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Dieter Zetsche wird 60 Jahre alt

Dieter Zetsche wird 60 Jahre alt

29.04.2013, 17:07 Uhr | dpa

Dieter Zetsche wird 60 Jahre alt. "Dr. Z." wird 60 Jahre alt -  der einstige Retter in der Defensive (Quelle: dpa)

"Dr. Z." wird 60 Jahre alt - der einstige Retter in der Defensive (Quelle: dpa)

Dieter Zetsche ist nicht zu bremsen. Er rast über Küstenstraßen, schleudert kontrolliert auf nasser Fahrbahn, bewältigt mit einem Geländewagen einen Hindernisparcours. Selbst vor Hausbesuchen bei skeptischen Kunden schreckt er nicht zurück. Während er ihnen die Vorzüge eines Mini-Vans erklärt, nimmt er lässig einen Kopfball.

Dr. Z. wurde in den USA zur Kultfigur

Das war vor sieben Jahren. Damals ließ sich Zetsche als "Dr Z." für eine ganze Serie von Werbespots für die US-Marke Chrysler abfilmen und wurde so zur Kultfigur. Etwa zur gleichen Zeit kehrte Zetsche als strahlender Retter nach Stuttgart zurück, um als frischgebackener Daimler-Chef von Deutschland aus die Fusion mit Chrysler zu retten. Inzwischen fährt Daimler längst wieder allein - und der frühere Problemfall Chrysler gehört zu Fiat.

Zetsche in der Defensive

Auch sonst sieht die Lage inzwischen ungewohnt anders aus. Erst vor wenigen Tagen musste Zetsche zum wiederholten Mal in seiner Position als Daimler-Chef eine Gewinnwarnung verkünden. Zetsche, der am kommenden 5. Mai seinen 60. Geburtstag feiert, ist in die Defensive geraten. Die Kritik an seiner Person hält an. Das Magazin "Der Spiegel" zitierte einen hochrangigen Manager mit den Worten: "Der Dieter kann es nicht."

Die aktuellen Probleme des Autobauers sind weitläufig bekannt. BMW und Audi sind den Schwaben mit ihren Modellen weit voraus, vor allem aber, was die Rendite angeht, mit der Konzerne ihre Profitabilität vergleichen. Branchenexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach stellte schon vor Monaten fest: "Es gibt keine Ausreden mehr. Was nicht so läuft, geht auf das Konto von Zetsche und seiner Mannschaft."

Der Autofreak greift persönlich ein

Dabei greift der Chef gern höchstpersönlich in die Fahrzeug-Entwicklung ein. Zetsche lässt es sich selten nehmen, neue Modelle selber Probe zu fahren, sagt ein Konzernsprecher. Er verpasst kaum eine Vorstandsabnahme. Er gilt als Autofreak durch und durch. Im vergangenen Jahr nahm er in einem Mercedes 300 SL an der italienischen Oldtimer-Rallye Mille Miglia teil.

Vor allem in Arbeitnehmerkreisen hatte sich Zetsche einen guten Ruf aufgebaut. Er galt immer als jemand, der die Leute für sich einnimmt, heißt es. Selbst eine Kündigung könne man ihm nicht übelnehmen, sagte einmal ein enger Mitarbeiter über ihn. "Der Spiegel" beschreibt 2006, wie er Mitarbeiter in einem Werk in Ludwigsfelde dazu bringt, ihm zu applaudieren, obwohl er ihnen zuvor Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen verkauft hat.

Das Ansehen bröckelt

Doch zuletzt bröckelte die Unterstützung für Zetsche. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat sprach ihm regelrecht ihr Misstrauen aus. Sein Vertrag wurde nur auf drei Jahre - nicht auf die erwarteten fünf verlängert. Wäre es nach den Betriebsräten gegangen, säße der 59-Jährige nach dpa-Informationen gar nicht mehr im Chefsessel. Unzufrieden war die Arbeitnehmerseite demnach vor allem damit, dass Zetsche über ein anstehendes Sparprogramm nicht mit sich diskutieren ließ.

"Privatleben heißt Privatleben"

Über sein Privatleben lässt Zetsche kaum etwas raus. Anfang des Jahres wurde seine neue Liebe zu der Schauspielerin Désirée Nosbusch bekannt. Viel mehr aber auch nicht. Selbst Nosbusch sagte in einem Interview: "Aber Privatleben heißt Privatleben, weil es ein Privatleben ist." Ähnlich schmallippig äußert sich der Daimler-Konzern auf Anfrage.

Von Werbespots hält sich Zetsche inzwischen fern. Symbolträchtige Bilder könnten in Krisenzeiten auch schnell anders ausgelegt werden, als gewünscht - vor allem nach den jüngsten Nachrichten über die missglückten Crashtests des Mercedes Citan, der im Euro NCAP-Test im Frontalaufprall große Schwächen und Sicherheitsmängel offenbarte. "Wir nehmen natürlich die Kritik an den Ergebnissen vom Euro NCAP sehr ernst", sagte Volker Mornhinweg, Leiter von Mercedes-Benz Vans.

Vor sieben Jahren hatte man solche Sorgen noch nicht: Am Ende eines Spots aus dem Jahr 2006 setzt "Dr.Z" den Wagen in einem Crashtest noch frontal gegen die Wand. Zetsche steigt völlig unbeschadet aus - nur das Auto ist hinüber.

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