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Integrationsgipfel: OECD fordert mehr Migranten in Behörden

OECD fordert mehr Migranten in Behörden

28.05.2013, 09:12 Uhr | dpa-AFX, AFP

Integrationsgipfel: OECD fordert mehr Migranten in Behörden. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler fordert die doppelte Staatsbürgerschaft (Quelle: dpa)

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler fordert die doppelte Staatsbürgerschaft (Quelle: dpa)

Mehr Beschäftigte mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst: Das fordert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und sieht in Deutschland großen Nachholbedarf. Vor dem sechsten Integrationsgipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig der Nachrichtenagentur AFP, Deutschland nehme bei der Integration von Zuwanderern in den öffentlichen Dienst "den Schlussplatz der OECD-Länder ein". Gerade für Zuwandererkinder sei der Zugang zum öffentlichen Dienst aber wichtig. Arbeitsmarktintegration ist einer der Schwerpunkte des Gipfels. Wirtschaftsminister Philipp Rösler forderte derweil eine "Willkommenskultur" für ausländische Fachkräfte, schreibt "Spiegel Online".

Vorbild Skandinavien

Der öffentliche Sektor könne durch die Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund eine Vorbildfunktion übernehmen, sagte Liebig. Zugleich erhöhe dies die Sichtbarkeit von Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Leben. "Deutschland könnte hier viel von den skandinavischen Ländern lernen, wo der öffentliche Dienst geradezu als Motor für die Integration angesehen wird."

Als auffällig bezeichnete Liebig die "verhältnismäßig schlechte Integration der Zuwanderer mit Universitätsabschluss". In dieser Gruppe liege die Beschäftigungsquote mehr als zwölf Prozent unter derjenigen von in Deutschland geborenen Personen mit Universitätsabschluss, während niedrigqualifizierte Zuwanderer ähnlich gute Arbeitsmarktergebnisse wie vergleichbare in Deutschland geborene Menschen haben.

"Ein wesentlicher Schritt nach vorn"

Das Anfang April in Kraft getretene Anerkennungsgesetz sei für die vielen Zuwanderer mit ausländischen Qualifikationen zwar "ein wesentlicher Schritt nach vorn", allerdings sei es wichtig "nun auch verstärkt in den Bereich der Nachqualifizierung zu investieren", sagte Liebig. Zudem müsse die Zertifizierung auch von "nicht-formal erworbenen Fähigkeiten" verstärkt werden.

Insgesamt sieht Liebig Deutschland bei der Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern "im Mittelfeld der OECD-Länder". Nach den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2011 lag die Beschäftigungsquote der Zuwanderer demnach bei 66,5 Prozent, die der in Deutschland Geborenen bei 73,4 Prozent.

Es gebe jedoch "eine positive Dynamik". Zwischen 2008 und 2011 sei die Beschäftigungsquote der Zuwanderer um vier Prozentpunkte gestiegen, deutlich mehr als bei den Nichtzuwanderern (1,5 Prozentpunkte). Dies war das höchste Wachstum in der OECD, sagte Liebig.

Stärkere Zuwanderung gefordert

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat eine stärkere Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer zur Bekämpfung des Fachkräftemangels gefordert. "Die Sicherung von Fachkräften ist eine der größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft", sagte der FDP-Vorsitzende "Spiegel online". "Es wird allein nicht ausreichen, den Bedarf im Inland zu decken. Nach meiner festen Überzeugung brauchen wir auch mehr qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland."

Etwa 16 Millionen Menschen in Deutschland haben ausländische Wurzeln - das ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Die Krise in Südeuropa und die EU-Osterweiterung bescherten Deutschland im vergangenen Jahr die stärkste Zuwanderung seit 1995: Mehr als eine Million Menschen verlegten 2012 ihren Wohnsitz in die Bundesrepublik. Besonders stark stieg die Zahl der Zuwanderer aus den krisengebeutelten Staaten Südeuropas - wie Spanien, Griechenland, Portugal und Italien.

Rösler für doppelte Staatsbürgerschaft

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), hatte vor dem Gipfel gemahnt, auch diese jungen, gut qualifizierten Zuwanderer aus EU-Staaten bräuchten Hilfe, um hierzulande Tritt zu fassen. Rösler verlangte erneut die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft, wie sie vom Koalitionspartner CDU/CSU bislang abgelehnt wird. Zugleich plädierte er für ein Punktesystem für Zuwanderer nach kanadischem Vorbild.

Kritik kam aus der Opposition. "Für den Integrationsgipfel reicht es nicht aus, wohlfeile Forderungen zu stellen", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth. "Willkommenskultur würde bedeuten, dass wir eine erleichterte Einbürgerung bekommen, dass wir die Hinnahme von Mehrstaatlichkeit bekommen, dass wir den bescheuerten Optionszwang endlich abschaffen." Bislang müssen in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern mit Beginn der Volljährigkeit, spätestens jedoch bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres entscheiden, ob sie die deutsche oder die Staatsbürgerschaft des Herkunftslandes ihrer Eltern annehmen.

Mehr als 100 Teilnehmer erwartet

Die Bundesregierung berät heute in Berlin mit Vertretern von Wirtschaft und Verbänden über die Eingliederung von Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt. Zum sechsten Integrationsgipfel im Kanzleramt werden mehr als 100 Teilnehmer erwartet. Kanzlerin Angela Merkel hatte das Thema Integration 2006 zur Chefsache gemacht und zum ersten Gipfel eingeladen.

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