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IG Metall will Führungsspitze verkleinern

IG Metall will Führungsspitze verkleinern

10.10.2011, 13:49 Uhr | dpa-AFX, dpa, dpa, dpa-AFX

IG Metall will Führungsspitze verkleinern. Berthold Huber (Quelle: dapd)

Berthold Huber (Quelle: dapd)

Die Gewerkschaft IG Metall will auf ihrem Bundeskongress in Karlsruhe über die Verkleinerung ihrer Führungsspitze debattieren. Die Zahl der Vorstände soll aus Kostengründen von sieben auf fünf reduziert werden. Bundespräsident Christian Wulff lobt die Gewerkschafter derweil für ihr Handeln während der Krise.

CDU-Politikerin soll Gremium verlassen

Um die eigenen Kosten zu senken, will die IG Metall ihre Führungsspitze verkleinern. Brisant an dieser Entscheidung ist, dass mit dem Handwerk-Kenner Wolfgang Rhode, der freiwillig ausscheidet, auch die einzige CDU-Politikerin Regina Görner das Gremium verlassen soll. Dafür ist eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig auf dem Bundeskongress der Gewerkschaft in Karlsruhe.

Zuvor wird IG-Metall-Chef Berthold Huber den Delegierten seinen Geschäftsbericht abgeben. Dabei hat er nur Gutes zu berichten. Erstmals seit mehr als 20 Jahren kann die Gewerkschaft wieder mit einem echten Mitgliederzuwachs rechnen. Zum Jahresende sollen es rund 15.000 mehr sein als 2010. Stand August zählte die IG-Metall rund 2,2 Millionen Mitglieder. Die Einnahmen werden voraussichtlich mit rund 457 Millionen Euro einen neuen Rekordwert erzielen.

Bundespräsident würdigt Lohnzurückhaltung während der Krise

Währenddessen hat Bundespräsident Christian Wulff die Gewerkschaften für ihre Lohnzurückhaltung in der Krise gewürdigt. "Sie haben Maß gehalten in Zeiten, in denen andere jegliches Maß verloren haben", sagte er zum Auftakt des Kongresses. "Es ist mit das Verdienst der Gewerkschaften, dass Deutschland in dieser Krise weltweit einzigartig gut dasteht." Auf dem Programm des siebentägigen Kongress, der alle vier Jahre organisiert wird, stehen Vorstandswahlen sowie Debatten über Themen wie Mindestlohn und prekäre Beschäftigung.

Wulff sieht vor allem die Politik gefordert, jetzt die Antworten auf die Krise zu finden. "Die Liberalisierung und Deregulierung ging zu weit und wurde missbraucht", sagte er. "Der Bankensektor muss saniert und neu geordnet werden - durchgreifend und zügig. Den Akteuren an den globalen Finanzmärkten muss ein Ordnungsrahmen gesetzt werden - umfassend und wirkungsvoll." Der Bundespräsident warnte zudem vor Wirtschaftsprotektionismus, mit dem Länder ihre Märkte abschotten wollen. Deutschland müsse sich gegen solche Entwicklungen stemmen. "Da ist noch viel zu tun - nicht nur in der G20 und im Rahmen der Welthandelsorganisation."

Wulff fordert Rentenreform

Innenpolitisch müsse die Regierung ebenfalls Weichen stellen. So gebe es einen Bedarf an qualifizierter Zuwanderung. Der Einstieg von Müttern ins Berufsleben müsse verbessert werden. Auch bei der Rente seien Reformen unumgänglich. "Wegen der weiter erfreulich steigenden Lebenserwartung und den immer weniger Kindern führt nach meiner Überzeugung an dem späteren Renteneintritt kein Weg vorbei." Zudem müsse alles dafür getan werden, der Jugend berufliche Chancen zu eröffnen. "In vielen unserer europäischen Nachbarländer rebelliert die Jugend. Bei uns nicht. Das soll so bleiben."

Darauf verwies auch der Vizevorsitzende der Gewerkschaft, Detlef Wetzel. Er rief Manager und Politiker auf, "sich an den Interessen und Bedürfnissen der Menschen zu orientieren". Der Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied" habe sich überlebt. "Junge Menschen, die keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz haben oder sich von einem unsicheren Beschäftigungsverhältnis zum nächsten hangeln, Niedriglöhne beziehen oder sich in Leiharbeit, Befristung oder Dauerpraktikum befinden, können keine Pläne schmieden."

Doppelspitze stellt sich erneut zur Wahl

Als großes Plus der deutschen Wirtschaft nannte Wulff die Mitbestimmung. "Wo kooperativ miteinander umgegangen wird, wird produktiver gearbeitet. Das wichtigste Kapital steckt nicht in den Maschinen, sondern in den Köpfen der Menschen." Deutschland habe zudem nicht den Fehler mancher seiner Nachbarländer gemacht und sich von der Industrie abgewandt, sagte er den IG-Metallern. "Sie bauen keine Luftschlösser, produzieren keine Blasen, die dann - wenn keine realen Werte dahinter stehen - zerplatzen. Sie stellen handfeste Produkte her, die weltweit gebraucht werden: Maschinen, Anlagen, Autos, Flugzeuge, Schiffe, Kraftwerke."

Zum Gewerkschaftstag unter dem Motto "Gemeinsam für ein gutes Leben" haben sich knapp 500 Delegierte und teilweise bis zu 1500 Gäste angemeldet. Die 2007 ins Amt gekommene Doppelspitze aus Berthold Huber und Detlef Wetzel stellt sich erneut der Abstimmung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will den Kongress am Donnerstag oder Freitag besuchen.

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