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Yahoo-Chef schmückt sich jahrelang mit falschem Abschluss

Yahoo-Chef schmückt sich jahrelang mit falschem Abschluss

04.05.2012, 11:33 Uhr | t-online.de, dpa

Neuer Ärger für Yahoo: Der Internet-Konzern musste zugeben, dass sein neuer Chef Scott Thompson doch keinen Universitätsabschluss in Computerwissenschaften hat, wie der IT-Riese stets behauptet hatte. Die falsche Information sei ein "unbeabsichtigter Fehler" gewesen, erklärte das Unternehmen im Blog "All Things Digital".

Titel schon bei eBay verwendet

US-Medien wiesen allerdings sofort darauf hin, dass der falsche Titel schon vor Jahren zu Thompsons Zeit bei der Handelsplattform eBay in seinen offiziellen Lebensläufen auftauchte. Entsprechend viel Zeit hatte der Manager, den Fehler zu korrigieren. In Wirklichkeit hatte er nur den im Lebenslauf ebenfalls erwähnten Abschluss in Buchhaltung gemacht.

Der Hinweis auf den falschen Titel kam vom Großaktionär Dan Loeb, der mit der Yahoo-Führung im Clinch liegt. Er forderte in einem Brief Aufklärung über Ungereimtheiten in Thompsons offizieller Biografie.

Nächstes Verwaltungsrat-Mitglied unter Verdacht

Loeb will in den Yahoo-Verwaltungsrat einziehen und den Kurs des Unternehmens mitbestimmen. Seine Finanzfirma Third Point hält 5,8 Prozent an Yahoo. Loeb betonte in dem recht süffisant formulierten Schreiben, dass Thompsons Stonehill College erst vier Jahre nach dessen Abschluss 1979 überhaupt angefangen habe, Titel in Computerwissenschaften zu vergeben. Eine einfache Google-Suche habe gereicht, um den Widerspruch festzustellen.

Der nicht korrigierte falsche Titel Thompsons wirft auch einen Schatten auf Verwaltungsrats-Mitglied Patti Hart, die mit der Chefsuche betraut worden war. Schlimmer noch: Loeb behauptete in seinem Brief, Hart habe auch ihren eigenen Abschluss in Betriebswirtschaft als Abschluss in Ökonomie und Marketing ausgegeben. Yahoo erklärte dazu, Hart habe tatsächlich einen Betriebswirtschafts-Abschluss, aber mit einer Spezialisierung auf Ökonomie und Marketing.

Vertrauensverlust der Anleger befürchtet

Für Yahoo könnten die falschen Angaben bezüglich Thompson schwere Folgen haben. Es ist unklar, ob sich Aktionäre und Aufseher mit der knappen Erklärung zufriedengeben. Schließlich tauchte der falsche Titel auch in Börsenmitteilungen zu Thompsons Berufung an die Konzernspitze auf. Aktionärsklagen sind nicht auszuschließen.

Der Yahoo-Verwaltungsrat werde sich mit dem Thema befassen, erklärte das Unternehmen. Mit dem Vorgang betreute Personen sagten "All Things Digital", mehrere Mitglieder des Verwaltungsrates seien tief besorgt. Die Angelegenheit sei in vieler Hinsicht ein Problem, insbesondere mit Blick auf das Vertrauen der Anleger.

Großer Hoffnungsträger für den taumelnden Internet-Pionier

Thompson kam Anfang des Jahres als großer Hoffnungsträger zu dem mit Schwierigkeiten kämpfenden Internet-Pionier. Yahoo lebt von Online-Werbeeinnahmen. In diesem Geschäft sind Konkurrenten wie Google und zuletzt auch das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook immer stärker geworden. Thompson, der zuvor die eBay-Bezahltochter PayPal führte, leitete einen strikten Sparkurs mit drastischem Stellenabbau ein. Vor seinem Amtsantritt war Yahoo monatelang führungslos, nachdem die vorherige Chefin Carol Bartz nach zwei Jahren gefeuert worden war.

Yahoo stärkte Thompson zunächst ausdrücklich den Rücken. Der falsche Titel ändere nichts an der Tatsache, dass Thompson ein hochqualifizierter Manager sei. Unter seiner Führung sei Yahoo auf dem Weg zu weiterem Wachstum und mehr Wert für die Anteilseigner.

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