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Wo der Chefsessel 2012 zum Schleudersitz wurde

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Wo der Chefsessel 2012 zum Schleudersitz wurde

25.12.2012, 12:54 Uhr | t-online.de, dapd

Wo der Chefsessel 2012 zum Schleudersitz wurde. In deutschen Chefetagen herrscht europaweit die höchste Fluktuation (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In deutschen Chefetagen herrscht europaweit die höchste Fluktuation (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Deutsche Konzerne bezahlen ihre Spitzenmanager zwar gut, allerdings entpuppen sich die Chefsessel in den Unternehmen immer häufiger als Schleudersitze. Das bekamen in diesem Jahr nicht nur der ehemalige Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und der einstige Hochtief-Vorstandsvorsitzende Frank Stieler zu spüren. Noch weitere Topkräfte mussten sich 2012 nach einem neuen Job umsehen.

Kurzes Gastspiel an der Spitze

Stracke musste nach nur 15 Monaten an der Spitze des angeschlagenen Autobauers gehen, weil der US-Mutterkonzern General Motors die Geduld mit der verlustreichen deutschen Tochter verlor. Als Interimschef hat Thomas Sedran das Ruder bei Opel übernommen.

Ex-Hochtief-Chef Stieler stolperte hingegen wohl über die aus Sicht des spanischen Mehrheitsaktionärs ACS unbefriedigende Ergebnisentwicklung bei Deutschlands größtem Baukonzern. Nach nur eineinhalb Jahren im Chefsessel ersetzte ihn ACS-Chef Florentino Pérez durch seinen Vertrauten Marcelino Fernández.

Vorstand aufgeräumt

Noch härter fiel kurz vor Weihnachten das Aufräumen bei dem durch Milliardenverluste sowie eine Serie von Kartell- und Korruptionsskandalen erschütterten Stahlkonzern ThyssenKrupp aus. Dort mussten gleich drei der sechs Vorstandsmitglieder - Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen - gehen.

Der Konzern wolle damit ein deutliches Zeichen für einen Neuanfang setzen, sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. In der alten Führungskultur seien Seilschaften und blinde Loyalität oft wichtiger gewesen als der unternehmerische Erfolg.

Hohe Fluktuation

Dass dies nicht nur Einzelfälle sind, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Booz & Company. Danach liegt die Fluktuation in deutschsprachigen Vorstandsetagen über dem europäischen und globalen Durchschnitt. 2011 sei hierzulande jede sechste Spitzenposition neu besetzt worden. In immerhin jedem achten Fall sei der Abschied vom Chefsessel unfreiwillig erfolgt. "Deutsche Chefetagen sind die Schleudersitze Europas", fasste Booz & Company die Erkenntnisse aus der Untersuchung zusammen.

Manche Chefwechsel bei Großkonzernen spiegeln auch gesamtwirtschaftliche Entwicklungen wider. Das gilt etwa für den RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann und EnBW-Chef Hans-Peter Villis. Als Atomkraft-Befürworter entsprachen beide Manager nach der Energiewende nicht mehr wirklich der energiepolitischen Landschaft und drohten zur Belastung für ihre Unternehmen zu werden. Da passte es gut, dass ihre Verträge 2012 ausliefen und sich für die Konzerne die Möglichkeit zu einem personellen Neuanfang bot.

Spektakulärer Wechsel nach internem Machtkampf

Spektakulär war auch der Führungswechsel bei der Deutschen Bank, wo Josef Ackermann durch eine Doppelspitze mit dem Investmentbanker Anshu Jain und dem bisherigen Deutschland-Chef Jürgen Fitschen ersetzt wurde. Der feierlichen Verabschiedung Ackermanns auf der Hauptversammlung des deutschen Branchenprimus im Mai war ein heftiger bankinterner Machtkampf vorangegangen.

Dass es auch anders geht, zeigte im Juli der weltgrößte Autozulieferer Bosch. Dort löste Volkmar Denner den bisherigen Konzernchef Franz Fehrenbach nach neun Jahren ab - nach Tradition des Hauses völlig geräuschlos. Fehrenbach übernahm dafür den Aufsichtsratsvorsitz.

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