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SAC-Manager Cohen: Ermittler jagen Hedge Fonds-Milliardär

Ermittler jagen Hedge Fonds-Milliardär Cohen

24.05.2013, 16:03 Uhr | Spiegel Online

SAC-Manager Cohen: Ermittler jagen Hedge Fonds-Milliardär. Der Milliardär Steven Cohen steht unter dem Verdacht des Insiderhandels (Quelle: Reuters)

Der Milliardär Steven Cohen steht unter dem Verdacht des Insiderhandels (Quelle: Reuters)

Die Justiz ist dem Hedge-Fonds-Granden Steven Cohen auf den Fersen. Seine Firma SAC soll von Insider-Geschäften profitiert haben, mehrere Manager wurden bereits verurteilt - und jetzt richten sich die Blicke auf den Milliardär.

Cohen zeigte sich noch als Wohltäter

Es war die Charity-Gala der Saison. Mehr als 4200 Millionäre und Milliardäre drängelten sich im Kongresszentrum Manhattans, das in eine enorme Cocktail-Lounge verwandelt worden war. Slogans flimmerten über die Leinwände: "Armut bekämpfen wie ein New Yorker."

Die Robin Hood Foundation, die Spendenstiftung der US-Hedge-Fonds-Branche, brachte vorige Woche wieder die Fürsten der Wall Street zusammen. Die Finanzjongleure, die sich von Superstars wie Bono, Sting und Elton John unterhalten ließen, gaben fast 81 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke - aus ihrer Sicht eine verschmerzbare Gabe.

Unter den VIP-Gästen war auch Steven Cohen. Als Vorstandsmitglied der Organisation hat der legendäre Hedge-Fonds-Manager selbst schon Millionen gestiftet. Am Rande der Party lobte er den Gründer der Gruppe, den Top-Investor Paul Tudor Jones, für seine sozialen Verdienste: "Es gibt nichts Vergleichbares", sagte er.

Die vom Wirtschaftsdienst Bloomberg kolportierte Freude an der gemeinsamen Großzügigkeit dürfte nicht lange gehalten haben. Cohen, einer der erfolgreichsten Hedge-Fonds-Stars seiner Generation, hat andere Sorgen. Seit Jahren ist ihm die Justiz wegen des Verdachts auf Insiderhandel auf den Fersen. Lange galt er als unberührbar. Doch jetzt zieht sich die Schlinge offenbar zu.

Indiziennetz gegen den SAC-Chef

Am Donnerstag meldete das "Wall Street Journal", die Staatsanwaltschaft habe drei Top-Manager aus Cohens Fondsfirma SAC Capital Advisors vorgeladen, darunter SAC-Präsident Tom Conheeney. Die Cohen-Vertrauten sollen vor einem Großen Geschworenengericht aussagen, das eine Anklage wegen Insiderhandels gegen SAC prüft.

Es ist der jüngste Angriff der Justiz auf Cohen und sein Haus, das mehr als 14 Milliarden Dollar verwaltet. Andere SAC-Mitarbeiter waren schon vorgeladen worden, auch Cohen selbst. Gegen neun Fondsmanager erhob die Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage. Vier bekannten sich schuldig und wurden zu Kronzeugen.

Es ist eine klassische Strategie: Aus den Geständnissen der kleinen Fische will die Justiz ein Indiziennetz flechten, in dessen Mitte am Ende der große Fisch landen soll: Steven Cohen.

Der nächste Gordon Gekko?

Es wird eng für den Multimilliardär, den man an der Wall Street bisweilen mit dem "großen Gatsby" vergleicht, F. Scott Fitzgeralds mysteriösem Roman-Aufschneider. US-Staatsanwalt Preet Bharara und die Börsenaufsicht SEC vermuten, dass ein Teil der SAC-Gewinne illegal erschwindelt sind. Der Firma wird unter anderem vorgeworfen, 2008 von vertraulichen Informationen über ein Alzheimer-Medikament an der Börse profitiert zu haben.

Cohen beteuert seine Unschuld. Trotzdem hält dieser Krimi die Wall Street in Atem: Immer mehr erinnert er an den Sturz des Junkbonds-Jongleurs Michael Milken im Jahre 1990. Milken wurde zum Vorbild für Gordon Gekko, dem Finanzbösewicht aus Oliver Stones Film "Wall Street".

Cohen, 56, passt ins gleiche Klischee. Sein Privatvermögen wird auf 9,3 Milliarden Dollar geschätzt, seine Kunstsammlung ist Legende, sein Anwesen bei Weitem das größte in der Milliardärsenklave Greenwich in Connecticut.

Das alles soll auf Sand gebaut sein. Im Zuge des Insider-Verfahrens gegen den gestürzten Hedge-Fonds-King Raj Rajaratnam stießen die Ermittler auf ein ganzes Netzwerk aus Tippgebern und Kursflüsterern, die sich illegal bereicherten, indem sie mit Hilfe nicht öffentlicher Konzerninterna spekulierten.

Und immer wieder führten die Spuren zu SAC. Im April erklärte sich das Unternehmen bereit, die Rekordsumme von 616 Millionen Dollar zu zahlen, um zwei Verfahren per Vergleich beizulegen.

Cohens Firma eine "kriminelle Vereinigung"?

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stoppte das aber nicht. Die erwägt laut "Wall Street Journal" inzwischen, SAC als "kriminelle Vereinigung" anzuklagen. Grundlage ist das sogenannte "Rico-Gesetz", das sonst gegen Mafiosi und Drogengangs zum Einsatz kommt.

Wie ernst die Lage ist, zeigte sich auch vorige Woche: Da erklärte die Firma SAC in einem Brief an ihre Investoren, dass sie nicht länger mit der Justiz kooperiere und Details des Falls fortan vor ihren Klienten geheim halten werde. Die Kunden verlieren allmählich das Vertrauen. Anfang des Jahres zogen sie 1,7 Milliarden Dollar aus den SAC-Fonds ab, rund ein Viertel des nicht von Cohen persönlich gestellten Kapitals.

"Das einzige, das Steve Cohen interessiert, ist, dass wichtige Leute ihn für den tollsten Trader der Welt halten", sagte einer seiner ehemaligen Freunde zu "Vanity Fair". "Vieles von dem, für das er gearbeitet hat, wurde ihm bereits genommen." Diese Woche meldete Bloomberg, Cohen habe der Justiz einen Kompromiss angeboten: SAC würde sich schuldig bekennen und schließen - er dafür aber nicht länger verfolgt werden.

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