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Bizarrer Job in Washington: Schlangesteher im Kapitol

Bizarrer Job in Washington: Schlangesteher im Capitol

11.06.2012, 09:11 Uhr | t-online.de, dpa-AFX

Bizarrer Job in Washington: Schlangesteher im Kapitol. Eric Hopkins ist hauptberuflicher Schlangesteher (Quelle: dpa)

Eric Hopkins ist hauptberuflicher Schlangesteher (Quelle: dpa)

Lobbys spielen in der amerikanischen Politik traditionell eine große Rolle. Die wichtigen Männer dieser Interessengruppen haben natürlich keine Zeit, sich in eine Schlange zu stellen - auch nicht, wenn wichtige Termine am US-Regierungssitz Washington anstehen. Zeit ist Geld, deshalb übernehmen andere die lästige stundenlange Warterei für sie: professionelle Schlangesteher. Und die haben wahrhaft einen der verrücktesten Jobs der Welt - werden dafür aber gut bezahlt.

Die Parole lautet "durchhalten"

Es ist kurz nach neun Uhr vormittags im US-Kongress. Eric Hopkins, ein stämmiger Mann von 44 Jahren, tritt von einem Fuß auf den anderen. "Ich bin müde", sagt er. Das Lächeln kommt ein bisschen gequält. Seit vier Uhr morgens steht er in einer langen Schlange in einem Nebengebäude des Parlaments. Seit mehr als fünf Stunden wartet er schon, versucht seine Augen aufzuhalten. Noch eine Stunde muss er durchhalten.

Hopkins Beruf heißt "linestander" - auf Deutsch: Schlangesteher. Wann immer im Capitol oder im Supreme Court - dem höchsten Gericht der USA - eine bedeutende Anhörung stattfindet, treten Hopkins und seine schätzungsweise mehr als 100 Kollegen in Aktion. Ihre Aufgabe ist es, in der Schlange vor dem Einlass für die mächtigen Lobbyisten einen Platz freizuhalten. "Die Leute sind so wichtig, dass sie ihre Zeit nicht mit Warten verplempern wollen", erklärt Hopkins.

Drei Tage Schlangestehen im Schichtbetrieb

Fünf Stunden Warten sind für erfahrene "Steher" eher eine Kleinigkeit. Richtig schwierig sei der Job gewesen, als es um die umstrittene Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama ging, berichtete Hopkins. "Drei Tage im Voraus standen wir vor dem Supreme Court", erzählt er. "Wir haben im Schichtbetrieb gearbeitet und zwischendurch im Auto geschlafen."

Mit Millionen Dollar nehmen die Lobbyisten Einfluss auf Politiker, umgarnen die Mächtigen. Vor allem Wahlkämpfern stecken sie Geld zu, und um ihre Interessen durchzusetzen, melden sie sich auch im Gesetzgebungsprozess zu Wort. Als besonders mächtig und einflussreich gelten etwa die Vertreter der Öl- und der Pharmaindustrie sowie die Lobbyisten von der Wall Street und die der Rüstungshersteller. Niemand kommt an ihnen vorbei.

Marktführer beschäftigt 50 Mitarbeiter

Nur zeitraubendes Warten in Schlangen lieben die Herren Lobbyisten nicht. "Ohne uns müssten die Unternehmen ihre hoch bezahlten Mitarbeiter selbst in die Schlange schicken", sagt Mark Gross. Gross ist Chef der Firma "qms - Quick Message Service", nach eigenen Angaben Marktführer im Gewerbe der Schlangesteher. Wie wichtig der Job im Laufe der Jahre geworden ist, zeigt die simple Tatsache, dass sich mittlerweile eine Handvoll Unternehmen auf dem Markt tummeln.

36 Dollar, umgerechnet 28,50 Euro pro Stunde, zahlen die Lobbyisten etwa an "qms". Das Unternehmen wurde 1985 gegründet, zunächst als Kurierdienst. 1992 fingen die Firma mit dem Schlangestehen an. Mittlerweile stehen sich 50 Mitarbeiter regelmäßig die Beine in den Bauch.

Karriere als "Supervisor"

Es sind meistens Studenten, Rentner oder Menschen, die zwischen zwei Jobs stehen. Nur die wenigstens machen es professionell wie Erik Hopkins. Er ist seit zwei Jahren dabei - und mittlerweile die Karriereleiter raufgeklettert. Er nennt sich jetzt "Supervisor" bei "qms".

"Der Job kann hart sein", schildert Hopkins. Doch an diesem Morgen geht es glimpflich ab. Nach mehr als fünf Stunden erscheint der Herr im dunklen Anzug, für den Hopkins den Platz freigehalten hat. "Endlich kann ich nach Hause ins Bett", sagt er erschöpft.

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