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Von wegen Klartext: DAX-Chefs reden Kauderwelsch

Von wegen Klartext: DAX-Chefs reden Kauderwelsch

08.06.2012, 14:23 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Von wegen Klartext: DAX-Chefs reden Kauderwelsch. Linde-Chef Wolfgang Reitzle muss an seiner Redekunst noch viel arbeiten (Quelle: dapd)

Linde-Chef Wolfgang Reitzle muss an seiner Redekunst noch viel arbeiten (Quelle: dapd)

Venture-Capital-Tochtergesellschaft, Multi-Channel-Strategie oder diversifizierte Industriekonzepte: Wenn sich die DAX-Vorstandschefs vor den Aktionären rechtfertigen sollen, scheitert das meist an einer - allen außer ihnen - unverständlichen Sprache. Die Mehrheit der Reden auf den Hauptversammlungen ermuntert deshalb geradezu zum Weghören, wie eine aktuelle Studie zeigt. Allerdings gibt es positive Ausnahmen - Bosse, die halbwegs Klartext sprechen.

Telekom-Chef ist positive Ausnahme

Was eine deutliche Sprache angeht, könnte zum Beispiel Telekom-Chef René Obermann den Bossen der übrigen DAX-Konzerne Nachhilfestunden erteilen. Kein Vorstandsvorsitzender bei den deutschen Börsenschwergewichten spricht so gut Klartext wie er - das geht zumindest aus einer Analyse der Uni Hohenheim hervor. Sie hat die Reden der DAX-Bosse vor ihren Aktionären während der im Frühjahr stattfindenden Hauptversammlungen unter die Lupe genommen.

Diese Ansprachen gelten als wichtige Termine im Kalender der Vorstandsvorsitzenden. Idealerweise sollten die Unternehmenslenker darin den Anteilseignern Rechenschaft ablegen über ihre Arbeit im abgelaufenen Jahr, neue strategische Weichenstellungen begründen und die künftigen Ziele erklären. Vergleichbar sind die Reden der Chefs etwa mit den Regierungserklärungen von Bundeskanzlern und Ministern.

Miese Noten für schlechte Redner

Dem Anspruch werden die meisten DAX-Bosse der Untersuchung zufolge aber nicht gerecht, sie sprechen zu viel Kauderwelsch. Für die sprachliche Verständlichkeit ihrer Reden kassierten die Topmanager fast nur miese Noten: Auf einer Skala von null - das wäre in etwa so verständlich wie eine Doktorarbeit - bis zehn - das entspräche der Verständlichkeit von Radio-Nachrichten - erreichen die 30 Vorstände im Schnitt nur die Note 3,8. Obermann dagegen bekommt eine gute 7,2.

Das Klassenziel völlig verfehlt hat hingegen Linde-Chef Wolfgang Reitzle: Er landete mit der Note 1,0 am fast untersten Ende der Skala. Dabei ist er Honorarprofessor in München und sollte daher ein Gespür dafür haben, wie Gesagtes beim Publikum am besten hängenbleibt.

Kommunikations-Experte muss nachsitzen

Nicht viel besser als Reitzle schnitten Ulf M. Schneider von Fresenius SE (1,1) und Olaf Koch von Metro (1,3) ab. Was manchen amüsieren dürfte: Während man Finanzfachmann Schneider sein Kauderwelsch vielleicht noch nachsehen könnte, ist Metro-Chef Koch unter anderem ausgerechnet für Kommunikation verantwortlich.

Zusammen mit Obermann hat es am ehesten noch BMW-Chef Norbert Reithofer (6,5) ans obere Ende der Skala geschafft. Zur Ehrenrettung der Unternehmenskapitäne muss gesagt werden, dass sie ihre Reden in aller Regel nicht selber verfassen, sondern schreiben lassen und meist nur kleine eigene Korrekturen vornehmen. Berücksichtigt werden muss außerdem, dass die Studie nur formale Kriterien im Text untersucht hat. Inhalt, Aufbau der Themen und der Vortragsstil mit Sprache, Mimik und Gestik flossen nicht in die Bewertung ein.

Auch die Branche spielt eine Rolle

Die Ergebnisse der Analyse spricht für sich, der Initiator der Studie, Professor Frank Brettschneider, gab aber zu bedenken, dass auch die Branche entscheide. "Was auffällt, ist, dass die Automobilisten alle weit vorne liegen." Wenn die Zielgruppe das Endkundengeschäft sei - etwa Autos oder Telekommunikation - falle es leichter, Dinge sprachlich greifbar zu machen. Dennoch seien verständliche Reden in jedem Fall möglich.

Entscheidend sei auch, wie gut sich die Redenschreiber gegen die Vorstellungen der Fachabteilungen und Juristen durchsetzen. "Man kann aber auch rechtssichere und fachlich korrekte Texte gut verständlich formulieren", sagte der Wissenschaftler. Auch die Fachwelt wisse es aller Erfahrung nach zu schätzen, wenn Redner zur Abwechslung einmal Branchenkauderwelsch durch alltagstaugliche Begriffe ersetzten.

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