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ThyssenKrupp-Patriarch Berthold Beitz stirbt mit 99 Jahren

Ehrenvorsitzender  

ThyssenKrupp-Patriarch Berthold Beitz stirbt mit 99

31.07.2013, 19:25 Uhr | sid, dpa, dpa-AFX, rtr

ThyssenKrupp-Patriarch Berthold Beitz stirbt mit 99 Jahren.  (Quelle: dpa)

Berthold Beitz (1913 - 2013) (Quelle: dpa)

Berthold Beitz ist tot. Der langjährige Vorsitzende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung starb am Dienstag im Alter von 99 Jahren. Das teilten Stiftung und die ThyssenKrupp AG am Mittwoch in Essen mit. Beitz war seit 1999 Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG. "Beitz hat das letzte Wort", hieß es immer wieder bei ThyssenKrupp. Sein Tod trifft das Unternehmen in der größten Krise seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999.

Beitz hatte über Jahrzehnte die Geschicke des Essener Krupp-Konzerns und die Fusion mit Thyssen zum heutigen ThyssenKrupp-Konzern mitbestimmt. Er gilt als eine der wichtigsten Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit in Deutschland. "Für alle, die ihn kannten, ist dies ein unersetzlicher Verlust", sagte der Vize-Vorsitzende des Kuratoriums, Reimar Lüst. "Mit Berthold Beitz ist eine herausragende Persönlichkeit von uns gegangen, die das Unternehmen im Geiste von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach entscheidend geprägt hat", sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Beitz habe richtungsweisende Veränderungen im Konzern persönlich begleitet und unterstützt.

Aktiv bis zuletzt

Noch Anfang des Jahres hatte Beitz an der Hauptversammlung in Bochum teilgenommen. Wie stets kerzengerade stehend hatte er dabei den langanhaltenden Applaus der Aktionäre entgegengenommen. Wenig später musste der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme seinen Hut nehmen, den Beitz eigentlich als seinen Nachfolger an der Spitze der Krupp-Stiftung auserkoren hatte. Diese hält 25,3 Prozent der Anteile und gilt als Bollwerk gegen eine feindlichen Übernahme. ThyssenKrupp wird von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert.

Beitz war 1953 von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach als persönlicher Generalbevollmächtigter zu Krupp geholt worden. Nach dem Erbverzicht des Krupp-Sohnes Arndt von Bohlen und Halbach wandelte Beitz den Konzern in eine Kapitalgesellschaft um. Beitz wurde 1970 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Friedrich Krupp GmbH.

Hiesinger: Beitz war ein Vorbild für die Mitarbeiter

"Ich habe Herrn Beitz als einen Menschen erlebt, dem die Zukunft des Unternehmens immer sehr am Herzen lag. Er hat uns im Vorstand in den letzten Jahren bei dem umfassenden Veränderungsprozess begleitet, bestärkt und dort, wo es nötig war, vorbehaltlos unterstützt", sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Beitz sei ein großes Vorbild für die Mitarbeiter gewesen.

Beitz wirkte auch als Sportfunktionär

Beitz, der am 26. September 100 Jahre alt geworden wäre, wurde aufgrund seiner Verdienste auch in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Von 1972 bis 1988 zählte er zu den einflussreichsten deutschen Sportpolitikern. Vier Jahre lang war er von 1984 bis 1988 IOC-Vizepräsident.

Im zweiten Weltkrieg hatte Beitz zusammen mit seiner Frau als kaufmännischer Leiter der Karpathen-Öl AG im polnischen Boryslaw das Leben von Hunderten Juden gerettet, indem er sie aus den Deportationszügen der Nazis befreite. "Ich habe darüber eigentlich gar nicht nachgedacht. Ich habe spontan gehandelt, aus dem Gefühl heraus. Ich musste es einfach tun", sagte er einmal der "Süddeutschen Zeitung" in einem seiner wenigen Interviews. 1973 wurde Beitz dafür von Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, als "Gerechter der Völker" geehrt. Eine Auszeichnung, die 2006 auch seine Frau erhielt.

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