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Büro-Alltag: So gehen Sie mit den Marotten der Kollegen um

Büro-Alltag  

Hilfe, meine neue Kollegin ist so komisch!

05.07.2010, 18:10 Uhr | Spiegel Online

Büro-Alltag: So gehen Sie mit den Marotten der Kollegen um . Kollegen mit seltsamen Macken die Meinung sagen? Das hilft meist nicht. (Foto: Imago)

Kollegen mit seltsamen Macken die Meinung sagen? Das hilft meist nicht. (Foto: Imago)

Die neue Mitarbeiterin ist kompetent, hat aber ein paar Marotten, die allen missfallen. Sollen die Kollegen sie darauf hinweisen? Auf jeden Fall, rät Managementberater Rüdiger Klepsch. Und verrät gleich noch, warum jeder vom Feedback anderer Menschen profitiert.

Affektierte Mimik stört

"Wir haben seit vier Wochen eine wirklich sympathische, sehr kompetente Kollegin. Die neue Mitarbeiterin hat nur ein Problem: Wenn sie etwas erklärt, macht sie das mit einer abgehackten Sprache und einer ausgesprochen affektierten Mimik. Nun hat mein Chef mich gebeten, sie darauf hinzuweisen. Und damit habe ich ein Problem." Heike V.

Problem mit ständig wechselnden Kollegen

Sehr geehrte Frau V., Ihre Situation können viele Angestellte gut nachvollziehen. Schließlich wechseln die Mitarbeiter immer schneller zwischen den Firmen und einzelnen Abteilungen - und deshalb muss sich jedes Team regelmäßig auf neue Gesichter einstellen. Merkwürdiges Verhalten der frischen Kollegen inklusive.

Chef darf Gespräch nicht delegieren

Als Kollegin sollten Sie der neuen Mitarbeiterin vertraulich eine Rückmeldung anbieten. Als Vorgesetzter muss man dies sogar tun. Es wäre also zuallererst die Aufgabe Ihres Chefs, dem neuen Teammitglied ein Feedback zu geben, statt diese Aufgabe an Sie zu delegieren.

Feedback erleichtert Einarbeitung

Ob Sie es letztlich machen oder Ihr Vorgesetzter - alle werden davon profitieren. Denn eine gute Einarbeitung - und dazu gehört auch das "Einstimmen" in die neue Gruppe - ist der beste Garant für eine früh einsetzende, hohe Leistungsfähigkeit. 80 Prozent davon, wie zwischenmenschliche Kommunikation wirkt, leitet sich aus nonverbalen Signalen wie der Gestik, der Mimik oder der Modulation der Stimme ab. Nur 20 Prozent der Verständlichkeit werden durch die gesprochenen Worte transportiert.

Betroffener muss Chance haben, Verhalten zu überdenken

Was also konkret tun? Ein Lustigmachen über die Kollegin durch Nachäffen ist keine Lösung. Hinter dem Rücken küchenpsychologische Hypothesen zu entwickeln und darüber beim Kaffee mit den Kollegen zu schwatzen, wirkt sich negativ auf das Arbeitsklima aus. Allerdings hilft ignorieren nach dem Motto: "Das wächst sich raus!" auch nichts. Natürlich ist das Leben bunt, und so sollte es auch bleiben. Unterschiedlichkeit ist eine Bereicherung. Wenn Unterschiedlichkeit aber aneckt, dann muss dem Betroffenen zumindest die Chance zur Reflexion gegeben werden.

Jeder hat "blinde Flecken"

Schließlich hat jeder von uns blinde Flecken. Ein kleiner Test für diejenigen, die das nicht glauben: Lassen Sie sich auf einem Video bei einem Gespräch aufnehmen. Beim Anschauen werden Sie kleine Gesten, Blicke, ein Herumfuchteln mit den Händen und anderes bei sich entdecken, das Sie stört. Und Ihre Körperhaltung insgesamt dürften Sie als ungewöhnlich und ein wenig irritierend wahrnehmen.

Rückmeldung zeigt die eigene Wirkung auf andere

Für den Alltag heißt das: Lassen Sie sich so häufig wie es sozial angemessen erscheint (also nicht einmal die Woche) eine Rückmeldung geben. Und zwar nach Möglichkeit von unterschiedlichen Menschen. Aber Vorsicht: Diesem Feedback zuzuhören, heißt dann nicht unbedingt, ihm auch zuzustimmen. Vielmehr ist die Rückmeldung von anderen eine ungeheure Bereicherung, um die eigene Wirkung in unterschiedlichen Situationen kennenzulernen.

Information einschätzen

Je früher Ihre Kollegin also eine Rückmeldung darüber bekommt, wie sie wirkt, umso schneller kann sie den "blinden Fleck" - also das, was andere wahrnehmen, sie selbst aber nicht - für sich einschätzen. Und sich der Frage stellen, ob sie so bleiben will oder doch dazulernt. Je genauer man selbst über seine "blinden Flecken" Bescheid weiß, umso besser kann man die eigene Wirkung beurteilen und lenken.

Hilfe bei der Arbeit am Auftritt

Will die Kollegin an ihrem Auftreten arbeiten, hat sie verschiedene Möglichkeiten: Es gibt Stimmtrainer, die einem helfen, die Modulation zu verbessern. Ziel ist hierbei nicht die Ausbildung zum Nachrichtensprecher, vielmehr geht es um den Aufbau oder Ausbau von Selbstsicherheit im und durch den Gebrauch der Stimme. Weiter gibt es Verhaltenstrainer, die einen bei leichteren Auffälligkeiten unterstützen, diese zu "überschreiben". Oder es gibt die zu Unrecht häufig verpönte Möglichkeit, an seiner sozialen Selbstsicherheit psychotherapeutisch zu arbeiten.

Ratgeber: Die Macken der Chefs - Wie Sie am besten damit umgehen

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