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So viele Überstunden leisten die Deutschen

So viele Überstunden leisten die Deutschen

27.03.2012, 10:52 Uhr | t-online.de, dapd

So viele Überstunden leisten die Deutschen. Pünktlich Feierabend machen? Davon können viele Beschäftigte nur träumen (Quelle: dapd)

Pünktlich Feierabend machen? Davon können viele Beschäftigte nur träumen (Quelle: dapd)

In Deutschland wird wieder kräftig in die Hände gespuckt: Jeder fünfte Beschäftigte hierzulande (20 Prozent) macht einer Untersuchung zufolge zehn oder mehr Überstunden pro Woche. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, gilt: Je mehr Überstunden geleistet werden, desto größer ist die Arbeitshetze. Die Zeitung beruft sich dabei auf den "Gute-Arbeit-Index" des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Nur wenige Beschäftigte haben verkürzte Arbeitszeit

Zwei Drittel der Mitarbeiter (67 Prozent) arbeiten laut DGB-Erhebung länger als vertraglich vereinbart wurde. Dabei leisten 25 Prozent aller Beschäftigten bis zu fünf Überstunden in der Woche, bei 22 Prozent fallen fünf bis neun Überstunden an. Elf Prozent sind zehn bis 14 Stunden mehr im Job, neun Prozent kommen sogar auf eine Mehrarbeit von 15 und mehr Stunden. Allerdings arbeiten nur drei Prozent weniger als in ihrem Arbeitsvertrag festgeschrieben wurde.

Großteil fühlt sich gehetzt und geht auch krank zum Job

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Jeder zweite Arbeitnehmer fühlt sich bei der Arbeit oft gehetzt. Demnach klagen fast zwei Drittel der Befragten, seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten zu müssen. Ein gutes Viertel der Beschäftigten arbeite auch in der Freizeit, fast die Hälfte sei mehr als einmal krank zur Arbeit gegangen. "Die psychischen Belastungen durch die Arbeit sind so hoch, dass die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährdet sind", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Deutlicher Anstieg der Mehrarbeit

Die Daten des DBG zeigen einen deutlichen Anstieg gegenüber den letzten Jahren: Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben im Jahr 2010 Arbeitnehmer jeweils fünf bezahlte Überstunden mehr geleistet als im Vorjahr. Jeder Beschäftigte kam demnach auf eine vergütete Überstundenzahl von durchschnittlich 1340 Arbeitsstunden. Das waren 30,6 Stunden oder 2,3 Prozent mehr als 2009.

Chef muss nicht jede Überstunde bezahlen

Die nicht vergütete Mehrarbeit hinzugerechnet, wäre die Summe ungleich höher - denn in der Praxis wird lange nicht jede Überstunde bezahlt. Nach deutschem Arbeitsrecht muss der Chef nur Mehrarbeit vergüten, die er angeordnet, zumindest gebilligt oder "geduldet" hat. Mitarbeiter, die ihre Ansprüche vor Gericht einklagen wollen, müssen diese nachweisen können.

Pauschale Vergütung ist nicht zulässig

Allerdings sind Arbeitsverträge ungültig, wonach Überstunden pauschal und ohne Einschränkung nicht zusätzlich bezahlt werden. Formulierungen wie "sämtliche Überstunden sind durch das Gehalt abgegolten" seien unwirksam, sagte der Fachanwalt Jobst-Hubertus Bauer in Stuttgart gegenüber süddeutsche.de.

Generell wird Mehrarbeit durch Freizeitausgleich ausgeglichen - oder wie übliche Arbeitszeit vergütet. Freizeitausgleich geht dabei dem Arbeitszeitgesetz zufolge vor Vergütung. Mehr Geld für die Mehrarbeit gibt es dabei nicht automatisch: Überstundenzuschläge müssen vertraglich geregelt sein und stehen den Mitarbeitern nicht ohne Weiteres zu.

Branchen im Überstundencheck

Anteil der Beschäftigten mit mindestens zehn Überstunden pro Woche

Erziehung und

Unterricht

31 Prozent

Jobs in der Erziehungsbranche

Baugewerbe

27 Prozent

Jobs im Baugewerbe

Gastgewerbe

25 Prozent

Jobs im Gastgewerbe

Information und

Kommunikation

23 Prozent

Jobs in der Kommunikationsbranche

Handel

21 Prozent

Jobs im Handel

Verkehr & Lagerei

20 Prozent

Jobs im Verkehrswesen

Dienstleistungen

20 Prozent

Jobs im Dienstleistungsgewerbe

Gesundheits- und

Sozialwesen

19 Prozent

Jobs im Gesundheitswesen

Maschinen- und

Fahrzeugbau

18 Prozent

Jobs im Maschinenbau

Metallerzeugung- und

bearbeitung

17 Prozent

Jobs in der Metallindustrie

Energieversorgung

14 Prozent

Jobs in der Energiebranche

Finanzdienstleistung und

Versicherungen

14 Prozent

Jobs in der Finanzbranche

Chemie

12 Prozent

Jobs in der Chemie

Öffentliche Verwaltung,

Sozialversicherung,

Verteidigung

12 Prozent

Jobs in der Verwaltung

Quelle: Gute-Arbeit-Index, Deutscher Gewerkschaftsbund

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