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Klartext oder Kauderwelsch: So (un)verständlich sprechen DAX-Chefs zu ihren Aktionären

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Klartext oder Kauderwelsch  

So (un)verständlich sprechen DAX-Chefs zu ihren Aktionären

30.05.2014, 14:45 Uhr | dpa, t-online.de

Klartext oder Kauderwelsch: So (un)verständlich sprechen DAX-Chefs zu ihren Aktionären. BMW-Boss Norbert Reithofer (li.) und K+S-Chef Norbert Steiner: Steiner hält den diesjährigen Rekord für einen Marathon-Satz in einer Rede vor Aktionären, Reithofer sprach am verständlichsten (Quelle: dpa)

BMW-Boss Norbert Reithofer (li.) und K+S-Chef Norbert Steiner: Steiner hält den diesjährigen Rekord für einen Marathon-Satz in einer Rede vor Aktionären, Reithofer sprach am verständlichsten (Quelle: dpa)

Wenn die Vorstandschefs der 30 DAX-Unternehmen zu ihren Aktionären sprechen, müssen sie praktisch jedes Wort vorher auf die Goldwaage gelegt haben. Das merkt man den Reden auf den jährlichen Hauptversammlungen leider oft an. Doch einigen Chefs gelingt es, auch Kompliziertes verständlich rüberzubringen, während sich andere in endlosen Schachtelsätzen verlieren. Ein Stuttgarter Kommunikationswissenschaftler hat die jüngsten Reden auf ihre Verständlichkeit hin geprüft. Das Ergebnis: Der eine Norbert kann's, der andere scheitert.

Der ganz dicke Klopfer im Manuskript hält sich auf der vorletzten von insgesamt 28 Seiten versteckt. Dort lauert der Marathon-Satz im zweiten Absatz und nötigt seinem Redner bis zum Punkt 51 Wörter ab. Das ist Rekord. Und der geht an Norbert Steiner, Chef des Kasseler Dünger- und Salzproduzenten K+S. Der Satz, in dem nur ein Komma zum Luftholen einlädt, war Teil der Steiner-Rede vor den K+S-Aktionären bei der Hauptversammlung Mitte Mai. Und was für den Bandwurmsatz gilt - nämlich vollendete Unverständlichkeit - gilt auch für weite Teile der gesamten Rede Steiners. Mit ihr belegt der Manager den viertletzten Rang in der Analyse.

Ein leuchtendes Beispiel dafür, dass statt Kauderwelsch auch Klartext gelingen kann, gibt BMW-Boss Norbert Reithofer. Er führt die Studie an, in der die Kommunikationswissenschaftler um Frank Brettschneider von der Uni Stuttgart-Hohenheim Deutschlands Manager-Elite einmal fern von Bilanzkennzahlen bewertet haben. "Der BMW-Vorstandschef hat kaum Fachbegriffe verwendet. Dafür versteht er es, an den richtigen Stellen lebensnahe Beispiele zu bringen", lobte Brettschneider.

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Lob für den BMW-Chef

Reithofer holt 18,4 von 20 möglichen Punkten. Steiner kommt nur auf magere 8,1. Noch schlechter bestellt ist es nur noch um die Verständlichkeit der Reden von Stefan Heidenreich (Beiersdorf; 8,0) Allianz-Chef Michael Diekmann (7,7) und Schlusslicht Wolfgang Reitzle (Linde; 6,7).

"Gelegentlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als wäre die Rede auf der Hauptversammlung ein lästiger oder unangenehmer Pflichttermin", sagt Wissenschaftler Brettschneider, der die Analyse regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem "Handelsblatt" erstellt. Seine Studie beurteilt dabei zwar nur die formale Verständlichkeit und schaut dazu beispielsweise auf die Länge von Sätzen, deren Aufbau, die Portionierung von Informationen oder auf den Fremdwörteranteil.

Verständliches schafft Vertrauen

Doch auch wenn noch weitere Kriterien die Güte einer Rede ausmachen, darunter etwa der Vortragsstil, bleiben die formal verständlichsten Botschaften beim Zuhörer besser in Erinnerung. Außerdem betont die Untersuchung: "Verständliche Botschaften genießen mehr Vertrauen als unverständliche Botschaften." Und Aktionäre sollen ja vertrauen.

Die Reden zur Hauptversammlung gelten als einer der wichtigsten Termine im Kalender der Vorstandsvorsitzenden. Idealerweise sollten sie darin den Anteilseignern Rechenschaft ablegen über ihre Arbeit im abgelaufenen Jahr, neue strategische Weichenstellungen begründen und Ziele erklären. Vergleichbar sind diese Reden zum Beispiel mit den Regierungserklärungen von Kanzlern oder Ministern.

Hinter Spitzenreiter Reithofer rangiert Ulf Schneider (Fresenius). Frank Appel (Deutsche Post) und RWE-Chef Peter Terium teilen sich Rang drei. In aller Regel haben die Manager Abteilungen fürs Redenschreiben, diese bekommen es dabei aber oft mit den Vorstellungen von Fachabteilungen und Hausjuristen zu tun. Doch Brettschneider betont, dass auch juristisch wasserdichte und fachlich korrekte Texte verständlich sein können.

Steiners Satz-Ungetüm

Und hier noch der Bandwurmsatz von Norbert Steiner, der laut Brettschneider mit seinen 51 Wörtern sieben Mal so viele enthält, wie ein durchschnittlicher Zuhörer auf einmal verdauen kann: "In den neun zwischen der K+S Aktiengesellschaft und ihren jeweils 100-prozentigen Tochtergesellschaften geschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen soll klargestellt werden, dass der in den Verträgen bereits bislang enthaltene Verweis auf die gesetzliche Regelung zur Verlustübernahme gemäß Paragraph 302 Aktiengesetz sich stets auf die jeweils gültige Fassung dieser Vorschrift in ihrer Gesamtheit bezieht."

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