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"Frontal 21" enthüllt: Bahn-Mitarbeiter häufen fast acht Millionen Überstunden an

"Frontal 21" enthüllt  

Bahn-Mitarbeiter häufen fast acht Millionen Überstunden an

25.03.2014, 19:23 Uhr | dpa, t-online.de, AFP

"Frontal 21" enthüllt: Bahn-Mitarbeiter häufen fast acht Millionen Überstunden an. Überstunden waren bisher offenbar die Regel bei der Deutschen Bahn (Quelle: imago/Ralph Peters)

Überstunden waren bisher offenbar die Regel bei der Deutschen Bahn (Quelle: imago/Ralph Peters)

Die schlechten Nachrichten über die Deutsche Bahn reißen nicht ab: Nachdem Bahn-Chef Rüdiger Grube für 2013 einen drastischen Gewinneinbruch melden musste, wurde jetzt bekannt, dass die Mitarbeiter des Unternehmens einen gigantischen Berg von Überstunden vor sich herschieben. Fast acht Millionen Überstunden hätten Beschäftigte im Schienenbereich bis Ende des vergangenen Jahres angehäuft, berichtet die ZDF-Sendung "Frontal 21".

Mehrarbeit entspricht 8500 Vollzeit-Jobs

Hinzu kämen 5,6 Millionen Stunden aus offenen Urlaubsansprüchen, heißt es in dem Bericht. Zusammengenommen entspreche dies der Arbeitsleistung von 8500 Vollzeit-Mitarbeitern in einem Jahr. Eine Konzernsprecherin sagte in Berlin, das Unternehmen arbeite aktiv daran, die Mehrarbeit abzubauen.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner, bezeichnete die Zahl der Überstunden als "inakzeptabel". Die Mitarbeiter hätten Anspruch darauf, "in normalen Arbeitszeiten ihre Arbeit machen zu können und nicht ständig noch zusätzliche Leistungen zu erbringen", sagte er "Frontal 21".

Sonderdienste machen krank

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beklagte, der Druck durch die Sonderdienste sei hoch. Die Zahlen bedeuteten außerdem "einen zunehmenden Krankenstand, Ausfälle und Fahrdienstunfähigkeit", sagte GDL-Chef Claus Weselsky dem TV-Magazin.

Die Bahn-Sprecherin erklärte, beim Bemühen um den Abbau von über mehrere Jahre aufgelaufener Mehrarbeit seien bereits erste Erfolge sichtbar. Es handele sich allerdings um einen "Prozess, der seine Zeit braucht". Ende Februar seien noch sieben Millionen Überstunden verzeichnet gewesen.

Bahn verweist auf Neueinstellungen

Die Bahn nehme ihre Verabredungen mit den Arbeitnehmervertretern sehr ernst, versicherte die Sprecherin. Dazu gehörten Neueinstellungen. Seit 2009 habe die Deutsche Bahn rund 40.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Auch in den nächsten Jahren würden jeweils 7000 bis 8000 neue Angestellte in den Konzern kommen.

Dem Bericht von "Frontal 21" zufolge werden im Geschäftsbericht der Bahn für 2013, der am Donnerstag präsentiert wird, die finanziellen Belastungen aus Überstunden und offenen Urlaubsansprüchen auf insgesamt 614 Millionen Euro beziffert. Das bedeute eine Zunahme von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert.

Fahrgäste leiden unter Personalmangel

Den Personalmangel hatten im vergangenen Sommer auch die Fahrgäste zu spüren bekommen. Am Mainzer Hauptbahnhof hatte es wegen fehlender Fahrdienstleiter über Wochen Zugausfälle und Umleitungen gegeben. Bahnchef Grube sprach von einer "großen Blamage" für die Bahn und vereinbarte eine Überprüfung der Personalplanung.

Grube hat indes nach den Debatten um seine Gehaltserhöhung angekündigt, auf den ab diesem Jahr vorgesehenen Aufschlag zu verzichten. Die öffentlichen Diskussionen lenkten nur von den eigentlichen Herausforderungen bei der Bahn ab, teilte er mit.

Vor wenigen Tagen hieß es noch, Grube müsse bei seiner Gehaltserhöhung Abstriche machen. Die "Wirtschaftswoche" berichtete, der Bahn-Aufsichtsrat wolle als Reaktion auf den Gewinneinbruch 2013 die Vergütung der Vorstände neu regeln. Grubes Plus hätte dann wohl immer noch zehn Prozent betragen.

Grubes Boni waren höher als Fixum

Grube hatte bei seiner Vertragsverlängerung 2012 ausgehandelt, dass sein Festgehalt von 900.000 Euro im Jahr 2014 um 20 Prozent steigt. Zuletzt waren seine Boni höher als das Fixum.

2012 verdiente er insgesamt 2,7 Millionen Euro. Der Vorstandschef betonte, er habe seine Entscheidung mit Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht abgestimmt. Das Kontrollgremium tagt an diesem Mittwoch.

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