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Kommunikation: Kritik nicht mit dem Vorschlaghammer

Kritik nicht mit dem Vorschlaghammer

11.08.2010, 10:38 Uhr | Andreas Heimann, dpa / t-online.de/business

Kommunikation: Kritik nicht mit dem Vorschlaghammer. Wer Kritik nur übt, um sich abzureagieren, macht alles falsch.  (Foto: Imago)

Wer Kritik nur übt, um sich abzureagieren, macht alles falsch. (Foto: Imago)

"Verdammt, Müller, wie dumm kann man sich noch anstellen!" - wenn in der Firma gerade alles schiefläuft, kann man schon mal aus der Haut fahren. Wirklich positive Ergebnisse bringt so ein Gepolter vom Chef und auch von Kollegen allerdings nicht. Wir zeigen, wie Sie vermeiden, dass eine Kritik komplett danebengeht - und wie das Kritisieren richtig gut funktioniert.

Dampf ablassen reicht nicht

Zu meckern gibt es immer etwas. Das gilt auch am Arbeitsplatz. Sei es, dass ein Mitarbeiter sich am Arbeitstempo eines Kollegen stört oder den Chef die langen Pausen in seiner Abteilung nerven. Es ist aber nicht einfach, das so anzusprechen, dass es besser wird. Eben darum geht es bei gekonntem Kritisieren: Es reicht nicht, Dampf abzulassen oder Andeutungen zu machen, die bei niemandem ankommen. Die Kunst ist es vielmehr, den anderen dazu zu bringen, sein Verhalten zu ändern.

Chefs dürfen nicht einfach wegschauen

Oft klappt das nicht. "Manche können überhaupt nicht mit Kritik umgehen", sagt Gitte Härter, Karrierecoach aus München. Andere hörten überall Kritik heraus. Und auch diejenigen, die Kritik üben, machen viel verkehrt. Mancher Vorgesetzte scheue vor Kritik zurück - aus Angst, sich unbeliebt zu machen. Das ist nach Härters Überzeugung keine Lösung. "Führungskräfte dürfen nicht wegschauen, wenn etwas schiefläuft, sondern sollten das offen ansprechen", rät die Expertin.

Die erste Frage auf dem Weg zu gelungener Kritik müsse lauten "Was ist mein Motiv?", erläutert Härter. "Will ich dem anderen eins reinwürgen, oder will ich etwas erreichen?" Im ersten Fall ist die Kritik demnach nur Vorwand, im zweiten die Chance größer, Gehör zu finden.

Eigene Maßstäbe hinterfragen

Kritik ist oft aber sehr subjektiv: Was der eine schlecht findet, findet ein anderer ganz in Ordnung. "Man muss deshalb die eigenen Maßstäbe kritisch hinterfragen", empfiehlt Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. "Es ist ein grundlegender Fehler, von der eigenen Wahrnehmung auf die anderer zu schließen", so Hofert.

Wichtig ist auch zu klären, wer der Adressat sein soll. Es bringt wenig, in einer Teambesprechung Kritik zu üben, wenn unklar ist, wen genau sie meint. "Wenn im Team zehn Leute sitzen, der Chef aber nur zwei im Auge hat, sind die acht anderen demotiviert. Und die zwei, um die es geht, fühlen sich nicht angesprochen", erklärt Härter.

Keinen Anranzer vor versammelter Mannschaft

Kritik vor versammelter Mannschaft ist deshalb nur sinnvoll, wenn sie alle gleichermaßen betrifft. "Sonst sind Einzelgespräche immer besser", betont Coach Härter. Indiskutabel ist, Einzelne vor allen anderen anzuprangern. Und Kritik sollte immer mündlich geäußert werden, nicht per E-Mail, empfiehlt Svenja Hofert. Es sei denn, es geht um kleine Details.

