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Krank in die Disco - Lagerarbeiter darf Job behalten

Krank in die Disco  

Lagerarbeiter darf Job trotzdem behalten

23.05.2013, 14:03 Uhr | t-online.de - sia

Krank in die Disco - Lagerarbeiter darf Job behalten. Auch mit Krankenschein ist der Discobesuch nicht unbedingt ein Kündigungsgrund (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auch mit Krankenschein ist der Discobesuch nicht unbedingt ein Kündigungsgrund (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer dem Chef einen Krankenschein präsentiert, sollte sich eigentlich nicht bei anstrengenden Vergnügungen erwischen lassen. Grund für eine Entlassung ist das aber nicht in jedem Fall. Mit einem Discobesuch bis in die späte Nacht hatte laut der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) ein Lagerfacharbeiter seinen Arbeitgeber gegen sich aufgebracht und kassierte die fristlose Kündigung. Das Arbeitsgericht Bochum hat jetzt ein überraschendes Urteil in dem Fall gesprochen - und den Rauswurf gekippt.

Während Fehlzeit im Job in die Disco

Wie die "WAZ" berichtete, hatte sich ein Mitarbeiter eines Bochumer Unternehmens für Lagersysteme 2012 zehn Tage wegen Rückenbeschwerden arbeitsunfähig gemeldet. Der Arzt hatte dem Mann demnach aber keine Bettruhe verordnet. Der Erkrankte soll während seiner Fehlzeit bis um drei Uhr morgens eine Disco besucht haben.

Das Unternehmen ist den Angaben zufolge überzeugt, dass der Mitarbeiter sich bei der Gelegenheit auch als DJ betätigt hat, und erklärte, er habe das auf Facebook geschrieben. Wegen "grob gesundheitswidrigem" und "schwerwiegendem Verschulden" sollte die Lagerfachkraft fristlos vor die Firmentür gesetzt werden.

Streit um Facebook-Eintrag

Der Mitarbeiter selbst wies laut dem Bericht die Vorwürfe von sich: Er habe in der Disco keine Platten aufgelegt. Den Facebook-Text habe er verfasst, um zu schauen, ob ihm der Arbeitgeber nachspioniere. Die Bochumer Richter stellten sich auf seine Seite.

Das Gericht habe auf mehrere Entscheidungen hingewiesen, die in noch schwereren Fällen die Entlassung krank geschriebener Arbeitnehmer ebenfalls verhindert hätten, schreibt die "WAZ". Einer soll trotz einer gebrochenen Schulter einen Marathon absolviert haben.

Arbeitgeber lehnt Vergleich ab

Auch ein Vergleich schlug fehl: Der Arbeitgeber wollte die Kündigung in Kombination mit dem Jobverlust für den Mitarbeiter und 1000 Euro Abfindung nicht zurücknehmen, heißt es in der Meldung. Das Gericht ließ das Unternehmen abblitzen: Der Lagerfacharbeiter behält zunächst seinen Job. Dem Arbeitgeber steht die Möglichkeit offen, in die Berufung zu ziehen.

Kranke sollten wissen: Was ein Patient tun darf und was er besser lassen sollte, hänge in erster Linie von seiner Erkrankung ab, erläutern Arbeitsrechtler beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Als Faustregel gilt: Es ist alles verboten, was die Genesung verzögert oder gefährdet. Das bedeutet aber noch keinen Hausarrest oder ständige telefonische Erreichbarkeit.

Kneipenbesuch kann problematisch sein

Wer sich etwa wegen einer Magen-Darm-Grippe in der Firma abgemeldet hat und dann beim Einkaufen vom Chef gesehen wird, muss nicht gleich fürchten, den Job zu verlieren. Problematisch wird es demnach jedoch, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeiter nachts beim Zechen in der Kneipe antrifft.

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