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Thomas Middelhoff zu seiner Flucht: "Ich bin wie die Katze übers Dach"

Middelhoff zu seiner Flucht  

"Ich bin wie die Katze übers Dach"

27.07.2014, 14:43 Uhr | t-online.de, dpa

Thomas Middelhoff zu seiner Flucht: "Ich bin wie die Katze übers Dach". Thomas Middelhoff: spektakuläre Flucht aus dem Essener Gerichtsgebäude (Quelle: dpa)

Thomas Middelhoff: spektakuläre Flucht aus dem Essener Gerichtsgebäude (Quelle: dpa)

Um vor Fotografen zu flüchten, hat der frühere Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, Kopf und Kragen riskiert. Nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher Ende der Woche ist er aus einem Fenster des Gebäudes geklettert und über ein Garagendach geflüchtet. Jetzt hat sich der 61-jährige Manager selbst zu der spektakulären Aktion geäußert: "Ich bin wie die Katze übers Dach", sagte er nicht ganz ohne Stolz.

"Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße", so Middelhoff weiter. Bei dem Gerichtsvollzieher in Essen musste er seine Vermögensverhältnisse offenlegen, weil ein früherer Geschäftspartner Millionen von ihm fordert, wie der Manager selbst bestätigt. Zuvor hatten "Der Spiegel", "Focus" und "Bild am Sonntag" darüber berichtet.

"Wollten mich abschießen wie Freiwild"

Schon im Normalfall ist so etwas nicht angenehm. Noch unangenehmer wurde der Termin für Middelhoff, weil vor der Tür Journalisten auf ihn warteten. "Vor dem Gerichtsgebäude lauerten Journalisten, die mich mit ihren Fotoapparaten abschießen wollten wie Freiwild", erzählte er. Das habe er sich und seiner Familie nicht antun wollen.

Als er davon erfahren habe, habe er erst einmal nach einem Hinterausgang gefragt. Doch es habe keinen gegeben. Da sei er auf die Idee gekommen, unbemerkt über das Garagendach und den Hinterhof zu verschwinden. Ein Mitarbeiter des Gerichts habe sogar noch nach einer Leiter gesucht, um ihm den Abstieg auf das Garagendach zu erleichtern, doch sie sei zu kurz gewesen.

"Nicht vor Fragen der Journalisten geflüchtet"

Da sei er einfach aus dem Fenster gesprungen. Nachdem er dann wieder festen Boden unter den Füßen hatte, sei er "fröhlich pfeifend" zu einer Nebenstraße gegangen. Dort habe er sich ein Taxi herbei gewunken und sei dann später nach London geflogen. "Ich bin nicht vor den Fragen der Journalisten geflüchtet", beteuert Middelhoff.

Der Manager gibt auch Auskunft über seine nicht ganz einfache Finanzlage. Nach Angaben des Managers verlangt allein der Unternehmensberater Roland Berger 7,5 Millionen Euro von ihm, davon seien rund 2 Millionen Euro bereits durch Sicherheiten gedeckt. Sein früherer Vermögensverwalter Josef Esch fordere 2,5 Millionen Euro, der Arcandor-Insolvenzverwalter 3,4 Millionen Euro, und die Bank Sal. Oppenheim rund 70 Millionen Euro. Er selbst fordere umgekehrt über 200 Millionen Euro, so der Manager.

Zur Zahlung angeblich bereit

Auf die Frage "Sind Sie pleite?" erwidert Middelhoff: "Ganz klare Antwort. Nein." Sein Problem sei, dass er an seine Liquidität nicht herankomme, die von der Bank Sal. Oppenheim blockiert werde. Dazu erwarte er jedoch noch in diesem Jahr ein erstinstanzliches Urteil.

Er müsse deshalb Wege finden, wie er bestehende Forderungen bedienen könne. "Dazu bin ich gerne bereit. Und an der Umsetzung arbeiten wir mit Hochdruck." Middelhoff betont, er habe noch ausreichend andere Vermögenswerte.

Gerichtsvollzieher in Marsch gesetzt

In den vergangenen Monaten hatten wiederholt Gerichtsvollzieher den Untreue-Prozess gegen den Manager vor dem Essener Landgericht genutzt, um Middelhoff abzufangen und ihm Forderungen zu präsentieren.

Schon an diesem Montag könnte es erneut dazu kommen. Dem Vernehmen nach hat inzwischen auch sein früherer Vermögensverwalter Esch den Gerichtsvollzieher in Marsch gesetzt.

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