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Zu dick für den Job? Abgelehnte Bewerberin scheitert mit Klage

Zu dick für den Job  

Abgelehnte Bewerberin scheitert mit Klage

12.06.2014, 16:30 Uhr | dpa

Zu dick für den Job? Abgelehnte Bewerberin scheitert mit Klage. Angeblich zu dicke Bewerberin scheitert mit Klage vor Gericht (Quelle: dpa)

Angeblich zu dicke Bewerberin scheitert mit Klage vor Gericht (Quelle: dpa)

Abgelehnt, weil sie zu dick ist: Eine Stellenbewerberin bekam nach dem Vorstellungsgespräch angeblich mitgeteilt, sie sei zu füllig für den Job. Das empfand die 42-jährige als Diskriminierung und klagte auf Schmerzensgeld. Vor dem Arbeitsgericht in Darmstadt bekam sie nun eine weitere Absage.

Die 42-Jährige verlangte nach Angaben ihres Anwalts eine Entschädigung von 30.000 Euro, weil die Absage gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoße.

Arbeitsgericht: Kein Verstoß erkennbar

Das Arbeitsgericht sah in seinem Urteil keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. "Die Ablehnung war kein entschädigungspflichtiger Eingriff", sagte die Richterin. Für das Gericht war zudem nicht bewiesen, dass die Klägerin in erster Linie wegen ihres vermeintlichen Übergewichtes erfolglos auf Jobsuche war. Eine gütliche Einigung hatte die 42 Jahre alte Klägerin abgelehnt. "Es geht hier klar um Abschreckung, um den Schutz der Menschenrechte", sagte ihr Anwalt. Er kündigte an, vor das Landesarbeitsgericht in Frankfurt zu ziehen. "Wenn wir in diesem Fall nicht gewinnen, wird kein einziges Verfahren mehr durchkommen", meinte er.

Abgelehnte Bewerberin: "Ich habe richtig geheult"

Um sich vor der Öffentlichkeit zu schützen, trug sie im Gericht meist eine dunkle Perücke mit langen Haaren und eine Sonnenbrille. Nach eigener Aussage wiegt die Frau 83 Kilo bei einer Größe von 1,70 Metern und Kleidergröße 42. "Ich habe richtig geheult", sagte sie über die Ablehnung, die sie auf ihr Gewicht zurückführt. "Als ob mir jemand mit der Axt in den Nacken schlägt."

Die Frau hatte sich 2012 bei einer Organisation aus dem Gesundheitsbereich um einen Führungsposten beworben. Laut Gericht gab es auch ein Vorstellungsgespräch. Nach Angaben des Anwaltes wurde die Frau abgelehnt, weil sie zu dick sei. Die Kammer deutete an, der Betrag der Klägerin sei zu hoch angesetzt. Der beklagte potenzielle Arbeitgeber sei ein gemeinnütziger Verein und kein börsennotiertes Unternehmen. Dieser äußerte sich zufrieden. "Wir fühlen uns bestätigt", sagte ein Vorstand.

"Dagegen etwas zu machen, ist sehr schwer"

Verkäufer, Messehostess oder Kundenberater - in solchen Jobs spielt auch das Aussehen eine große Rolle. Doch darf ein Personaler Bewerber wegen ein paar Pfunden zu viel ablehnen? Bewerber, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, können schnell eine Absage bekommen. "Dagegen etwas zu machen, ist in der Regel sehr schwer", erklärt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg und Mitglied im Vorstand des Deutschen Anwaltvereins. Lehnt ein Arbeitgeber einen Bewerber mit der Begründung ab, er sei zu dick, zu dünn oder zu hässlich, sei das zwar moralisch fragwürdig - rechtlich jedoch häufig zulässig. Denn so etwas gilt nicht in jedem Fall als Diskriminierung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).

Diskriminierung wegen Behinderung verboten

Generell haben Kläger in solchen Fällen Chancen, wenn das Aussehen Ausdruck einer Behinderung ist. Das muss keine Schwerbehinderung sein - eine missgestaltete Nase etwa fällt auch hierunter. In dem Fall können Jobsuchende sich auf das AGG berufen. Nach Paragraf eins sind Diskriminierungen wegen einer Behinderung verboten.

In diesen Fällen müsse der abgelehnte Bewerber vor Gericht ein Indiz dafür vorlegen, dass der Grund für die Absage tatsächlich die Behinderung war. Ein solches Indiz wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Personaler im Vorstellungsgespräch gesagt hat: "Mit Ihrem missgestalteten Gesicht ist für Sie bei uns leider kein Platz." Bewerber müssten im Zweifel aber einen Zeugen für so eine Aussage vorweisen können. Ein Indiz könne auch sein, wenn in der Stellenausschreibung nach gut aussehenden Mitarbeitern gesucht wurde.

Klage muss schnell eingereicht werden

Wollen Bewerber vor Gericht ziehen, sollten sie jedoch rasch aktiv werden. Die Klage vor dem Arbeitsgericht müsse in der Regel spätestens zwei Monate nach der Absage eingereicht werden, erläutert Eckert.

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