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Karriere: Schwätzer sind unerwünscht!

Karriere  

Schwätzer sind unerwünscht!

27.04.2009, 13:26 Uhr | Andreas Thieme, dpa / t-online.de/business

Karriere: Schwätzer sind unerwünscht!.

Ausgesprochene Plaudertaschen sind im Kollegenkreis meist nicht beliebt. (Foto: Imago)

Die letzte Bewerberrunde ist überstanden, der Arbeitsvertrag in der Tasche, was kann jetzt beim Start in den neuen Job noch schief gehen? Leider so einiges. Wenn Sie etwa am ersten Arbeitstag ihr Auto auf dem Parkplatz des Chefs abstellen, ist es mit der Karriere schnell vorbei. Wir zeigen, wie Sie Fettnäpfchen aus dem Weg gehen.

Ins neue Umfeld einordnen

Wer neu im Büro ist, sollte zunächst eine Beobachterrolle einnehmen. "Gerade in den ersten Tagen sollten Neulinge nicht zu forsch auftreten", rät Karrierecoach Hans-Rainer Vogel aus Wiesbaden. Da viele Unternehmen über feste Strukturen verfügen, komme es zu Beginn vor allem darauf an, sich selbst im neuen Arbeitsumfeld einzuordnen. Berufseinsteiger müssten dabei die eigene Position richtig einschätzen können, sagt Jürgen Siebert von der Beraterfirma Kienbaum in Düsseldorf.

Nicht gleich zu Beginn die Abteilung umkrempeln

Eigene Ideen oder Verbesserungsvorschläge gelte es erst dann vorzutragen, wenn sie explizit erwünscht sind. Den "Neuen" werde daher zunächst viel Geduld abverlangt. "Falsch ist es, zu schnell zu viele Veränderungen zu wollen", warnt Vogel. Abwartende Neugier sei die weitaus bessere Haltung. "Das kommt auch bei den Kollegen gut an", meint Paul Stallmeister, Berufsberater für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur in Münster. Ein Besserwisser, der gleich zu Beginn die Abteilung umkrempeln will, werde es schwer haben. Erfolg versprechender sei, Prozesse und Strukturen der täglichen Arbeit erst einmal sorgfältig kennenzulernen.

Frühzeitig Fragen stellen

Hilfestellung bietet laut Stallmeister oft ein offizieller Ansprechpartner aus dem Unternehmen. Dem könnten Berufsanfänger Fragen stellen - und sollten das auch tun. "Kollegen denken nicht, dass man alles besser kann, wenn man frühzeitig Fragen stellt", sagt Stallmeister. Vielmehr zeige es Interesse und Motivation. Allerdings sei es empfehlenswert, Fragen zunächst zu sammeln und erst bei passender Gelegenheit zu stellen - etwa nach Meetings oder bei einem persönlichen Termin.

Kontake aufbauen

"Neben der Kenntnis der innerbetrieblichen Abläufe ist auch die persönliche Integration ein Schlüsselfaktor für einen erfolgreichen Berufsstart", betont Jürgen Lürssen, Karriereberater und Professor für Marketing an der Universität Lüneburg. Daher sei es von Bedeutung, sich intensiv mit den neuen Kollegen zu beschäftigen und zu unterhalten - beruflich wie privat. Das gelte auch für Kontakte zu Mitarbeitern aus anderen Abteilungen. "Der Aufbau eines breiten Netzwerkes ist nicht nur bei der Jobsuche behilflich, sondern auch im Beruf selbst", so Lürssen.

Einstand in den ersten zwei Wochen

"Dementsprechend wichtig ist der eigene Einstand bei den neuen Kollegen", erklärt Imme Vogelsang, Geschäftsführerin von Etikette Trainer International (ETI) in Hamburg. Der sollte möglichst in den ersten zwei Wochen gegeben werden. Welcher Rahmen üblich ist, erfragt man am besten bei Kollegen.

Nicht zu vertraulich werden

Beim Einstand gehört es zwar dazu, sich den anderen vorzustellen. Ein Kardinalfehler ist es Vogelsang zufolge jedoch, ausschweifend vom eigenen Privatleben oder kuriosen Hobbys zu erzählen. "Zu Persönliches oder negative Dinge über frühere Arbeitgeber hinterlassen keinen guten Eindruck", so Vogelsang. Ein Fauxpas sei es außerdem, dem Chef von sich aus private Fragen zu stellen. "Gerade zu Berufsbeginn sollte das eigene Verhalten zuvorkommend, aber nicht zu vertraulich sein", rät der Experte.

Keine langatmigen Entschuldigungen

Den Ärger des Chefs sichert sich auch, wer gleich am ersten Tag unpünktlich ist. Solche unangenehmen Situationen lassen sich oft aber auf freundliche Weise entschärfen: "Eine ehrliche Entschuldigung, die kurz und sachlich ist, wirkt in solchen Fällen Wunder", so Vogelsang. Langatmige und affektierte Erklärungen seien hingegen nervig und reizten verärgerte Chefs nur noch mehr.

Typische Anfängerfehler

Ein typischer Anfängerfehler ist laut Lürssen auch unangemessene Kleidung. In Jeans und Karohemd komme zwar niemand mehr zur ersten Abteilungsbesprechung. Nicht weniger problematisch sei es aber auch, wenn der neue Mitarbeiter besser gekleidet ist als der Chef - also "overdressed". Vermeiden lässt sich das laut Vogelsang, indem Bewerber nach dem Vorstellungsgespräch den Dress-Code der Abteilung erfragen.

Selbstüberschätzung sorgt für Streit

Gibt es Probleme mit Vorgesetzten oder Mitarbeitern, sollten diese direkt angesprochen werden, rät Lürssen. Als Leiter einer Gruppe von Mitarbeitern gelte es zudem, Neid oder Ablehnung offen zur Sprache zu bringen. Gründe für Dissonanzen liefern die Neulinge nicht selten aber auch selbst - denn oft sorge ihr Hang zur Selbstüberschätzung für Streit.

Praxis-Schock vermeiden

Hochschulabsolventen erleben beim Start in den ersten Job oft einen regelrechten Praxis-Schock. Ärger kann es geben, wenn sie überfordert sind oder die neue Arbeit nicht den eigenen Erwartungen entspricht. Um Enttäuschungen vorzubeugen, sollten Büroneulinge keine übertrieben hohen Ansprüche hegen, zumal Zielsetzungen ohnehin vom Chef vorgegeben werden, empfiehlt Jürgen Siebert vom Beratungsunternehmen Kienbaum in Düsseldorf. "Sinnvoller ist es, den Berufsstart auch als Orientierungsphase nutzen", so Siebert.

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