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Familienunternehmer fordern: Kündigung soll ohne Begründung möglich werden

Familienunternehmer fordern  

Kündigung soll ohne Begründung möglich werden

20.11.2014, 13:04 Uhr | t-online.de

Familienunternehmer fordern: Kündigung soll ohne Begründung möglich werden. Kündigung ohne Begründung: der große Traum des Verbandes der Familienunternehmer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kündigung ohne Begründung: der große Traum des Verbandes der Familienunternehmer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Verband der Familienunternehmer fordert dem "Handelsblatt" zufolge eine Reform des Kündigungsschutzes. Demnach sollten Arbeitgeber Verträge ihrer Beschäftigten ohne jegliche Begründung kündigen dürfen. Voraussetzung dafür solle aber sein, dass mit dem Mitarbeiter in dessen Arbeitsvertrag eine Abfindungsregelung für den Kündigungsfall vereinbart wird.

Ihre Forderung bringen die Familienunternehmer nicht zum ersten Mal vor. Jetzt starten sie dem Bericht zufolge einen neuen Anlauf, um eine Reform des Kündigungsschutzes auf die politische Agenda zu heben. Laut "Handelsblatt", dem das Positionspapier des Verbandes vorliegt, lässt sich der Vorschlag auf folgenden Nenner bringen: Arbeitgeber, die Mitarbeitern eine Abfindung zusichern, dürfen das Arbeitsverhältnis auch ohne Begründung kündigen. Der Beschäftigte verzichtet auf sein Klagerecht und die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung.

"Setzen nur die gängige Praxis um"

Dadurch erhofft sich der Verband offenbar mehr Flexibilität für die Unternehmen sowie eine Entlastung der Arbeitsgerichte: "Wir setzen nur die gängige Praxis um", wird Barbara Pommer, Leiterin der Kommission Arbeitsmarktpolitik des Verbandes, zitiert. Ihr zufolge würden heute mehr als 95  Prozent der Kündigungsschutzprozesse mit einem Vergleich enden. Dabei gehe es vor allem um die Höhe der Abfindung und nur selten um die Weiterbeschäftigung.

Der Verband argumentiert dem "Handelsblatt" zufolge damit, dass das heutige Recht teuer und beschäftigungsfeindlich sei und überdies zu "absurden Situationen" führe. So könne ein entlassener Mitarbeiter, der ein Kündigungsschutzverfahren einfach aussitze, vor Gericht in der Regel eine höhere Abfindung erwarten als jemand, der sich schon aktiv um einen neuen Arbeitsplatz bemühe. Für die Arbeitgeber seien die Folgen einer Kündigung kaum zu kalkulieren, weshalb sie sich mit der Einstellung neuer Mitarbeiter zurückhielten.

Als Höhe der Abfindung schwebt den Familienunternehmern ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr vor - wie im Fall betriebsbedingter Kündigungen. Jedoch stehe es dem Gesetzgeber frei, eine andere Größenordnung festzulegen. Allerdings hält der Verband es für nötig, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern in den ersten zwölf Monaten auch ohne Abfindung fristgerecht kündigen können.

Lebens- und Familienplanung außen vor

Aus unternehmerischer Sicht klingt der Vorschlag der Familienunternehmer zunächst nachvollziehbar. Doch solche Firmen, die bereit sind, Verantwortung für ihre Beschäftigten zu übernehmen, dürften wohl ihre Zweifel hegen, ob ein solches Gesetz vertretbar ist. Ganz zu schweigen von den Beschäftigten selbst, denen unter solchen unsicheren Bedingungen die Basis für eine einigermaßen solide Lebensplanung - von der Familie bis zum möglichen Hausbau und der Altersvorsorge - entzogen würde.

Denn selbst wenn ein Arbeitnehmer mit einem überdurchschnittlichen Gehalt von 50.000 Euro brutto nach drei Jahren ohne Grund per Abfindung gekündigt würde, bekäme er dem Ansinnen des Verbandes zufolge gerade mal 6250 Euro - und würde womöglich zunächst einmal in der Arbeitslosigkeit landen - inklusive Sperre vom Arbeitsamt für den Bezug von Arbeitslosengeld.

Doch selbst wenn die Forderung der Familienunternehmer nur als Alternative zu üblichen Arbeitsverträgen mit ordentlichem Kündigungsschutz eingeführt würde, wären Arbeitnehmer bei einer Neueinstellung dem Belieben ihres künftigen Chefs ausgeliefert. Denn falls dieser einen Vertrag mit Abfindungsregel zur Voraussetzung der Einstellung macht, gerät der Job-Anwärter in die Zwangslage, entweder zu unterschreiben oder den Job von vornherein gar nicht zu bekommen.

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