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Ausgestorbene Berufe: Was hat ein Urinwäscher gemacht?

Urinwäscher und Co.: Diese Berufe gibt es nicht mehr

| t-online.de, sia, t-online.de

Ausgestorbene Berufe: Was hat ein Urinwäscher gemacht?. Waschfrauen auf einem Mittelaltermarkt in Nabburg (Quelle: imago images)

Waschfrauen auf einem Mittelaltermarkt in Nabburg (Quelle: imago images)

"Spinner" oder "Haderlump" haben vielleicht auch Sie schon einmal jemanden ausgeschimpft. Aber wissen Sie, dass sich dahinter Bezeichnungen für ehrbare, mittlerweile aber ausgestorbene Berufe verbergen? Und die klingen manchmal ziemlich schräg: Auch die Dienste von Urinwäschern oder Farrenwärtern werden heutzutage nicht mehr benötigt. Wir verraten Ihnen, was dahintersteckt.

Waschen mit Urin

In der römischen Kaiserzeit war es etwa selbstverständlich, wollene Gewänder den Urinwäschern zur Reinigung zu überlassen. In ihrem Buch "Plumpsklo, Abort, Stilles Örtchen" (Edition anderweit) erklärt Autorin Mila Schrader auch, wie das funktionierte: Mit dem Fett und dem Talg in den schmutzigen Kleidern habe der etwa zehn Tage gelagerte Urin auf Ammoniakbasis eine stark reinigende Seife gebildet. In europäischen Tuchfabriken sei die Urinwäsche noch Anfang des 20. Jahrhunderts praktiziert worden: Die Tuchmacher stellten demnach ein "Pissfatt" auf ihren Hof, in das jeder Arbeiter urinierte.

Pfleger der Vatertiere

Die Website des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck in Tuttlingen etwa erklärt die Aufgaben eines Farrenwärters: Männer dieses Berufsstandes waren für die Vatertierhaltung der Gemeinde verantwortlich, kümmerten sich zum Beispiel um die Pflege von Bullen, Ebern und Ziegenböcken. Sie brachten die Tiere zum Decken mit weiblichen Artgenossen zusammen und führten die Deckregister. Anfang der 60er-Jahre wurde die künstliche Besamung eingeführt - und damit wurden die Farrenwärter nicht länger gebraucht.

Dienstleister für die Notdurft unterwegs

Zu den früheren Dienstleistern gehörte der Abtrittanbieter - auch "Madame oder Monsieur Toilette" genannt -, der im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in westeuropäischen Großstädten seine Dienste anbot. Oft mit Masken versehen, trugen die in einen weiten Umhang gekleideten Männer und Frauen mit Deckeln verschlossene Kübel durch die Straßen, die an Ketten an ein Joch gehängt waren und so auf den Schultern getragen werden konnten. In ihre Eimer und verborgen hinter dem Umhang konnte dann der eilige Bürger seine Notdurft verrichten.

Kein Bedarf mehr

Vor allem im Handwerk gab es früher eine Vielzahl von Berufen, die heute gar nicht mehr existieren. Teils, weil diese Tätigkeiten mittlerweile durch Maschinen erledigt werden, teils aber auch, weil die handwerkliche Leistung oder das angefertigte Produkt nicht mehr benötigt wird.

Kfz-Mechaniker des Mittelalters

Der Wagner zum Beispiel war einer der vielseitigsten Holzhandwerker und - wie der Name schon sagt - für Wagen zuständig. Er fertigte Räder, Karren, Kutschen und auch landwirtschaftliche Geräte. Der Wagner war sozusagen der Kfz-Mechaniker des Mittelalters - und außerhalb des süddeutschen Raums auch unter der Bezeichnung Stellmacher zu finden.

"Affengießer" hat nichts mit Affen zu tun

Im metallverarbeitenden Bereich war in früheren Zeiten der Affengießer tätig. Mit Affen kam diese Berufsgruppe aber nicht in Berührung. Wer dieser Profession nachging, goss laut der Online-Enzyklopädie enzyklo.de Gebrauchsgefäße, Taufbecken und Bütten ebenso wie kleinere Glocken und Weihrauchgefäße.

Berufsstand wird zum Schimpfwort

Die Profession des Haderlump hingegen war das Lumpensammeln. Er wanderte durchs Land und suchte alte Kleidung und Stoffreste zusammen. Beides diente bis ins 18. Jahrhundert als einziger Rohstoff zur Herstellung von Papier, vor allem für den Buchdruck.

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