Sie sind hier: Home > Finanzen > Karriere > Arbeit & Beruf >

Diskriminierung: Aufforderung zum Deutschkurs erlaubt

Diskriminierung  

Aufforderung zum Deutschkurs erlaubt

22.03.2010, 14:03 Uhr | dpa-tmn / t-online.de/business

Diskriminierung: Aufforderung zum Deutschkurs erlaubt. Gute Deutschkenntnisse sind in vielen Jobs unerlässlich.   (Foto: Imago)

Gute Deutschkenntnisse sind in vielen Jobs unerlässlich. (Foto: Imago)

Mangelnde deutsche Sprachkenntnisse können im Job zu fiesen Missverständnissen im Kollegenkreis und vor allem mit Kunden führen. Darf der Chef einem ausländischen Mitarbeiter, der die Sprache nur unvollkommen beherrscht, deshalb aber gleich einen Deutschkurs verordnen oder ist das Diskriminierung? Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein in Kiel gibt die arbeitsrechtliche Richtung vor.

Aufforderung zum Deutschkurs keine Diskriminierung

Die Landesarbeitsrichter haben entschieden, dass Arbeitgeber ausländische Mitarbeiter durchaus in einen Deutschkurs schicken können. Als Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft sah das Kieler Gericht das nicht an (Az.: 6 Sa 158/09). Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins in Berlin hin.

Verständigungsprobleme mit Kollegen und Gästen

In dem Fall hatte eine Kroatin geklagt, die nach Angaben des Verbands deutscher ArbeitsrechtsAnwälte (VDAA) als Reinigungskraft und vertretungsweise als Kassiererin in einem Schwimmbad langjährig beschäftigt war. Ihr Arbeitgeber hatte sie wiederholt dazu aufgefordert, einen Deutschkurs zu belegen. Immer wieder war es zu Verständigungsschwierigkeiten mit Kollegen und Vorgesetzten gekommen. Außerdem hatten Schwimmbadbesucher sich beschwert.

Verständigungsmöglichkeit ist Grundvoraussetzung für Job

Der Arbeitgeber machte laut VDAA gegenüber der Kroatin deutlich, dass eine sprachliche Verständigungsmöglichkeit für die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Kassen- und Servicebereich Grundvoraussetzung sei. Die Klägerin solle ihre Resistenz gegenüber der Sprache des Landes aufgeben.

Klage auf Entschädigung abgewiesen

Die Frau weigerte sich aber, einen Kurs zu besuchen. Sie warf ihrem Arbeitgeber Diskriminierung wegen ihrer Rasse und ethnischen Herkunft vor. Zudem fühlte sie sich durch die Aufforderung des Arbeitgebers belästigt und verlangte 15.000 Euro Entschädigung. Das Arbeitsgericht Elmshorn wies die Klage in erster Instanz ab.

Richter sehen keine Belästigung

Auch die Kieler Richter winkten ab: Der Arbeitgeber habe den Besuch eines Deutschkurses nur verlangt, damit die Mitarbeiterin ihre Sprachkenntnisse verbessere. Ihre Herkunft und kroatische Muttersprache hätten dabei keine Rolle gespielt. Auch handle es sich nicht um eine Belästigung im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes. Dafür müsse ein Verhalten darauf abzielen, die Würde der Person zu verletzen und ein feindliches Umfeld zu schaffen. Davon könne in diesem Fall nicht die Rede sein.

Mangelnde Kenntnisse können Job kosten

Wer mangelnde Sprachkompetenz nicht aufpoliert, obwohl es seine Aufgabe in der Firma erfordert, riskiert damit unter Umständen sogar den Job: Um sicher zu gehen, dass Mitarbeiter zum Beispiel deutsche Arbeitsanweisungen lesen können, dürfen Chefs ausreichende und gegebenenfalls auch schriftliche Deutschkenntnisse verlangen. Selbst eine Kündigung kann gerechtfertigt sein, hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden.

Kündigungsschutzklage abgelehnt

In dem Fall hatte das BAG die Kündigungsschutzklage eines 55-jährigen Arbeiters aus Spanien abgewiesen, der schriftliche Anweisungen nicht verstand (Az: 2 AZR 764/08). Die Bundesrichter bestätigten jedoch die Kündigung. Die 2004 bei seinem Unternehmen eingeführte Qualitätssicherung, einem Automobilzulieferer, sei ein ausreichender Grund, schriftliche Deutschkenntnisse zu verlangen. Durch einen vom Unternehmen finanzierten Deutschkurs und dem Angebot von Folgekursen habe der Arbeitgeber dem Mannr ausreichend Gelegenheit gegeben, diese zu erwerben. Eine unzulässige Diskriminierung wegen der Herkunft des Arbeiters liege daher nicht vor.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) - oft Antidiskriminierungsgesetz genannt - darf kein Mitarbeiter wegen des Geschlechts, der "Rasse" oder ethnischen Herkunft, seiner Religion oder Weltanschauung diskriminiert werden. Auch Benachteiligung wegen des Alters, Behinderung und sexueller Identität sollen damit rechtlich ausgeschlossen werden. Im Streitfall muss der Arbeitgeber beweisen, dass eine unterschiedliche Behandlung erlaubt war. Das gilt Experten zufolge nicht nur für bestehende Arbeitsverhältnisse, sondern auch für Bewerbungsverfahren.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Entdecke Wohnmöbel in der Farbe „Coral Pink“
jetzt auf otto.de
Anzeige
Highspeed-Surfen mit TV für alle: viele Verträge, ein Preis!
jetzt Highspeed-Streamen mit der Telekom
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe