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Unter Mindestlohn: Viele Selbstständige verdienen weniger als 8,50 Euro

Unter Mindestlohn  

Viele Selbstständige verdienen weniger als 8,50 Euro

05.01.2014, 15:32 Uhr | AFP, t-online.de, dpa-AFX

Unter Mindestlohn: Viele Selbstständige verdienen weniger als 8,50 Euro. Brotlose Kunst: Viele Selbstständige kommen kaum auf einen Stundenlohn von 8,50 Euro (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Brotlose Kunst: Viele Selbstständige kommen kaum auf einen Stundenlohn von 8,50 Euro (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Rund 1,1 Millionen Selbstständige in Deutschland haben 2012 weniger verdient als der geplante Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Zeitung "Welt am Sonntag" (WamS) ausgerechnet. Insgesamt hätten 25 Prozent aller Selbstständigen weniger als 8,50 Euro verdient, sagte DIW-Forscher Karl Brenke. In Deutschland gibt es 4,4 Millionen Selbstständige. Die schwarz-rote Bundesregierung will eine gesetzliche Lohnuntergrenze in Höhe von 8,50 Euro einführen.

Dem Bericht zufolge sind 770.000 der 1,1 Millionen geringverdienenden Selbstständigen Ein-Mann-Unternehmen, haben also keine Angestellten. Von diesen Solo-Selbstständigen verdienten im Berechnungsjahr 31 Prozent weniger als 8,50 Euro. Aber auch 330.000 Unternehmer, die Arbeitnehmer beschäftigen, erwirtschafteten demnach weniger als 8,50 Euro. Ihr Anteil unter allen Betrieben mit Angestellten beträgt 17 Prozent, wie die "WamS" weiter berichtete. Unter den abhängig beschäftigten Arbeitnehmern ist der Anteil mit einem Verdienst von 8,50 Euro je Stunde mit 15 Prozent geringer als unter den Selbstständigen.

Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes kommt dem Bericht zufolge zu teilweise noch drastischeren Ergebnissen als das DIW. Danach mussten sich 2012 von den Unternehmern, die höchstens einen Mitarbeiter hatten, 34 Prozent mit weniger als 8,50 Euro Stundenlohn zufriedengeben. Stundenlöhne unterhalb des geplanten gesetzlichen Mindestlohns sind demnach mit einem Anteil von 22 Prozent selbst bei den akademischen freien Berufen verbreitet.

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Niedriglöhner unter den Selbstständigen

Als Beispiel nennt der Bericht Anwälte, die sich nach dem Studium selbstständig machen und in den ersten fünf Jahren nur Verluste erwirtschaften. Aber auch Kiosk-Besitzer, Kosmetikerinnen und freischaffende Künstler gehören zu den Selbstständigen, die mit ihrem Verdienst kaum auf den Mindestlohn kommen.

"Wirre Köpfe müssten nun als Ergänzung zum Mindestlohn Mindestpreise oder Mindestgewinne oberhalb des Hartz-IV-Anspruchs fordern", sagte Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), der Zeitung. Daran erkenne "man die grundsätzliche Fragwürdigkeit des Mindestlohns".

Mindestlohn könnte Scheinselbstständigkeit fördern

Marcel Thum, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo Dresden, erklärte, der Mindestlohn würde selbst auch "dafür sorgen, dass es noch mehr Selbstständige mit prekären Einkommensverhältnissen gibt". Schließlich könne ein Friseursalonbesitzer, der den Mindestlohn nicht zahlen wolle, seine Angestellten entlassen und "dann seine Waschbecken an freischaffende Friseure vermieten". Diese Scheinselbstständigkeit gibt es bereits in vielen Branchen, zum Beispiel in Callcentern, aber auch im Journalismus.

Michaela Rosenberger, neue Chefin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, hält die Einführung des Mindestlohns hingegen für wichtiger als den Erhalt von Arbeitsplätzen. Angesprochen darauf, dass eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro gerade in ihrer Branche in Ostdeutschland viele Jobs gefährden würde, sagte Rosenberger der "Welt am Sonntag": "Das müssen wir in Kauf nehmen."

Wirtschaft warnt erneut vor Mindestlohn

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht dagegen im vereinbarten Mindestlohn eine Gefahr für diejenigen, die davon eigentlich profitieren sollen. "Für junge Leute aus bildungsfernen Schichten setzt er falsche Anreize", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Samstag der "Rheinischen Post". Wenn die Betroffenen vor der Wahl stünden, für 700 Euro in eine Ausbildung mit Perspektive zu gehen oder für 1400 Euro in einen kurzfristig besser bezahlten Mindestlohn-Job, würden sich vermutlich viele gegen die duale Ausbildung entscheiden.

Schon heute hätten 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 25 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. "Wenn die Konjunktur runtergeht, werden diejenigen als erstes ohne Job dastehen, die keine Ausbildung haben, und sie werden so schnell auch keinen neuen finden", sagte Schweitzer. Der Mindestlohn werde "diesen Teufelskreis verschärfen".

Mindestlohn ab 2015

Zum 1. Januar 2015 soll ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Stunde kommen. Tarifvertraglich vereinbarte Abweichungen sollen aber bis Ende 2016 noch möglich sein.

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