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USA schaffen mehr Teilzeitjobs - zu Lasten von Vollzeitjobs

Abstieg einer Weltmacht  

Obamas hohles Jobwunder

01.08.2014, 09:46 Uhr | dpa, t-online.de

USA schaffen mehr Teilzeitjobs - zu Lasten von Vollzeitjobs. Vollzeitjobs werden in den USA immer seltener, stattdessen gibt es einen Boom bei Teilzeitstellen (Quelle: Reuters)

Vollzeitjobs werden in den USA immer seltener, stattdessen gibt es einen Boom bei Teilzeitstellen (Quelle: Reuters)

Nach einer Reihe guter Wirtschaftsnachrichten klopft sich US-Präsident Barack Obama derzeit gern selbst auf die Schulter. "Wir haben uns wieder zurückgekämpft", erklärt der Mann, der 2009 in der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg sein Amt antrat, dieser Tage mit einem selbstbewussten Lächeln: "Unsere Energie-, Technologie- und Autoindustrie boomen." Amerika habe sich unter seiner Politik schneller von der Krise erholt als die meisten anderen reichen Länder, so Obama. "Das ist kein Zufall."

Die Zahlen vom Jobmarkt an diesem Freitag dürften seine gute Laune noch verbessern: Experten erwarten erneut einen deutlichen Zuwachs. Bereits seit Februar nahm das Stellenangebot monatlich stetig um mehr als 200.000 zu, im Juni lag das Plus sogar bei 288.000 Jobs. Eine solche Positivserie gab es zuletzt in den 1990er Jahren. Die Arbeitslosenquote ist mit 6,1 Prozent so niedrig wie seit rund sechs Jahren nicht mehr. Sogar die US-Notenbank Fed strich die Warnung vor einer "erhöhten" Quote aus ihren Veröffentlichungen.

Das klingt alles nach einem kleinen Jobwunder, nach einem prächtigen Comeback der weltgrößten Volkswirtschaft. Doch Zahlen auf dem Papier täuschen. Tatsächlich sind zwar seit dem Ende der Rezession im Juni 2009 fast acht Millionen neue Jobs geschaffen worden. Gleichzeitig ist aber die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter um mehr als zwölf Millionen Menschen gewachsen. Und weil immer weniger Senioren genügend Ersparnisse haben, um mit 65 in Rente gehen zu können, werden die Arbeitsplätze noch knapper.

Immer weniger Vollzeitjobs

Bei vielen der neuen Jobs handelt es sich zudem nicht um Vollzeitstellen - davon gibt es immer weniger. Das Plus rührt stattdessen von Teilzeitangeboten her, oft in Restaurants oder Kaufhäusern, die weniger Geld bringen und kaum Sonderleistungen wie bezahlten Urlaub oder eine Krankenversicherung bieten. Gerade die Restaurantjobs sind mit oft nur wenig mehr als drei Dollar pro Stunde extrem schlecht bezahlt - die Angestellten sind hier auf die Spendierfreudigkeit der Gäste beim Trinkgeld angewiesen.

Weniger als die Hälfte der US-Beschäftigten hat überhaupt noch einen Vollzeitjob. Gut sieben Millionen Bürger arbeiten gänzlich unfreiwillig in Teilzeit. Vor der Rezession waren es nur etwa vier Millionen. Rechnete man sie in Arbeitslosenquote ein, läge diese bei über zwölf Prozent.

Experten wie die Fed-Chefin Janet Yellen wissen, dass von einem Jobwunder daher eigentlich keine Rede sein kann. "Dass es so viele Teilzeitbeschäftigte gibt, ist ein Zeichen, dass die Arbeitsmarktbedingungen schlechter sind, als es die Erwerbslosenquote aussagt", sagte sie kürzlich. Die Zentralbank hat daher eine neue Phrase erfunden: Es gäbe eine "Unterauslastung" auf dem Jobmarkt. Übersetzen ließe sich das so: Zu wenige Bürger haben einen Arbeitsplatz, der noch eine Familie ernähren könnte.

Republikaner kritisieren Obama

Die oppositionellen Republikaner versuchen angesichts der Situation, Obama den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er sei für die "schwächste wirtschaftliche Erholung" der Neuzeit verantwortlich, sagen sie. Tatsächlich dauerte es sechs Jahre, um die in der Rezession verloren gegangenen Stellen überhaupt wieder aufzubauen - doppelt so lange wie nach früheren Wirtschaftskrisen.

Am deutlichsten drückt sich das Problem in der sogenannten Teilnahmequote (participation rate) aus. Nur noch knapp 63 Prozent der US-Bürger über 16 stellen sich überhaupt für den Arbeitsmarkt zur Verfügung - so wenige wie seit 1978 nicht mehr. Viele Millionen haben die Jobsuche frustriert aufgegeben. Und auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen liegt deutlich über dem historischen Schnitt.

"Der Arbeitsmarkt ist weit von dem entfernt, was er vor der Finanzkrise war", resümierte jüngst das "Wall Street Journal". Vor allem gut bezahlte Jobs in der Industrie seien nicht wiedergekommen. So gilt oft: Wer eine Stelle gefunden hat, muss sich mit einem geringeren Einkommen zufriedengeben. Die Lohnsteigerungen können längst nicht mehr mit der Inflation mithalten - das mittlere Haushaltseinkommen liegt unter dem vor der Rezession.

Ein US-Amerikaner, der Vollzeit arbeitet, verdient im Durchschnitt inflationsbereinigt heute weniger als vor 40 Jahren. "Das Vertrauen in den amerikanischen Traum schwindet schnell", schlussfolgert der Publizist Mortimer Zuckerman und spricht von einem "amerikanischen Dilemma".

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