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Bernie Ecclestone beteuert bei Prozess-Auftakt seine Unschuld

Ecclestone-Prozess  

"Die behauptete Bestechung gab es nicht"

24.04.2014, 18:21 Uhr | AFP, sid, dpa

Bernie Ecclestone beteuert bei Prozess-Auftakt seine Unschuld. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone muss sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten (Quelle: dpa)

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone muss sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten (Quelle: dpa)

Zum Auftakt des Korruptionsprozesses gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat der Angeklagte seine Unschuld beteuert. "Die behauptete Bestechung gab es nicht", ließ der Brite von seinem Verteidiger Sven Thomas vor dem Landgericht München erklären. Die Anklage beruhe auf Aussagen des früheren BayernLB-Vorstands Gerhard Gribkowsky, der nach eigenen Angaben von Ecclestone bestochen und deshalb bereits verurteilt wurde.

"Herr Dr. Gribkowsky hat in entscheidenden Punkten die Unwahrheit gesagt", las Thomas aus einer schriftlichen Erklärung des Formel-1-Bosses vor. Der 83-Jährige, der kein Deutsch spricht, verfolgte die mehrstündige Verlesung schweigend - vor sich eine englische Textübersetzung und neben sich eine Dolmetscherin und seine beiden Anwälte.

Vorwurf der Bestechung

Hintergrund der Anklage ist der Ausstieg der Bayerischen Landesbank aus der Rennserie vor acht Jahren. Ecclestone soll den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky geschmiert haben, damit dieser den Formel-1-Anteil einem von Ecclestone gewünschten Investor zuschanzte. Ecclestone drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis und eine Absetzung als Formel-1-Chef. Die Königsklasse des Motorsports ist sein Lebenswerk. Verteidiger Thomas schilderte, wie der aus armen Verhältnissen stammende Manager die Rennserie zu einem weltweiten Geschäft ausbaute und es damit zu einem Vermögen brachte.

Humorvoll auf der Anklagebank

Ecclestone, der einen dunklen Anzug mit Weste, weißes Hemd und dunkle Krawatte trug, zeigte sich zu Verhandlungsbeginn guter Dinge. "Ich bin zuversichtlich. Die Sonne scheint", sagte er, bevor er den Gerichtssaal betrat. Im fahlen Scheinwerferlicht des fensterlosen Saals sorgte Ecclestone für Heiterkeit, als Richter Peter Noll pflichtgemäß die Familienverhältnisse feststellte.

Auf die Frage, ob er verheiratet oder geschieden sei, antwortete Ecclestone gut gelaunt: "Beides. Ich erinnere mich gern an den Scheidungsteil." Der Brite ist in dritter Ehe mit der Rechtsanwältin Fabiana Flosi verheiratet. Noll begrüßte Ecclestone freundlich und erinnerte daran, dass sich die beiden bereits vor Jahren im Prozess gegen Gribkowsky kennengelernt hatten. Ecclestone hatte damals als Zeuge ausgesagt.

Fortsetzung am 2. Mai

Der Korruptionsprozess soll am 2. Mai mit der Befragung erster Zeugen fortgesetzt werden. Ecclestone will sich erst wieder nach dem geplanten Auftritt Gribkowskys äußern. Der frühere Banker, der eine achteinhalbjährige Haftstrafe verbüßt, wird an weiteren Terminen im Mai als Zeuge erwartet.

Nach Ansicht der Strafverfolger hat sich Ecclestone der Bestechung und der Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall schuldig gemacht. "Dr. Gribkowsky erhielt durch und auf Veranlassung des Angeklagten zwischen Juni 2006 und Dezember 2007 Zahlungen in Höhe von insgesamt knapp 44 Millionen US-Dollar, die als Entgelt für Beratungsleistungen getarnt waren", sagte Staatsanwalt Christian Weiß. Einen Großteil des Schmiergeldes - 41 Millionen Dollar - habe Ecclestone als Provisionszahlung von der BayernLB zurückbekommen.

Unter Druck gesetzt und erpresst

Ecclestone hält dagegen, dass er von Gribkowsky erpresst worden sei. Bereits in den Jahren, als Gribkowsky die BayernLB als Mehrheitseigner vertrat, habe er ihn als Formel-1-Chef unter Druck gesetzt. Anlass sei die Familienstiftung Bambino gewesen, in die er seine Anteile in den 90er-Jahren eingebracht habe. Gribkowsky und andere Bankmitarbeiter hätten immer wieder Andeutungen gemacht, dass er damit Steuern hinterzogen haben könnte und man ihn dafür bei den britischen Behörden anschwärzen könne. Von "kompromittierenden Dokumenten" sei die Rede gewesen, in der ein "Steuergeheimnis begraben" sei.

Bedrohlich sei die Lage für ihn nach dem Verkauf geworden, ließ Ecclestone von seinen Verteidigern erklären. Nachdem die BayernLB ihm für seine Verdienste bei der Einfädelung des Verkaufs an den Finanzinvestor CVC eine Provision gezahlt habe, habe Gribkowsky Ecclestone aufgefordert, nun miteinander ins Geschäft zu kommen. "Mir war klar, dass er in jedem Fall Geld haben wollte."

"Unkalkulierbare Bedrohung"

Gribkowsky habe kaum verhohlen gedroht, ihm und der Bambino-Stiftung das Finanzamt auf den Hals zu hetzen, das beide trotz haltloser Vermutungen zunächst einmal in ernsthafte Schwierigkeiten hätte bringen können. "Dies war für mich eine völlig unkalkulierbare Bedrohung." Die Höhe einer Nachzahlung hätte seine Möglichkeiten überschritten. "Ich sah mein Lebenswerk in Gefahr." Deshalb habe er sich schließlich entschlossen, Gribkowsky Schweigegeld zu zahlen. Tatsächlich floss das Geld nach übereinstimmenden Angaben erst nach dem Ausstieg der BayernLB aus der Formel 1.

Gribkowsky attackiert

Während Ecclestone und seine Verteidiger den abwesenden Gribkowsky attackierten, bemühten sie sich erkennbar um eine entspannte Atmosphäre im Gerichtssaal. Auf Befangenheitsanträge gegen die Richter, wie sie zu Prozessbeginn oft gestellt werden, verzichteten sie. Der Vorsitzende Richter Noll hatte 2012 bereits Gribkowsky verurteilt, unter anderem weil er sich von dessen Version der Abläufe überzeugt zeigte. Als Verteidiger Thomas Richtern und Staatsanwaltschaft höflich ankündigte, er und sein Partneranwalt Norbert Scharf wollten sich beim Verlesen der rund 100-seitigen Erklärung abwechseln, bemerkte Noll: "Ich sehe schon, das ist ein ausgesprochen pfleglicher Umgang miteinander."

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