Sie sind hier: Home > Finanzen > Karriere >

Zeuge der Anklage Gribkowsky entlastet Bernie Ecclestone überraschend

Doch keine Bestechung?  

Überraschende Wende im Ecclestone-Prozess

09.05.2014, 17:15 Uhr | rtr, dpa-AFX

Zeuge der Anklage Gribkowsky entlastet Bernie Ecclestone überraschend. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone vor Gericht: Kronzeuge der Anklage kann nichts Konkretes sagen (Quelle: AP/dpa)

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone vor Gericht (Quelle: AP/dpa)

Ausgerechnet der Kronzeuge der Anklage im Korruptionsprozess gegen Bernie Ecclestone weckt Zweifel am Bestechungsvorwurf gegen den Angeklagten. Gerhard Gribkowsky konnte konkrete Fragen nicht beantworten.

Die Staatsanwaltschaft klagt Ecclestone an, er habe den Ex-Bayern-LB-Manager Gerhard Gribkowsky vor Jahren mit 44 Millionen Dollar geschmiert, damit dieser den Formel-1-Anteil der Bank einem von Ecclestone gewünschten Käufer zuschanzte.

Wie kam es zu der mutmaßlichen Bestechung?

Der Vorsitzende Richter Peter Noll hielt dem Zeugen und früheren Banker am Freitag in der stundenlangen Vernehmung vor, er könne nicht konkret berichten, wie es zu der mutmaßlichen Bestechung gekommen sei. "Wenn Sie die Anbahnung nicht genauer benennen können, ist das für mich schwer nachzuvollziehen", sagte Noll zu Gribkowsky.

Wofür genau Geld erhalten?

Als der Richter immer wieder nachhakte, der Zeuge solle seine Gespräche und angeblichen Schmiergeld-Forderungen an Ecclestone detailliert schildern, antwortete dieser, es habe "nicht viel Substanzielles" gegeben. Auch die Frage, wofür genau er das Geld von Ecclestone erhalten habe, konnte Gribkowsky nicht beantworten: "Ich habe mir diese Frage nie gestellt. Darüber ärgere ich mich bis heute."

Die Verteidigung sah sich in ihrer Argumentation bestätigt: Ecclestone habe sich von Gribkowsky erpresst gefühlt und deshalb Schweigegeld gezahlt - und kein Bestechungsgeld.

Druck auf Ecclestone ausgeübt

Ecclestone hatte schon als Zeuge im Gribkowsky-Prozess gesagt, er habe sich von dem Banker wegen Steuerproblemen unter Druck gesetzt und erpresst gefühlt. Sein Verteidiger Sven Thomas sagte nach Gribkowskys Aussage, "dass Druck ausgeübt wurde, der über das normale Maß hinausgeht, das ist heute bestätigt worden". Das Wort Bestechung sei kein einziges Mal gefallen. Die Aussage habe nichts ergeben, was auf eine Unrechtsvereinbarung schließen lasse und die Anklage bestätige. Die Staatsanwälte äußerten sich nicht.

Gribkowsky für achteinhalb Jahre in Haft

Der Banker war 2012 wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Für seine Vernehmung wurden vier Prozesstage angesetzt.

Gribkowsky schilderte heute ausführlich den Machtkampf mit Ecclestone bis Anfang 2005. Die Bank - nach der Kirch-Pleite größter Aktionär bei dem Rennzirkus - zog gegen eine Goldene Aktie des Formel-1-Vorstandschefs Ecclestone vor Gericht und verhandelte mit Autoherstellern über eine Alternative und Entmachtung des Briten. Damals habe er auch ein belastendes Papier auf Ecclestones Schreibtisch gelegt, um ihn unter Druck zu setzen. Den Inhalt habe er selbst nicht gekannt, behauptete Gribkowsky zur Verwunderung des Gerichts.

Ecclestone blieb Chef am Ring

Gribkowsky hatte 2006 dafür gesorgt, dass die Landesbank ihre Anteile an den von Ecclestone vorgeschlagenen Investor CVC verkaufte. Die Bank habe 850 Millionen Dollar und damit doppelt soviel bekommen wie gedacht; Ecclestone habe Chef am Ring bleiben können und zudem eine satte Provision eingestrichen. Er selbst habe aber keinen Bonus bekommen. Ecclestone habe ihn aufgefordert, eine Zahl zu nennen, und er habe 50 gesagt.

Im November 2011 waren beide Männer schon einmal im Saal A 101 aufeinandergetroffen - damals aber noch unter anderen Vorzeichen. Gribkowsky saß auf der Anklagebank und Ecclestone war Zeuge. Der Vorsitzende Richter ist heute wie damals Peter Noll.

Knackpunkt Landesbank-Vorstand

Die Verteidigung bezweifelt, dass der Landesbanker Gribkowsky beim Verkauf der Anteile Amtsträger war. Ecclestone könne Gribkowsky deshalb gar nicht als Amtsträger bestochen haben - genau darauf zielt aber die Anklage. Die führte dagegen zwei Urteile des Bundesgerichtshofs ins Feld, wonach Vorstände von Landesbanken immer öffentliche Aufgaben wahrnehmen.

Für den Formel-1-Chef war nach dem Gerichtstermin noch die Reise zum Großen Preis von Spanien geplant. Sein Truck an der Strecke bei Barcelona steht frisch gewaschen und poliert schon bereit.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenhappy-size.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal