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Kik: Textildiscounter hat Mitarbeiter jahrelang ausspioniert

Schwere Vorwürfe gegen Kik  

Textildiscounter hat Mitarbeiter jahrelang ausspioniert

22.07.2010, 15:21 Uhr | apn / t-online.de/business

Kik: Textildiscounter hat Mitarbeiter jahrelang ausspioniert. Der Textildiscounter Kik sorgt erneut für negative Schlagzeilen. (Foto: Imago)

Der Textildiscounter Kik sorgt erneut für negative Schlagzeilen. (Foto: Imago)

Kik sorgt erneut für negative Schlagzeilen: Der Textildiscounter soll einem Fernsehbericht zufolge über mehrere Jahre hinweg systematisch die persönlichen Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter ausspioniert haben. Ziel sei es gewesen, sich von Beschäftigten mit massiven finanziellen Schwierigkeiten zu trennen, meldet das ARD-Magazin "Panorama" und beruft sich dabei auf Aussagen eines langjährigen Kik-Bezirksleiters.

Trennung von Mitarbeitern mit "eidesstattlichen Versicherungen

"Guido Hagelstede, der für bis zu 15 Filialen und mehr als 100 Mitarbeiter verantwortlich gewesen sei, schildert demnach, dass sich Kik von jedem Mitarbeiter trennte, der eine "eidesstattliche Versicherung" oder eine "Haftandrohung" hatte. Meistens habe er als Bezirksleiter den Betroffenen während der Probezeit kündigen müssen oder befristete Arbeitsverhältnisse auslaufen lassen. Problematisch sei es gewesen, Mitarbeitern zu kündigen, die bereits im Kündigungsschutz waren. "Es war immer so, dass man sich dann irgendetwas aus den Fingern saugen musste", zitiert die ARD Hagelstede.

Seit 1998 werden Auskünfte eingeholt

Die Schnüffelei hat bei Kik offenbar eine lange Tradition. "Panorama" liegt nach eigenen Angaben ein internes Schreiben des für Personal zuständigen Kik-Geschäftsführers Heinz Speet aus dem Jahr 1998 vor. Darin teile Speet "streng vertraulich" mit, Kik hole "über alle neu eingestellten Aushilfsbeschäftigten eine telefonische Auskunft bei der Creditreform ein". Hagelstede sei in dieser schriftlichen Anweisung darauf hingewiesen worden, dass in seinem Bereich einige Aushilfen "einschlägig bekannt" und deshalb "unverzüglich abzubauen" seien, hieß es. Hätten Bezirksleiter die Anordnung nicht befolgt, seien sie darauf hingewiesen worden, dass sie für mögliches Fehlverhalten der betreffenden Mitarbeiter haften müssten, wird Hagelstede zitiert. "Man kann nicht für hundert Menschen selbst bürgen. Damit habe ich dann eben diese Kündigungen aussprechen müssen."

Kik will Ausspäh-Verfahren eingestellt haben

Kik teilte "Panorama" in einer schriftlichen Stellungnahme mit: "Das von Ihnen angeführte Verfahren wird bei Kik nicht mehr praktiziert." Seit Oktober 2009 arbeite das Unternehmen "nicht mehr mit der Creditreform und auch mit keiner anderen Wirtschaftsauskunftei" zusammen.

Creditreform bestätigt Abfragen

"Dass es diese Abfragen von Kik bis Oktober gab, ist unbestritten", erklärte Michael Bretz, Sprecher von Creditreform, gegenüber Spiegel Online. Eine Negativauskunft sei auch datenschutzrechtlich zulässig, wenn jemand in sensiblen Bereichen wie der Kasse arbeite. "Welche Schlussfolgerungen ein Unternehmen aber aus den Daten zieht, ist deren Sache - in diesem Fall also Sache von Kik", zitiert Spiegel Online den Creditreform-Sprecher. Dass Kik die Auskünfte benutzt habe, um Mitarbeiter zu entlassen, sei Creditreform nicht bekannt gewesen, bekräftigte Bretz. Die "Panorama"-Sendung könnte den Textildiscounter jetzt in ziemliche Bedrängnis bringen. Denn laut Datenschutzgesetz sei es strafbar, persönliche Daten von Mitarbeitern mit der Absicht zu besorgen, ihnen zu schaden, heißt es bei Spiegel Online.

Gericht konnte nichts nachweisen

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat bereits im vergangenen Jahr wegen vergleichbarer Vorwürfe vergeblich gegen Kik ermittelt. Obwohl der Discounter allein in den Jahren 2008 und 2009 in mehr als 49.000 Fällen die Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter bei Creditreform abgefragt habe, habe die Staatsanwaltschaft damals aber nicht nachweisen können, dass dies mit der Absicht geschehen sei, den Betroffenen systematisch zu schaden, so das ARD-Magazin. "Wir hätten beweisen müssen, dass Kik systematisch die Mitarbeiter aussiebt, die eine schlechte Creditreform-Auskunft haben, und das war nicht beweisbar", zitiert "Panorama" die Dortmunder Oberstaatsanwältin Ina Holznagel.

Unternehmen schweigt

Kik mache die Abfrage von der Tätigkeit der Mitarbeiter abhängig, hatte das Unternehmen im letzten Jahr betont. Die Überprüfungen dienten "sowohl dem Schutz des Unternehmens als auch dem Schutz der Arbeitnehmer". Es gehe darum, Beschäftigte mit negativen Einträgen "nicht in sensiblen Bereichen" wie etwa an der Kasse einzusetzen, rechtfertigte 2009 eine Unternehmenssprecherin die Abfragen. Der Textil-Discounter erhalte bei solchen Anfragen jedoch ausschließlich Informationen über "negativ gemeldete Mitarbeiter". Eine Stellungnahme des Unternehmens zu den aktuellen Vorwürfen war zunächst nicht zu erhalten.

"Panorama": Staatsanwalt prüft neue Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft prüfe nun, ob sie ihre Ermittlungen aufgrund dieser neuen Belege wieder aufnimmt, schrieb "Panorama" in der Ankündigung der Sendung auf der Website der ARD. Die Aussagen der ehemaligen Bezirksleiter gegenüber Panorama bestätigten, was in dem eingestellten Verfahren von 2009 nicht zu beweisen gewesen sei - dass die Abfragen der Firma Kik offenbar das Ziel hatten, verschuldete Mitarbeiter loszuwerden.

Eine Wiederholung des ARD-Magazins "Panorama" mit dem Beitrag "Discounter Kik: Jagd auf arme Mitarbeiter" sendet der RBB am heutigen Freitag, 23. Juli, um 9.30 Uhr, um 20.15 Uhr ist er noch einmal auf Eins Extra zu sehen.

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