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Studie: Chefs oft weniger gestresst als einfache Angestellte

Studie: Chefs oft weniger gestresst als einfache Angestellte

25.09.2012, 08:55 Uhr | dapd, dpa

Studie: Chefs oft weniger gestresst als einfache Angestellte. Studie: Chefs sind entspannter als viele annehmen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Studie: Chefs sind entspannter als viele annehmen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Bild des gestressten Managers muss offenbar revidiert werden: Denn Chefs sind trotz ihres meist sehr anspruchsvollen Jobs nicht mehr, sondern eher weniger gestresst als Menschen ohne Mitarbeiterverantwortung. Das haben US-Forscher jetzt entdeckt, als sie die Stresshormonspiegel von Freiwilligen aus verschiedenen Positionen und diversen Führungsebenen im öffentlichem Dienst und beim Militär untersuchten.

Kontrolle entscheidend

Die Wissenschaftler identifizierten einen entscheidenden Faktor: Kontrolle. Da Führungskräfte häufig mehr entscheiden können, haben sie eher das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Das wiegt dann andere Stressfaktoren auf, schreiben Gary Sherman von der Harvard University und seine Kollegen im "Proceedings" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Das Ergebnis der Studie überrascht, denn ein hohes Stressniveau gilt gemeinhin als typisch für den Arbeitsalltag eines Managers: Die Ansprüche an ihn steigen ständig, während die verfügbaren Ressourcen normalerweise nicht in gleichem Maß zunehmen - ein klassischer Stressfaktor.

Diese Annahme spiegelt sich unter anderem darin wider, dass seit einigen Jahren das Angebot an Anti-Stress-Coachings und Methoden des Stressmanagements stetig zunimmt. Doch möglicherweise zielen diese Programme gar nicht in die richtige Richtung, legt nun die Studie nahe.

Chefs: Weniger Stresshormone ausgeschüttet

Sherman und seine Kollegen hatten Teilnehmer eines Weiterbildungsprogramms für Führungskräfte, speziell aus dem öffentlichen Dienst und dem Militär, mit einer zufälligen Auswahl von Arbeitnehmern und Selbstständigen verglichen. Alle sollten in einem Fragebogen angeben, wie stressig und belastend sie ihren Arbeitsalltag empfanden. Zusätzlich gaben sie Speichelproben ab, in denen die Forscher die Menge des Stresshormons Cortisol bestimmten.

Überraschenderweise lagen die Werte der Manager sowohl beim Cortisol als auch beim subjektiv empfundenen Stress unter denen der Vergleichsgruppe, wie die Auswertung ergab. Um diesen Effekt besser zu verstehen, schlossen die Wissenschaftler eine zweite Studie an, in der sie ausschließlich Führungskräfte erfassten - in diesem Fall jedoch aus unterschiedlichen Managementebenen.

Kontrolle puffert Stress ab

Wieder zeigte sich: Je höher der Rang einer Führungskraft, desto geringer waren der subjektive und der gemessene Stress. Ausnahmen gab es jedoch dann, wenn der Manager sehr vielen Mitarbeitern direkt Anweisungen geben musste, ohne die Aufgaben delegieren zu können. Das Forscherteam schlussfolgert aus diesen Ergebnissen, dass das Gefühl von Kontrolle dem Stress entgegenwirkt und ihn zumindest zum Teil abpuffern kann.

Allerdings lasse sich aus den vorliegenden Daten nicht ablesen, ob die geringere Stressbelastung der Führungskräfte tatsächlich dem Job geschuldet sind oder einfach eine bestimmte persönliche Veranlagung widerspiegeln, die erst dazu geführt hat, dass jemand eine Führungsposition erreichen konnte.

Affenforschung stützt Ergebnisse der Studie

Die Befunde passen aber zu dem, was sich in früheren Studien bereits in Versuchen mit Affen gezeigt hat: Auch hier geht ein höherer Rang in der Gruppenhierarchie häufig mit einem eher niedrigen Cortisolspiegel einher. Das gelte vor allem dann, wenn es nur wenig Konkurrenz um die Führungsposition gebe, erläutern die Forscher.

Ein solches Szenario passe sehr gut zur aktuellen Studie, da die meisten der untersuchten Führungskräfte ebenfalls einen recht sicheren, stabilen Job innehatten. Als nächstes soll nun untersucht werden, ob weniger Stabilität oder mehr Konkurrenz im Unternehmen einen Einfluss auf den beobachteten Zusammenhang haben.

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