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Wirtschaftskrise: Raus aus dem Motivationsloch

Motivation  

Krise im Kopf meistern

04.01.2010, 11:28 Uhr | dpa-tmn, Tobias Schormann / t-online.de/business

Wirtschaftskrise: Raus aus dem Motivationsloch. Im Job durchstarten trotz Krise - das geht! (Foto: Archiv)

Im Job durchstarten trotz Krise - das geht! (Foto: Archiv)

Krisenstimmung im Betrieb: Die zurzeit in vielen Unternehmen unsichere Lage macht vielen Beschäftigten Angst - und kann manchem die Lust am Job verderben. Experten verraten, wie Mitarbeiter aus dem Motivationsloch wieder herausfinden.

"Das ist ein Teufelskreis"

Die gedrückte Stimmung in der Firma lasse die Mitarbeiter oft in eine Schreckstarre verfallen, erklärt Madeleine Leitner, die in München als Coach arbeitet. "Die sitzen dann wie das Kaninchen vor der Schlange", so die Expertin. Eine Mischung aus Angst, fehlender Motivation und Identifikation mit der Arbeit drückt außerdem auf die Leistung. "Das ist ein Teufelskreis", warnt Manuel Tusch aus Köln. "Wer Angst hat, macht auch eher Fehler. Und bekommt dann noch mehr Angst", sagt der Psychologe und Karriereberater. Mitarbeiter kommen womöglich also erst recht auf die Abschussliste, wenn sie sich von der Krise ins Bockshorn jagen lassen.

Keine Angst vor der Angst

Lockere Sprüche wie "Immer positiv denken" bringen jetzt gar nichts. Auch "Augen zu und durch" ist demnach die falsche Devise. "Wenn man die Angst verdrängt, steigert sie sich nur", erklärt Tusch. Statt die Augen zu verschließen, müssten Mitarbeiter sich der Angst stellen. "Keine Angst vor der Angst", so der Karrierecoach. Sie sei eine Energie, die auch nützlich sein kann. So war sie schon für die Steinzeitmenschen überlebenswichtig. Denn sie brachte diese dazu, rechtzeitig Verteidigungsstrategien zu entwickeln.

Keine Panik

Wie bei jedem Notfall heißt die erste Regel: Ruhe bewahren. Wenn es in der betrieblichen Gerüchteküche brodelt, gibt es viel heiße Luft. Von Horrormeldungen sollten sich Mitarbeiter sich also nicht verrückt machen lassen. Denn erstens kommt es anders - und zweitens, als man denkt. Die Konjunkturprognosen für 2010 klangen zunächst auch furchtbar, jetzt soll die Wirtschaft stärker wachsen als gedacht.

"Erste-Hilfe"-Maßnahmen

Erste Hilfe gegen aufkommende Panik verspricht laut Tusch ein "Realitäts-Check". Dazu gehöre ein "Worst-Case-Szenario" und die Frage: Was kann mir eigentlich passieren? Manchmal merkten Beschäftigte dann, dass es gar nicht so schlimm kommen kann. "Kognitive Impfung" nennt Leitner diese Methode. Wer sich auf eine mögliche Kündigung gefasst macht, den treffe sie weniger hart.

Keine Funkstille zum Chef

In einer Wirtschaftsflaute herrscht oft Funkstille zwischen Chef und Mitarbeitern. Ein Fehler, meint Leitner, denn das steigere nur die Unsicherheit. "Und das ist ja das Schlimmste, wenn das Damoklesschwert ständig über einem schwebt", erläutert der Experte. Dagegen hilft, den Kontakt zum Chef zu halten. Dann sind die Chancen höher, rechtzeitig über drohende Entlassungen informiert zu werden.

Jammern hilft

Auch jammern ist erlaubt. Zumindest kann hilfreich sein, wenn sich unter Kollegen gegenseitig einmal sein Leid zu klagen. Geteiltes Leid ist Leitner zufolge eben halbes Leid. Und in der Krise habe jeder Angst um seinen Job. Solche Gespräche könnten helfen, eine Entlassung zu enttabuisieren und "den Druck rauszunehmen", so Leitner. "Manche machen sich da selber völlig fertig. Dabei muss man sich klarmachen: Das passiert heutzutage eben, das ist keine Blamage", beruhigt die Fachfrau.

Schwarzseher meiden

Für notorische Nörgler ist die Krise ein gefundenes Fressen. Wer ohnehin schon immer alles schlecht fand und glaubte, dass der Chef es auf ihn abgesehen hat, der wird seine Haltung jetzt wahrscheinlich erst recht nicht ändern. So etwas kann sich aber schnell zur Prophezeiung entwickeln, die sich selbst erfüllt. Der Coach Volker Kitz aus Köln empfiehlt daher, solch maulende Kollegen besser zu meiden, um sich von ihnen nicht runterziehen zu lassen.

Vorbilder suchen

Wer es in New York schafft, der schafft es überall, heißt es in einem Lied von Frank Sinatra. Das gleiche gilt für die Krise: Wer es jetzt schafft, der wird auch weiterhin erfolgreich sein. Kitz' Tipp daher: nach Vorbildern Ausschau zu halten, die in der Krise Erfolg haben. Ein Kollege, der sich anderweitig beworben und eine Stelle gefunden hat, kann Mut machen, es ihm nachzutun.

Notfallplan schmieden

Wer sich als Spielball der Krise sieht, fühlt sich natürlich hilflos, betont Leitner. Besser sei es, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und "rechtzeitig einen Plan B zurechtlegen", meint Tusch. Das bedeute, frühzeitig Jobalternativen ins Auge zu fassen oder sich um eine Weiterbildung zu kümmern.

Ziele anvisieren

In allem zurückstecken nur wegen der Krise - das ist oft der falsche Weg. "Wenn ich keine Visionen mehr habe, bin ich nicht mehr motiviert. Das ist dann wieder der Einstieg in den Teufelskreis", sagt Tusch. Also weiter um mehr Gehalt verhandeln und auf höhere Posten bewerben. Unrealistisch ist das keineswegs: Zwar setzen wegen der mauen Konjunktur zurzeit viele Firmen auf Personalabbau - Mitarbeiter, die "drin" bleibt, können aber immer noch viel erreichen. Auch in der Krise gebe es immer noch Traumjobs, versichert Leitner.

Mitarbeiter wollen klare Ansagen

Klarheit über die Lage des Unternehmens ist Mitarbeitern in der Wirtschaftskrise besonders wichtig. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Personalberater von Rundstedt HR Partners in Düsseldorf unter rund 1000 Erwerbstätigen. Transparenz ist demnach das Wichtigste, was Arbeitnehmer erwarten: Zwei Drittel (66,6 Prozent) wollen über die aktuelle Situation und die Zukunftspläne des Betriebs informiert werden. Und rund die Hälfte möchte frühzeitig wissen, wenn im Unternehmen Stellen gestrichen werden (49 Prozent).

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