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Huawei-Chef Ren Zhengfei gibt sein erstes Interview seit 26 Jahren

Chinesischer IT-Riese  

Schweigsamer Huawei-Chef gibt erstes Interview

10.05.2013, 07:25 Uhr | Spiegel Online

Huawei-Chef Ren Zhengfei gibt sein erstes Interview seit 26 Jahren. Huawei-Chef Ren Zhengfei gibt erstmals ein Interview (Quelle: dpa)

Huawei-Chef Ren Zhengfei (Quelle: dpa)

Er ist Manager eines der größten IT-Unternehmen der Welt und Multimillionär. Doch weil er reichlich schweigsam ist, kennen fast nur Insider den Namen Ren Zhengfei. Der 68-Jähre führt den chinesischen Netzwerkausrüster und Handy-Hersteller Huawei - und zwar am liebsten im Stillen. In 26 Jahren an der Firmenspitze hat er kein einziges Interview gegeben. Insofern war der Termin im Museum Hotel der neuseeländischen Hauptstadt Wellington nun ein einigermaßen historisches Ereignis: Erstmals hat sich Ren mit Journalisten zu einem Gespräch getroffen.

Vier lokale Medien aus Neuseeland waren zu dem 90-minütigen Interview geladen, internationale Kollegen dagegen nicht. Fotos vom zaghaften Start des Managers auf dem Weg in die Öffentlichkeit durften auch keine gemacht werden. Die Firma veröffentlichte im Anschluss aber die Aufnahme eines eigenen Fotografen.

Kontakte zum chinesischen Geheimdienst?

Rens Statements, von einem Übersetzer ins Englische übertragen, brachten nicht unbedingt große Überraschungen. Sie markieren aber einen weiteren Versuch des Unternehmens, sich als verlässlicher Partner auf der internationalen Bühne zu präsentieren: Huawei - der Name bedeutet übrigens so viel wie: China handelt - habe zur Führung in Peking genau dasselbe Verhältnis wie es eine neuseeländische Firma zu ihrer Regierung habe, so der Manager.

Selbstverständlich ist dieser Satz nicht - wird Huawei doch immer wieder vorgeworfen, eine Art verlängerter Arm des chinesischen Geheimdienstes zu sein. Dabei wird dann auch gern zitiert, dass Ren einst Offizier der Volksbefreiungsarmee war, auch dass er seit Ende der Siebziger Jahre Parteimitglied ist.

Im Interview erklärte Ren laut "Fairfax News", die Parteimitgliedschaft sei zu dieser Zeit vollkommen normal gewesen. Und seine Mitarbeiter würden - zumindest aus seiner Sicht - nicht auf mögliche Annäherungsversuche von chinesischen Geheimdiensten eingehen.

Kongress rät: Keine Geschäfte mit Huawei

Belastbare Belege für eine Verquickung der Firma mit Staats- und Parteiapparat gibt es tatsächlich nicht. Wohl aber reichlich politischen Gegenwind: Ein Ausschuss des US-Kongresses hatte im vergangenen Oktober Telefonfirmen davon abgeraten, mit Huawei Geschäfte zu machen. Australien hatte das Unternehmen vom Bau neuer Breitbandnetze im Land ausgeschlossen.

Großauftrag aus Neuseeland

Neuseeland hat dagegen mit China ein Freihandelsabkommen geschlossen. Und mit der größten Telefonfirma des Landes hat Huawei im April einen Großauftrag zum Ausbau des Mobilnetzes vereinbart. Das erklärt, warum sich Ren ausgerechnet Wellington als Ort für sein erstes Interview ausgesucht hat. Neuseeland sei ein "wunderbares, fortschrittliches Land", schmeichelte er den Journalisten.

Huawei-Technik laut Ren "quasi inexistent" in den USA

Mit Angriffen chinesischer Hacker auf IT-Infrastruktur in den USA, wie sie zuletzt das Pentagon in einem Bericht kritisiert hatte, habe seine Firma dagegen nichts zu tun. Technik von Huawei sei "quasi inexistent" in den USA. Weder habe man großen Telefonfirmen im nennenswerten Umfang Hardware verkauft, noch habe es Lieferungen an US-Regierungsbehörden gegeben. Insofern gebe es keine Verbindungen mit dortigen Cyber-Sicherheitsproblemen "in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft".

Ruf im Ausland soll verbessert werden

Die Wahrnehmung im Ausland ist durchaus wichtig für das Unternehmen - schließlich macht Huawei zwei Drittel seiner Geschäfte außerhalb Chinas. Bei einem Umsatz von etwa 35 Milliarden Dollar fallen aktuell Gewinne von rund 2,4 Milliarden Dollar an. Ren persönlich gehören gut 1,4 Prozent der Firmenanteile, seine Tochter Cathy Meng ist Finanzchefin der Firma. Sein Bruder sitzt im Aufsichtsrat.

Die Firma hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2022 einen Umsatz von 100 Milliarden Dollar zu erreichen. Der Name Huawei ist trotzdem längst nicht jedem bekannt - weil die Technik oft im Verborgenen werkelt, etwa in Mobilfunk-Basisstationen, Internet-Routern und Handys, die von den Mobilfunk-Firmen direkt verkauft werden. Huawei will mit seinen 150.000 Mitarbeitern aber auch verstärkt als eigene Marke wahrgenommen werden - auch um sich unabhängiger von großen Abnehmern zu machen.

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