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Krankmeldung: Gelber Schein in Zukunft erst nach einer Woche?

Eine Woche ohne gelben Schein  

Mediziner wollen Regeln für Krankschreibungen lockern

10.11.2015, 15:57 Uhr | AFP

Krankmeldung: Gelber Schein in Zukunft erst nach einer Woche?. Bei kleinen Wehwechen künftig ohne Krankmeldung zu Hause bleiben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei kleinen Wehwechen künftig ohne Krankmeldung zu Hause bleiben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bislang müssen sich Arbeitnehmer im Krankheitsfalle beim Arzt schon bei relativ leichten Erkrankungen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen lassen. Doch wenn es nach Medizinern der Universität Magdeburg geht, sollen die Regeln für das Krankschreiben von Beschäftigten künftig gelockert werden. "Ziel kann es sein, dass Beschäftigte sich für bis zu einer Woche selbst krank melden können", sagte der Leiter eines Magdeburger Forscherteams, Wolfram Herrmann, der "Welt am Sonntag" (WamS). Ein CDU-Gesundheitspolitiker zeigt sich aufgeschlossen.

Nach einer Studie der Forscher sind Krankschreibungen hierzulande besonders häufig der Grund für kurzfristige Besuche beim Hausarzt. Die Wissenschaftler untersuchten drei Jahre lang, warum es zu der hohen Zahl von Arztbesuchen in Deutschland kommt. Jeder Bürger geht durchschnittlich zehn bis 18 Mal pro Jahr zum Arzt. Die meisten anderen Länder West- und Mitteleuropas verzeichnen niedrigere Werte, ohne dass die Menschen dort insgesamt einen schlechteren Gesundheitszustand aufweisen.

Positive Erfahrungen aus Norwegen

Eine Lockerung der Regeln für Krankschreibungen würde die Hausärzte entlasten. "Und es würde zugleich die Eigenverantwortung der Beschäftigten stärken", sagte Herrmann. "Dass durch eine eigenständige Krankmeldung der Beschäftigten die Zahl der Fehltage nicht nach oben schnellt, zeigen Erfahrungen aus Norwegen", fügte er hinzu. Dort gehen die Bürger etwa halb so häufig zum Arzt wie in Deutschland.

UMFRAGE
Was halten Sie von dem Vorschlag, sich bis zu eine Woche selbst krank zu melden?

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn zeigte sich aufgeschlossen für eine Reform: "In Deutschland ist die Zahl der durchschnittlichen Arztbesuche auch deswegen so hoch, weil Patienten nur für Rezepte, Verlaufskontrollen oder auch Kurzzeit-Krankschreibungen immer zum Arzt müssen", sagte Spahn der "WamS". Jeder kluge Vorschlag, das zu reduzieren, solle ergebnisoffen geprüft werden. "Allerdings sollte das die eh schon hohe Zahl an Fehltagen nicht weiter erhöhen."

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab erstem Fehltag

Die Arbeitgeber dagegen sehen keinen Handlungsbedarf. "Die gesetzlichen Regelungen zu Krankschreibungen haben sich in Deutschland insgesamt bewährt", erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Sie führen nicht zu unnötigen Arztbesuchen."

Nach gängiger Praxis dürfen Angestellte derzeit bis zu drei Kalendertage ohne ärztlichen Beistand bei Krankheit zu Hause bleiben. Spätestens am vierten Krankheitstag muss dem Arbeitgeber aber eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Fehltag vorliegen.

Allerdings kann der Arbeitgeber das Attest auch schon früher - also bereits zu Beginn der Krankheit - verlangen. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hatte dies mit einem Urteil bestätigt (5 AZR 886/11). Viele Ärzte stellen auch keine "gelben Scheine" aus, wenn der Erkrankte erst am dritten Tag in der Praxis erscheint.

Arzt: "Wir sollten uns trauen"

In Norwegen gibt es dem Magdeburger Arzt Herrmann zufolge sogar schon Projekte mit der Möglichkeit, sich bis zu 365 Tage selbst krankzumelden. "So weit brauchen wir nicht zu gehen, aber in überschaubarem Rahmen von einer Woche Eigenmeldung denke ich: Wir sollten uns in Deutschland trauen, das auch in Pilotprojekten auszuprobieren."

Nach diesem Modell hätten die Hausärzte in Zukunft mehr Zeit, sich stärker um die Behandlung von Patienten mit langwierigeren Erkrankungen zu kümmern, die bislang auch den Hauptteil der Fehltage ausmachen.

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