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Arbeitszeugnisse werden immer besser

Studie  

Arbeitszeugnisse werden immer besser

05.02.2016, 13:09 Uhr | FTD, Sabine Meinert 

Arbeitszeugnisse werden immer besser. Arbeitszeugnisse: Arbeitgeber beurteilen ihre Mitarbeiter immer besser. (Foto: Imago)

Arbeitgeber beurteilen ihre Mitarbeiter immer besser. (Foto: Imago)

Deutsche Arbeitgeber sind offenbar zufriedener mit ihren Beschäftigten. Das zeigen deutlich bessere Arbeitszeugnisse als noch vor Jahren. Ein Gericht sagt zudem, zu freundliche Bewertungen kann es gar nicht geben.

Arbeitgeber sind großzügiger geworden bei ihren Urteilen

Ein Zeugnis ist nicht sittenwidrig, wenn die Leistung eines Mitarbeiters darin zu positiv bewertet wird. Das ist das jüngste Urteil des Landesarbeitsgerichtes Nürnberg zum Thema Arbeitszeugnisse. Doch abgesehen von dem aktuellen Fall, eine Studie des Dienstleisters PMS Personalmanagement Service in Berlin macht deutlich: Arbeitgeber sind inzwischen deutlich großzügiger mit positiven Leistungsurteilen als in den vergangenen zehn oder 15 Jahren - und sie schreiben es auch auf.

Durchschnittsnote von 1,9

1994 lag die Zufriedenheit der Arbeitgeber mit ihren Mitarbeitern - in Schulnoten ausgedrückt - im Schnitt bei 2,4. Die Untersuchung von mehr als 1100 Arbeitszeugnissen von Beschäftigten aller Berufsgruppen und Branchen ergab aktuell eine Note von 1,9. Bei der Auswertung entsprach die Formulierung "hat alle Aufgaben stets zu unserer vollsten/größten/äußersten Zufriedenheit ausgeführt" der Note 1, die Leistungsbewertung "hat im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit ausgeführt" wurde der Note 5 gleichgesetzt.

Nicht alle Beurteilungen glaubwürdig

Untersucht wurde gleichzeitig aber auch die Glaubwürdigkeit der Leistungsbeurteilung. Wenn Aussagen zum Fachwissen, zu Leistungsaspekten oder zum Verhalten vollständig fehlten oder von der Gesamtbewertung deutlich abwichen, wurde das Zeugnis als weniger glaubwürdig eingestuft. Auch formale Mängel oder die fehlende Dankesformel beziehungsweise fehlende Zukunftswünsche setzten die Glaubwürdigkeit der Gesamtnote herab. Nur 963 Zeugnisse ohne gravierende Abweichungen wurden daher in die Statistik einbezogen.

Kein Unterschied zwischen Frauen und Männern

Die Studie zeigt: Etwa ein Drittel der Zeugnisse entsprach der Note 1, gut 35 Prozent der Note 2. Bezieht man die Zwischenstufen mit ein, weisen mehr als drei Viertel aller untersuchten Arbeitszeugnisse eine gute oder bessere Bewertung auf. In der Bewertung von Frauen und Männern konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.

Bedeutung von Zeugnissen nimmt zu

Fakt ist: Die Bedeutung der Arbeitszeugnisse nimmt zu. Beschäftigte wechseln inzwischen häufiger den Arbeitsplatz als noch in den 90ern. Viele arbeiten als Teilzeitbeschäftigte oder brauchen mehrere Jobs, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeitnehmer lesen deshalb ihre Zeugnisse sehr genau und fordern eine adäquate Bewertung, wenn sie sich zu schlecht beurteilt fühlen.

Scheu vor juristischer Auseinandersetzung

Arbeitgeber geben indes immer öfter klein bei, auch wenn sie ihre Mitarbeiter längst nicht so positiv bewerten wie die sich selbst. Die Unternehmen versuchen damit, kostspielige Streitigkeiten vor Gericht zu umgehen. Schließlich ist der Arbeitgeber bei schlechteren Arbeitszeugnissen in der Beweispflicht, die unterdurchschnittliche Beurteilung zu belegen.

Personalmanager sehen unheilvollen Trend

Derart "geschönte" Arbeitzeugnisse nehmen jedoch einem einstellenden Unternehmen die Chance, einen wirklich geeigneten Bewerber auszuwählen. Zahlreiche Personalmanager sehen in den positiveren Arbeitszeugnissen daher bereits einen unheilvollen Trend. Eine tatsächliche Leistungsbeurteilung werde immer schwieriger. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Zeugnisse als Leistungsnachweise ausgedient hätten, fürchten viele.

Kritik "zwischen den Zeilen"

Andere Personalprofis plädieren dafür, Kritik und eine realistischere Leistungseinschätzung in Zeugnissen dennoch unterzubringen - abseits der Gesamtnote. Wer beispielsweise einen wichtigen Leistungsaspekt gar nicht aufführt, weist darauf hin, dass es damit möglicherweise nicht zum Besten bestellt war. Auch Formulierungen, die (einem Teil) der Gesamtbewertung widersprechen, relativieren die Beurteilung. Solange es noch aussagekräftige, differenzierte Zeugnisse gebe, gelte es daher für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch "zwischen den Zeilen" zu lesen, legt die Untersuchung nahe.

Für die Studie wurden 1100 Arbeitszeugnisse von Beschäftigten aller Branchen, Berufs- und Altersgruppen in anonymisierter Form ausgewertet. Alle Zeugnisse wurden im Zeitraum 2006 bis 2010 ausgestellt. Der Ersteller der Auswertung, www.arbeitszeugnis.de, ist ein Dienstleister der PMS Personalmanagement Service GmbH.

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