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Zalando erlebt heftigen Shitstorm nach RTL-Reportage

Nach Undercover-Reportage  

Zalando muss Shitstorm im Netz bekämpfen

17.04.2014, 06:50 Uhr | jbü, t-online.de

Zalando erlebt heftigen Shitstorm nach RTL-Reportage. Der Online-Modehändler Zalando steht derzeit unter Dauerfeuer der Netzgemeinde (Quelle: dpa)

Der Online-Modehändler Zalando steht derzeit unter Dauerfeuer der Netzgemeinde (Quelle: dpa)

Die verdeckte RTL-Reportage über Missstände in einem Zalando-Logistiklager hat ein Nachspiel. Zum einen juristisch wegen gegenseitiger Klagen, zum anderen wegen einer Empörungswelle im Internet.

Drei Monate hatte sich Caro Lobig der Maloche im Lager Erfurt unterworfen – und wurde ihrer Reportage zufolge bespitzelt, ausgepresst und angeschnauzt. Ihr Videomaterial zeigt zum Beispiel Szenen, in denen Vorgesetzte erklären, der Arbeitsvertrag gestatte es nicht, sich zwischendurch kurz hinzusetzen.

Insgesamt herrsche ein Klima des ständigen Arbeitsdrucks und Generalverdachts, so der Tenor der Reportage. Durch die Erfassung aller Arbeitsvorgänge per Computer sei zudem eine ständige Überwachung möglich. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe und bezog in einer ausführlichen Antwort Stellung zu einzelnen Kritikpunkten der Sendung.

80 Prozent der T-Online-User wollen ihr Kaufverhalten ändern

Dass erschreckende Arbeitsbedingungen an die Öffentlichkeit gehören, bestätigt eine Umfrage auf T-Online.de. Denn über 80 Prozent der Teilnehmer geben an, nach Reportagen wie der über Zalando solche Unternehmen nicht mehr zu unterstützen. Nur gut 16 Prozent sagen in der nicht repräsentativen Umfrage, dass Preis, Auswahl und Service den Ausschlag für die Kaufentscheidung geben.

Der T-Online-User "lingus" zieht dieses knappe Fazit: "Wir Kunden sind das eigentliche Problem. Unser Kaufverhalten ist nicht mehr normal."

Der Kommentator "Sozialdenkender" erklärt den Widerspruch zwischen Denken und Handeln so: "Ich würde ja gern für ein T-Shirt, das mit 5 Euro angeboten wird, auch 50 Euro zahlen. Das Problem ist, ich hab die 50 Euro nicht, also kann ich mich nur so weit strecken wie die Decke reicht."

Ihm antwortet "besser-informiert": "Wenn Leute bereit wären, zu erkennen, dass Firmen wie Zalando dazu beitragen I H R E Situation zu verschlimmern (weil die angestellten Geringverdiener eben in die gleiche Situation wie Sie geraten) dann wäre schon geholfen."

"Wir Kunden sind das eigentliche Problem. Unser Kaufverhalten ist nicht mehr normal."

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Der Appell von "Meckermann" lautet: "Solchen menschenverachtenden Firmen sollte man nicht das Geld in den Rachen schmeissen. Gilt auch für Amazon." Eine Welle der Empörung, ein sogenannter "Shitstorm", schlug Zalando schon kurz nach Ausstrahlung der Sendung entgegen.

Zalando wiederum hielt über die sozialen Netzwerke Kontakt zu den Kritikern. Bereits vor dem Sendetermin am Montag veröffentlichte das Unternehmen diesen Facebook-Beitrag: "Puh, die Emotionen kochen ziemlich hoch, aber da müssen wir wohl durch." Von "hochgekochten Emotionen" zu sprechen, empfanden andere Nutzer allerdings als Verharmlosung. Das Interesse an dem Thema zeigte sich auch an einer regen Twitter-Diskussion, wobei manche auch unter dem Schlagwort #Sklavando Beiträge absetzten.

Einige Nutzer nehmen Zalando in Schutz

Bei Twitter antwortete Zalando auf einige Beiträge, bei Facebook offenbar nicht. Angesichts hunderter Äußerungen wäre das wohl auch kaum möglich. Selbst die noch harmloseren Beiträge haben einen Tonfall wie diesen: "Das ist eine ganz große SCHWEINEREI, wie ihr mit euren Mitarbeitern umgeht - einfach nur asozial!!!"

Andererseits meldeten sich im weltgrößten sozialen Netzwerk Nutzer zu Wort, die die Firma in Schutz nahmen: "Das Zalando uns während der Arbeitszeit kostenlose Rückenschule angeboten hat/ anbietet, 1€ jeden Mitarbeiter für das Essen in der Kantine dazu gibt, das jeden Dienstag kostenlos Obst bereit gestellt wird, wir Karten für die Heimspiele von RWE bekommen - all' solche Sachen werden nicht erwähnt, echt traurig...“

Und im Vergleich zu anderen Logistik-Unternehmen seien die Zustände bei Zalando noch okay, sagt eine Facebook-Nutzerin. Die Zalando-Vorgabe, 80 Artikel pro Stunde aus den Regalen zu holen sei machbar, bei einem anderen Dienstleister habe es geheißen: "90 Artikel die Stunde sind die Norm, wer nicht mindestens 115 schafft, kann sich gleich bei mir die Papiere abholen."

Zalando sieht Geheimnisse verraten

Wie die Staatsanwaltschaft Erfurt im Gespräch mit T-Online.de bestätigte, hat Zalando als Folge des Berichts Klage "gegen eine weibliche Person" eingereicht. Der Vorwurf laute auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. Die Anzeige trägt das Datum 1. April, eingegangen ist sie am 8. April. Zalando hat demnach schnell reagiert, nachdem Lobig Ende März gekündigt worden war. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die RTL-Reporterin aufgenommen.

Die Journalistin, deren Arbeit vom Enthüllungspapst Günter Wallraff unterstützt wird, habe ihrerseits eine Kündigungsschutzklage gegen Zalando eingereicht, berichtete "Handelsblatt Online". Ziel sei jedoch nicht Entschädigung oder Wiedereinstellung. Vielmehr gehe es darum, dass das Aufdecken von Missständen nicht mit dem Rauswurf bestraft werden dürfe.

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