessen bezeichnet", sagte Sprecher Florian Lanz der dpa.

Forderung nach Priorisierung zurückgewiesen

Hoppe forderte erneut eine Rangliste medizinischer Behandlungen nach Wichtigkeit. "Wir Ärzte werden das Thema Priorisierung in die Hand nehmen, weil die Politik sich bisher geweigert hat", sagte Hoppe der "Rheinischen Post". Demnach soll es Prioritäten bei Therapien geben, weil die Ärzte nicht mehr alle Patienten gleich behandeln könnten. Regierung und Kassen wiesen die Forderung zurück.

Der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann kritisierte: "Das Versorgungsgesetz leidet unter den vielen Kompromissen zwischen Bund, Ländern und Fraktionen." Der Geschäftsführer der Deutsche Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, forderte, mit dem Gesetz auch die Finanzprobleme der Kliniken zu lösen.

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