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Bundesbank: Deutsche Wirtschaft braucht Hunderttausende Arbeitskräfte aus dem Ausland

Bundesbank: Wirtschaft braucht Arbeitskräfte aus dem Ausland

23.04.2012, 18:43 Uhr | dpa, AFP

Bundesbank: Deutsche Wirtschaft braucht Hunderttausende Arbeitskräfte aus dem Ausland. Deutschland werden bald die Fachkräfte ausgehen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Deutschland werden bald die Fachkräfte ausgehen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die deutsche Wirtschaft kann ihr Wachstum in den kommenden Jahren nach Einschätzung der Bundesbank nur durch die Zuwanderung von jährlich 200.000 Arbeitskräften aus dem Ausland beibehalten. Deutschland werde in den kommenden Jahren mit "spürbaren demografischen Belastungen konfrontiert" sein, erklärte die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind schon jetzt spürbar: Unternehmen hierzulande haben aufgrund eines Fachkräftemangels Einbußen in Milliardenhöhe. Im Gastgewerbe sind hingegen massenhaft geringfügige Beschäftigte tätig.

Stabilisierung des Arbeitsmarkts

Ein Weg zu Stabilisierung des Arbeitsmarktes sei die "Verstärkung bedarfsgerechter Zuwanderung", erklärte die Bundesbank. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zogen im vergangenen Jahr rund 177.300 Menschen aus dem Ausland nach Deutschland, vorwiegend aus Ländern Zentral- und Osteuropas. Neben der Zuwanderung aber müsse auch die Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung gesteigert werden, schrieb die Bundesbank. Daneben sei es nötig, durch verbesserte Qualifikation von Arbeitskräften und technischen Fortschritt die Produktivität zu steigern. Investitionen müssten "auf hohem Niveau" bleiben.

Reformen sollen Kompensation schaffen

Jedoch könne ein Wachstum der Wirtschaft von 1,25 Prozent pro Jahr durch "geeignete Reformschritte" im Wesentlichen gehalten werden. Mildernd mit Blick auf den Arbeitskräftemangel wirke sich aus, dass der Anteil älterer Erwerbstätiger steige und immer mehr Menschen länger arbeiteten, erklärte die Bank. Zudem könne die Arbeitsleistung der Bevölkerung wachsen, wenn etwa das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen ausgebaut werde und so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesteigert werde.

Mehr technische Bildung in Schulen gefordert

Nirgendwo in Europa sei das Durchschnittsalter von Ingenieuren auf dem Arbeitsmarkt so hoch wie in Deutschland, berichtete etwa der Verein Deutscher Ingenieure (VDI): "21 Prozent, also jeder fünfte erwerbstätige Ingenieur, kommen aus dem Alterssegment 55-plus." Die Chancen für den Nachwuchs seien auch deshalb sehr gut, weil viele ältere Kollegen kurz vor dem Ruhestand stünden. "Wir müssen dafür sorgen, dass technische Bildung in den Lehrprogrammen der Schulen verankert wird", sagte Fuchs. "Ohne diesen Schritt ist die Leistungsfähigkeit unseres Landes nicht zu halten."

Milliardeneinbußen durch Mangel

Der Kampf um verfügbare Arbeitskräfte hat derweil schon begonnen und hat verehrende Folgen. Weil bundesweit derzeit mehr als 110.000 Stellen offen seien, buhlen Unternehmen um jeden verfügbaren Ingenieur, berichtete der VDI auf der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe. Der sich verschärfende Mangel an qualifizierten Kräften führt inzwischen zu Milliardeneinbußen.

Einer gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erarbeiteten Studie zufolge summiert sich der Verlust an Wertschöpfung durch nichtbesetzte Jobs mittlerweile auf knapp acht Milliarden Euro. "Die aktuellen Zahlen sind alarmierend, und der Abwärtstrend setzt sich auch in diesem Jahr fort", sagte VDI-Chef Willi Fuchs. Seit August 2000 habe die Untersuchung keinen so hohen Mangel an Technikexperten angezeigt.

Gefahr für den Erfolg

Der VDI sieht in dem massiven Mangel qualifizierten Nachwuchses eine ernste Gefahr für den Erfolg der deutschen Schlüsselindustrien wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugbau und Telekommunikation. "Wenn wir die Ingenieurlücke nicht schließen können, wird der weiter fortschreitende Fachkräfteengpass zu einer Bedrohung des Geschäftsmodells Deutschland führen", warnte auch IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös. Technische Innovationen und die deutsche Exportstärke bei Hightech-Produkten litten unter der Knappheit.

Massenhaft geringfügig Beschäftigte

Während die Industrieunternehmen aufgrund dieser Knappheit mit allen Mitteln um Fachkräfte konkurrieren, geht das Gastgewerbe einen anderen Weg: In Deutschlands Kneipen und Restaurants arbeiten aktuell fast so viele geringfügig Beschäftigte wie Voll- und Teilzeitkräfte.

Im Juni 2011 waren im Gastgewerbe rund 868.000 Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig angestellt - fast 860.000 Arbeitnehmer in der Branche waren dagegen nur geringfügig beschäftigt, hatten also einen Mini- oder 400-Euro-Job, wie aus einer vom Bundestagspressedienst veröffentlichten Antwort der Regierung auf eine SPD-Anfrage hervorgeht.

Beschäftigte im Gastgewerbe am Existenzminimum

Laut Regierungsantwort konnten zum Zeitpunkt der Erhebung rund 190.000 Arbeitnehmer im Gastgewerbe nicht von ihrer Arbeit leben und bekamen Arbeitslosengeld II. Wer einen sozialversicherungspflichtigen Job im Gastgewerbe hat, arbeitet laut Antwort der Regierung meist Vollzeit - der Anteil beträgt den Angaben zufolge 74 Prozent. Das Durchschnittsgehalt im Gastgewerbe lag im Jahr 2010 monatlich bei 1425 Euro brutto. In der Gesamtwirtschaft lag es demnach bei 2702 Euro.

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