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Miniflugzeuge als Dienstleister: Wie Drohnen das Arbeiten lernen

Miniflugzeuge als Dienstleister: Wie Drohnen das Arbeiten lernen

18.07.2013, 10:37 Uhr | Spiegel Online

Miniflugzeuge als Dienstleister: Wie Drohnen das Arbeiten lernen. Die Zukunft gehört wohl den Drohnen  (Quelle: dpa/picture alliance)

Die Zukunft gehört wohl den Drohnen (Quelle: dpa/picture alliance)

Drohnen haben die Kriegsführung revolutioniert - und könnten demnächst den Arbeitsmarkt umwälzen. Erste Firmen nutzen die automatischen Flugmaschinen bereits versuchsweise als Pizzaboten oder Wildhüter. Manche Wissenschaftler glauben, dass Drohnen Tausende Dienstleistungsjobs überflüssig machen.

Drohne für den Kundenservice

Stellen Sie sich vor, Ihre Bestellung vom Asia-Imbiss bringt nicht mehr ein Laufbursche, sondern eine Drohne. Ebenso ihre Pakete - weil ein kleines, brummendes Flugobjekt mit vier Rotoren weit schneller durch die stauverstopfte Großstadt kommt als ein Mensch im Lieferwagen. Wenn Sie jetzt nicht "In Deckung" brüllen - dann sind Sie für Telepizza, DHL & Co wahrscheinlich der Kunde der Zukunft.

Beim Wort Drohne denkt man gemeinhin an unbemannte militärische Aufklärer oder gar Killer. Doch Unternehmen arbeiten längst an anderen Einsatzmöglichkeiten. Denn wie schon Internet oder GPS hat auch diese Militärtechnik großes Potential für zivile Zwecke - auch wenn viele der Einsatzideen noch wie Science Fiction klingen.

Ersatz für Briefträger

Anfang Juni sorgte eine Filiale von Domino's Pizza mit einem YouTube-Video für Aufsehen. Es zeigt eine Drohne, die zwei Pizzen ausliefert. Im April kursierte das Gerücht, die französische Post wolle Drohnen als Briefträger einsetzen - das entpuppte sich zwar als Aprilscherz.

UPS aber teilte wenige Tage später mit, man habe diese Option tatsächlich "auf dem Radar". Andere nutzen Drohnen längst: In Asien fungieren die Flugobjekte als Wildparkhüter, mit Kameras ausgestattet überfliegen sie vollautomatisch schwer zugängliche Dschungel-Gebiete und überwachen Orang-Utans und andere Tiere.

Einsatz in USA ab 2015 möglich

Mögliche Einsatzfelder für Drohnen gibt es genug: die Polizeistreife, die Werbefotografie, die Gebäudewartung - fast überall könnten Maschinen irgendwann Menschen ersetzen, und die Zukunft ist vielleicht näher als es scheint. Die US-Regierung hat bereits begonnen, Gesetze für eine zivile Nutzung unbemannter Flugobjekte zu lockern; die Federal Aviation Administration, Amerikas zentrale Luftfahrtbehörde, prognostiziert, dass solche Drohnen ab 2015 im Einsatz sein könnten.

Die "New York Times" rief kürzlich die "Morgendämmerung der Dienstboten-Drohnen" aus, "Harvard Business Review" die nächste Boom-Branche. Gut möglich, dass Sicherheitsbedenken und ziviler Widerstand die Entwicklung bremsen; aufzuhalten ist sie wohl nicht.

Roboter spielen Badminton

"Wir werden schon bald die ersten Drohnenarbeiter sehen", sagte Raffaello d'Andrea, Professor für Robotik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, auf der TEDGlobal-Konferenz in Edinburgh "Spiegel Online". Sein Team zeigt dort, was Drohnen können: In einem Kellerraum werfen Konferenzbesucher ihnen Gummibälle zu, die Drohnen schlagen sie per aufmontiertem Badmintonschläger zurück - vollautomatisch. "Die Revolution wird schnell und schmutzig sein", sagt d'Andrea. "Schon jetzt können Drohnen einfache Arbeiten verrichten."

Und die Herstellungspreise sinken rapide. Andreas Raptopoulos, Gründer der Firma Matternet, will Drohnen nutzen, um Medikamente in schwer zugängliche Gebiete in Afrika zu transportieren. "Ein Flug kostet 24 Cent", sagt er. "Schon jetzt wäre es schneller, effizienter und günstiger, Drohnen im großen Stil einzusetzen als Straßen zu bauen und zu erhalten."

"Neue Ebene der Infrastruktur"

Raptopoulos' Vision ist es, ein medizinisches Versorgungsnetz über den gesamten Kontinent zu spannen. Aber er sieht auch Einsatzmöglichkeiten in Großstädten. "Drohnen schaffen eine neue Ebene der Infrastruktur", sagt er, "zwischen dem Internet und der Straße."

Es sei nicht immer schlecht, dass dabei Jobs verlorengehen. "Allein in São Paulo gibt es schätzungsweise 250.000 Botenjungen, sogenannte Motorboys", sagt er. "Jedes Jahr sterben Hunderte von ihnen in Unfällen oder Schießereien."

Entwicklung nicht unproblematisch

Drohnenarbeiter könnten Leben retten. Sie könnten aber auch für gesellschaftliche Unruhe sorgen. "Unsere Arbeitswelt wird immer automatisierter", sagt Daniel Suarez, ein Science-Fiction-Autor, der viel über das Thema recherchiert hat. "Drohnen sind die nächste Stufe dieses Trends." Mit jedem Automatisierungsschritt gingen mehr Jobs verloren als in anderen Bereichen neu entstünden.

"Vor allem einfache Arbeiter bleiben auf der Strecke." In den vergangenen Jahren hat sich die technische Entwicklung beschleunigt; der Welt bleibt weniger Zeit, sich auf Umbrüche einzustellen. Suarez findet das bedenklich. "Wenn der Drohnen-Pizzabote irgendwann günstiger ist als ein Arbeiter mit Mindestlohn, sollte die Gesellschaft darauf vorbereitet sein."

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