Problem früh ansprechen

Schwierig wird es für Vorgesetzte, wenn Mitarbeiter sich über andere beschweren. "Dann muss man abwägen, ob die Vorwürfe konkret genug sind für ein Kritikgespräch", sagt Härter. Ein guter Chef motiviere Mitarbeiter, Kritik an anderen zu üben. Sie muss aber verhältnismäßig sein. "Man muss prüfen, ob der Anlass es wert ist", erläutert Kommunikationstrainerin Meike Müller aus Berlin. Zu lange dürfe nicht gewartet werden, denn "es ist besser, etwas möglichst früh anzusprechen. Jeder Konflikt war mal ein Konfliktchen".

Auch vom beiderseitigen Verhältnis hängt ab, wie Kritik formuliert werden sollte. "Einen Freund kann ich natürlich fragen 'Wie kann man nur so dämlich sein?'", so Meike Müller. Bei einem Mitarbeiter, den man nur flüchtig kennt, sollte man sich fragen "Was halte ich von dem?". Und dabei sei es ausgesprochen nützlich, das Positive zu suchen und sich nicht auf das Negative zu konzentrieren. Wer sich über die Stärken des anderen bewusst ist, kritisiert ausgewogener.

Ich-Botschaften vermitteln

Aber in vielen Fällen macht der Ton die Musik. "Auch Sprechweise, Stimme und Körpersprache haben Einfluss darauf, was bei dem anderen ankommt", erklärt die Berliner Kommunikationsfachfrau. Am besten formuliere man Ich-Botschaften. Statt "Du hast dich total daneben benommen" herauszuposaunen besser mit dem Satz "Ich habe mich geärgert, als Du so laut geworden bist" reagieren. Vorwürfe provozieren Abwehr, Ich-Botschaften helfen anderen, ihr Verhalten zu hinterfragen.

Erwartung formulieren

Es ist Müller zufolge falsch, das Gespräch mit Vorwürfen zu beginnen. Am besten stehe am Anfang eine sachliche Beschreibung, was zu kritisieren ist - so formuliert, dass der andere zustimmen kann. "Dann sollte ich über meine Gefühle sprechen, also zum Beispiel sagen, dass ich wütend bin", rät Müller. Im nächsten Schritt muss dem anderen gezeigt werden, welche Folgen sein Verhalten haben kann. Und schließlich gehöre zur Kritik auch, eine Erwartung zu formulieren.

Gespräch versöhnlich beenden

Die sollte möglichst konkret sein - etwa "Ich wünsche mir, dass Sie das nächste Mal vorbereitet in die Sitzung kommen". Müller empfiehlt, das Ergebnis des Gesprächs kurz festzuhalten, zum Beispiel in einer Mail an den Mitarbeiter. Sinnvoll kann zudem sein, ein weiteres Gespräch nach acht Wochen zu vereinbaren und Bilanz zu ziehen: Hat sich etwas gebessert? Falls nicht, warum nicht? Gut für jedes Kritikgespräch ist nach Meike Müllers Erfahrung ein versöhnliches Ende. "Was man als Letztes sagt, wirkt am längsten nach", so der Kommunikationsprofi.

Luftholen nicht vergessen

Gelungene Kritik ist vor allem eine Frage des Timings. Gerade Vorgesetzte, die oft unbeherrscht reagieren, sollten lieber einen Tag verstreichen lassen, bevor sie einen Mitarbeiter zum Kritikgespräch bitten. "Wer leicht aus der Haut fährt, kritisiert zu heftig", warnt Karriereberaterin Svenja Hofert. Dann helfe manchmal schon ein Zettel am Monitor, auf dem "Durchatmen" steht. Das Luftholen verhindert das Lospoltern.

Feedback-Kultur ist aktuell ein populäres Schlagwort. "Viele wünschen sich, dass am Arbeitsplatz Feedback gegeben und Kritik geübt wird", hat Meike Müller beobachtet. "Das finden einerseits fast alle gut, andererseits haben auch nicht wenige Angst davor." Selbst diejenigen, die selbstbewusst sagen "Kritik macht mir nichts aus", fürchteten insgeheim doch, kritisiert zu werden. Der Verstand finde es zwar richtig, Kritik gutzuheißen. Das Gefühl sage aber oft etwas anderes. Im Feedback-Gespräch sollte man sich daher klarmachen, dass es immer auch um Gefühle geht: Schließlich kann Kritik sehr verletzend sein.

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