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Schwarzarbeit: Die nützlichen schwarzen Schafe

Schwarzarbeit: Die nützlichen schwarzen Schafe

05.06.2013, 09:08 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Schwarzarbeit: Die nützlichen schwarzen Schafe. Schwarzarbeit - wie am Bau - kann auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, verboten bleibt sie trotzdem (Quelle: dpa)

Schwarzarbeit - wie am Bau - kann auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, verboten bleibt sie trotzdem (Quelle: dpa)

Die Schwarzarbeit in Deutschland hat gewaltige Ausmaße: auf 340 Milliarden Euro jährlich wird die Schattenwirtschaft in Deutschland geschätzt. Vor allem Handwerker glauben, dass ihnen durch Schwarzarbeit viele Aufträge verloren gehen. Doch Experten betonen, dass Schwarzarbeit auch positive Auswirkungen hat - sogar für die legal arbeitenden Handwerker.

Der Frust über Schwarzarbeiter in der Branche sitzt bei vielen Handwerkern tief. "Da bemüht man sich um seine Kunden, steckt viel Zeit in Angebote - und am Ende schnappt einem ein Schwarzarbeiter den Auftrag weg. Das ist Betrug an der ganzen Branche", schimpft Uwe Lorbeer von der Handwerkskammer Chemnitz. Tatorte für Schattenwirtschaft seien in vielen Fällen Wohnungen und Privathäuser. "Das kostet im Handwerk legale Arbeitsplätze", ist Lorbeer überzeugt. Jeder siebte Euro wird in Deutschland laut einer Prognose am Fiskus vorbeigeschleust.

Schwarzarbeit meist im Privaten

Für die deutschen Schwarzarbeits-Fahnder, die am Mittwoch in Chemnitz zu ihrem Bundesfahnder-Treffen zusammen kommen, ist es oft wie ein Kampf gegen Windmühlen. Denn die Schattenwirtschaft hat zwar einerseits gewaltige Ausmaße, ist aber auch sehr kleinteilig. Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz schätzen ihr Volumen auf 13,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Doch ein großer Teil davon spielt sich im Privaten ab, sei es beim Rasenmähen in Nachbars Garten, beim Babysitten oder eben bei Handwerkerleistungen.

"Jeder Auftrag, der nicht an einen regulären Handwerksbetrieb geht, ist ein verlorener Auftrag. Das bedroht die Ehrlichen im schlimmsten Fall in ihrer Existenz", warnt Lorbeer.

Die "gute" Seite der Schwarzarbeit

Doch so schwarz-weiß will Schwarzarbeits-Experte Schneider die Lage nicht malen. Es gebe eben nicht auf der einen Seite die ehrlichen Handwerker und auf der anderen Seite die schwarzen Schafe. Von den insgesamt geschätzt neun Millionen Schwarzarbeitern in Deutschland haben nach seinen Studien rund acht Millionen einen regulären Job und bessern sich nach Feierabend schwarz das Einkommen auf. Das sei auf dem Bau nicht anders. "85 Prozent der Schwarzarbeiter haben bis Donnerstagnachmittag einen ganz normalen Job und arbeiten dann den Rest der Woche schwarz. Da geht es im Schnitt um einen Nebenverdienst von 400 bis 600 Euro im Monat."

Schneider glaubt auch nicht, dass den regulären Betrieben durch Schwarzarbeit so viele Aufträge abhandenkommen. "Viele Bauherren könnten sich ihr Einfamilienhaus gar nicht leisten, wenn sie alles auf Rechnung laufen lassen müssten." Der Professor schätzt, dass rund 60 Prozent der schwarz erledigten Bauaufträge gar nicht erteilt würden, wenn es keine Schwarzarbeit gäbe. Und von diesen zusätzlichen Baustellen profitierten wiederum die legal arbeitenden Handwerksbetriebe, denn kaum ein Haus werde komplett schwarz hochgezogen. So kurbele die Schwarzarbeit sogar den regulären Auftragseingang der Betriebe an.

Hauptverlierer ist der Staat

Und auch die Schwarzarbeiter gäben ihr Geld wieder irgendwo aus und kurbelten so die Wirtschaft an. "Man kann sagen, die Wirtschaft profitiert von Schwarzarbeit. Der große Verlierer ist der Staat. Ihm gehen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge verloren." Das wirkt sich dann wiederum auf die ganze Gesellschaft aus. Würde alles korrekt in die Sozialkassen eingezahlt, könnten die Beitragssätze für alle sinken.

Deshalb ist Schwarzarbeit aus Sicht des Gesetzgebers auch kein Kavaliersdelikt. Einem Handwerker, der zum Beispiel schwarz das Badezimmer einer Wohnung fliest, droht nach Angaben des Zolls ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltung von Sozialabgaben. Ein Hartz-IV-Empfänger, der neben dem Geld von der Arbeitsagentur noch Lohn aus Schwarzarbeit kassiert, begeht Sozialbetrug. Der Zoll kommt solchen Fällen nach eigenen Angaben oft auf die Spur, weil etwa Nachbarn die Behörden informieren.

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