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AOK-Report: Pendeln und ständige Erreichbarkeit machen krank

AOK-Studie: Pendeln und ständige Erreichbarkeit machen krank

19.08.2012, 15:47 Uhr | dpa, dapd, t-online.de

AOK-Report: Pendeln und ständige Erreichbarkeit machen krank. Immer mehr Pendler leiden unter psychischen Problemen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer mehr Pendler leiden unter psychischen Problemen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ständige Erreichbarkeit, jede Menge Überstunden, wechselnde Arbeitsorte und lange Anfahrtswege: Immer mehr Menschen stoßen dadurch an ihre Grenzen und werden psychisch krank. Seit dem Jahr 1994 ist die Zahl der seelischen Erkrankungen um insgesamt 120 Prozent gestiegen, wie aus dem "Fehlzeiten-Report 2012" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervorgeht. Vor allem Berufspendlern drohen demnach gesundheitliche Probleme.

Pausenlos im Einsatz

Der Untersuchung zufolge erhält mehr als jeder dritte Beschäftigte häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit (33,8 Prozent) oder leistet Überstunden (32,3 Prozent). Zwölf Prozent nehmen auch Arbeit mit nach Hause, kaum weniger (10,6 Prozent) sind auch an Sonn- und Feiertagen für den Job im Einsatz. Fast jeder achte Beschäftigte (12,8 Prozent) ordnet demnach private Pläne beruflichen Verpflichtungen unter.

"Diese Belastungen im Arbeitsalltag führen dazu, dass diese Beschäftigten mehr an psychischen Beschwerden leiden als diejenigen, die diesen Belastungen nicht ausgesetzt sind", erläuterte Helmut Schröder, der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer.

Dabei berichteten die Befragten nicht nur über Erschöpfung (20,8 Prozent) oder das Problem, in der Freizeit nicht abschalten zu können (20,1 Prozent). Rund 14 Prozent klagten auch über Kopfschmerzen, etwa elf Prozent über Niedergeschlagenheit.

Pendeln macht krank

Insgesamt sind laut WIdO rund 40 Prozent der Berufstätigen entweder Wochenendpendler, fahren täglich mindestens eine Stunde zur Arbeit oder haben ihren Wohnort aufgrund beruflicher Anforderungen gewechselt. Zwar vermeiden sie dadurch oft Arbeitslosigkeit oder sichern sich Aufstiegschancen. Doch die Belastung durch übermäßiges Pendeln gehe mit einer Zunahme von psychischen Beschwerden wie Erschöpfung oder Niedergeschlagenheit einher.

Das macht sich bei den Fehlzeiten bemerkbar: Im Jahr 2011 fielen Mitarbeiter wegen psychischer Erkrankungen im Schnitt 22,5 Tage aus - und fehlten damit mehr als doppelt so lange wie bei anderen Erkrankungen mit durchschnittlich elf Tagen je Fall.

Immer häufiger lautet die Diagnose "Burnout". Dem AOK-Report zufolge waren im Jahr 2011 bezogen auf die mehr als 34 Millionen gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten in Deutschland über 130.000 Menschen wegen Burnouts krankgeschrieben. Das führte zu insgesamt 2,7 Millionen Fehltagen. Betroffen waren insbesondere Beschäftigte in sozialen Berufen. Zudem waren Frauen häufiger betroffen als Männer.

Extrem weite Arbeitswege in Großstädten

Und das Problem dürfte zunehmen - zumindest laut offizieller Statistiken folgt. So nehmen etwa Pendler immer längere Wege zur Arbeit in Kauf. Die Distanz von der Haustür bis zum Büro betrug zuletzt im Schnitt 17 Kilometer. Zehn Jahre zuvor waren es noch 14,6 Kilometer. Die jüngsten Zahlen des Bonner Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung stammen zwar aus dem Jahr 2009, doch die Forscher des Instituts gehen nach eigenen Angaben von einer weiter steigenden Tendenz aus.

Überdurchschnittlich weit ist laut dem Institut der Arbeitsweg an den Rändern der großen Ballungszentren wie Hamburg, Frankfurt und Berlin. "Häufig werden im Umland der großen Städte lange Wege in Kauf genommen, weil die Immobilienpreise in den Zentren sehr hoch sind", so die Behörde. Auch in dünn besiedelten Regionen Ostdeutschlands seien Arbeitnehmer mangels Jobs zum Pendeln gezwungen.

Krankenstand weiter auf niedrigem Niveau

Insgesamt ist der Krankenstand indes laut AOK-Studie im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken und lag 2011 bei 4,7 Prozent. Im Durchschnitt dauerte eine Arbeitsunfähigkeit laut Untersuchung im vergangenen Jahr elf Tage. Dabei hat sich der Krankenstand auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau eingependelt.

Die meisten der 140 Millionen Krankheitstage entfielen auf die Gruppe der Muskel- und Skeletterkrankungen (23,1 Prozent). Darauf folgen Atemwegserkrankungen (12,4 Prozent), akute Verletzungen (12,3 Prozent) und psychische Erkrankungen (9,6 Prozent). Der Fehlzeiten-Report berichtet seit 1999 jährlich über die allgemeine Krankenstandsentwicklung. Grundlage der Untersuchungen sind die Arbeitsunfähigkeitsmeldungen von 10,8 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern.

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