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EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt zurück

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt zurück

12.09.2011, 14:18 Uhr | dpa, t-online.de, dpa, t-online.de

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt zurück. Jürgen Stark war seit 2006 Chefvolkswirt der EZB. (Quelle: dpa)

Jürgen Stark war seit 2006 Chefvolkswirt der EZB. (Quelle: dpa)

Paukenschlag in Frankfurt: Zum zweiten Mal geht mitten in der Euro-Schuldenkrise ein profilierter deutscher Notenbanker: EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark wirft das Handtuch. Im Februar war schon der damalige Bundesbank-Chef Axel Weber zurückgetreten. An den Börsen wurde die Meldung mit heftigen Verlusten bei Euro und DAX quittiert. Die Börsianer fürchten um die Stabilität der Währung.

Ein Garant für Stabilität geht

Mitten in der schwersten Krise der jungen Gemeinschaftswährung geht mit Jürgen Stark ein Garant für Stabilität von Bord. Als Auslöser gilt der Streit um das Krisenmanagement der Notenbank. Beobachter in Deutschland werten den Rückzug als schlechtes Omen: Die Stabilitätsgaranten seien auf dem Rückzug, die künftige Strategie der Notenbank unsicherer denn je.

Stark ist Gegner der Anleihekäufe durch die EZB

Sicher scheint indes: Stark wollte die Krisenpolitik der Währungshüter nicht länger mittragen. Dem Vernehmen nach hatte er im August im EZB-Rat dagegen gestimmt, erneut die Notenpresse anzuwerfen, um nun auch die Schulden von pleitebedrohten Ländern wie Italien oder Spanien zu finanzieren. Damit verliert die EZB nicht nur ihren Chefvolkswirt, sondern auch erneut einen Anker der Stabilität.

Zuvor hatte schon Bundesbank-Präsident Axel Weber im Streit um den milliardenschweren Aufkauf von Staatsanleihen der Schuldensünder das Handtuch geworfen. Weber hatte sich dagegen gewehrt, die Trennlinie zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik zu verwässern und damit gleichzeitig die Preisstabilität zu gefährden. Der Vorwurf: Mit dem Kauf von Staatsschulden macht sich die EZB nicht nur politisch, sondern auch finanziell abhängig. Auch der neue Bundesbank-Präsident Jens Weidmann soll den Anleihekäufen kritisch gegenüberstehen.

Nachfolger Jörg Asmussen?

Noch ist unklar, wer Stark ersetzen wird. Am Freitag wurde Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen als Nachfolger gehandelt. Hingegen steht bereits fest, dass auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet schon bald aus dem Amt scheidet. Der Italiener Mario Draghi wird ihn im November ablösen. Dafür musste sein Landsmann Lorenzo Bini Smaghi seinen Platz im EZB-Direktorium räumen.

DAX und Euro rutschen ab

Die Nachricht vom Rückzug Starks nach mehr als fünf Jahren bei der Notenbank schlug am Freitag ein wie eine Bombe. Die Börsen reagierten mit Kursstürzen. Der DAX schloss mit einem Tages-Minus von vier Prozent bei 5189 Zählern. Der Euro rutschte unter die Marke von 1,37 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit knapp sieben Monaten. Deutsche Staatsanleihen legten derweil weiter zu, während die Kurse von italienischen und spanischen Staatspapieren sanken. Das Problem sei der Vertrauensverlust in die Politik, Lösungen für die Krisenentwicklung zu finden, sagten Marktteilnehmer. Ein Börsianer nannte den Stark-Rücktritt einen "weiteren Schlag für die Glaubwürdigkeit der EZB, der den Graben zwischen Deutschland und den übrigen Mitgliedern wahrscheinlich vertiefen wird".

Drastische Maßnahme zur Euro-Sanierung gefordert

Nach der Ankündigung seines Rücktritts hat Stark einen eindringlichen Appell an die Politik gerichtet und drastische Maßnahmen zur Bewältigung der Euro-Schuldenkrise gefordert. Es gelte "auf europäischer Ebene die notwendige Stärkung des institutionellen Regelwerks, der Wirtschafts- und Währungsunion zu erreichen", schreibt Stark in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt". Eine "weit reichende Reform der Entscheidungs- und Sanktionsmechanismen" sei nötig, um in Zukunft eine effektive Koordinierung der Finanz- und Wirtschaftspolitiken in den Euroländern sicherzustellen.

Stark weiter: "Wir befinden uns in einer Situation, in der massive Tragfähigkeitsrisiken in den öffentlichen Haushalten die Finanzstabilität untergraben." In dieser Krise sei alles falsch, was weitere Ausgaben unterstützt. "Ein fiskalischer Stimulus würde die Schuldenstände nur weiter ansteigen lassen und daher diese Risiken noch weiter erhöhen", warnt der EZB-Chefökonom. "Die Anpassungskosten würden durch die Verschiebung der Konsolidierung in die Zukunft deutlich steigen." Stark plädiert für eine Rückkehr zu solider Finanzpolitik.

Stark bleibt nur noch bis Ende des Jahres

Der 63-Jährige EZB-Chefvolkswirt gehe aus "persönlichen Gründen" noch vor Ablauf der Amtsperiode am 31. Mai 2014, teilte die EZB mit. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers voraussichtlich zum Jahresende bleibt Stark laut EZB im Amt. Der ehemalige Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark sitzt seit Juni 2006 im EZB-Direktorium, das unter anderem für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Raum zuständig ist.

EZB verteidigt Anleihekäufe

Die Notenbank hat derzeit Anleihen im Volumen von 129 Milliarden Euro aus Krisenstaaten in ihren Büchern. Kritiker werfen den Währungshütern vor, die klare Trennung zur Politik zu verwischen, indem sie Geld drucken, um die Staatspapiere zu kaufen - also um Schulden zu finanzieren. Die EZB weist dies zurück. Sie wolle mit dem Programm nur die Wirkung ihrer Geldpolitik sicherstellen. Künftig soll der europäische Rettungsschirm EFSF Anleihen kaufen können, die EFSF-Reform muss aber noch durch die nationalen Parlamente.

Kein Kommentar von Eurogruppen-Chef Juncker

Jean-Claude Trichet dankte Stark "von ganzem Herzen für den außergewöhnlichen Beitrag zur europäischen Einigung über viele Jahre". Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker wollte den Schritt nicht näher kommentieren; er wolle zunächst mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und der EZB-Führung sprechen, sagte Juncker vor einem Treffen der G7-Finanzminister in Marseille.

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Der 63-Jährige bleibt nur noch bis Jahresende. zum Video


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