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Piëchs Millionen-Rätsel: Warum verdient VW-Chef Winterkorn so viel Geld

Machtkampf bei Volkswagen  

Piëchs Millionen-Rätsel

13.04.2015, 18:39 Uhr | Spiegel Online

Piëchs Millionen-Rätsel: Warum verdient VW-Chef Winterkorn so viel Geld. VW-Vorstandschef Winterkorn und der Aufsichtsratsvorsitzende Piëch: Auch Dank Piëch gehört Winterkorn zu den Spitzenverdienern in Deutschland. (Quelle: dpa)

VW-Vorstandschef Winterkorn und der Aufsichtsratsvorsitzende Piëch: Auch Dank Piëch gehört Winterkorn zu den Spitzenverdienern in Deutschland. (Quelle: dpa)

Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch entzieht Konzernchef Winterkorn das Vertrauen - obwohl dieser jüngst 13,9 Millionen Euro an Erfolgsprämien kassierte. Verantwortlich für das Vergütungssystem ist Piëch selbst.

Bis vor wenigen Tagen galt es als sicher: Martin Winterkorn würde bis Ende 2016 an der Spitze des Volkswagen-Vorstands stehen, um im Jahr darauf Ferdinand Piëch als Chef des Aufsichtsrats zu beerben. Wer sonst könnte besser für Kontinuität im Konzern stehen als Winterkorn? Seit 35 Jahren arbeitet der 67-Jährige für Volkswagen (VW), er kennt den komplexen Konzern bis in die feinsten Verästelungen.

Doch den geräuschlosen Übergang wird es nicht geben, im Gegenteil. Seit Ende vergangener Woche wird in aller Öffentlichkeit ein Machtkampf um die Zukunft des Volkswagen-Konzerns ausgetragen. Ausgang: offen. Nach "Spiegel"-Informationen will Piëch Winterkorn als Nachfolger verhindern, "Spiegel Online" sagte er unmissverständlich: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn."

Völlig aus heiterem Himmel kommt die Distanzierung Piëchs zwar nicht - bereits im März 2014 antwortete er auf die Frage, ob er den Konzern auf einem guten Weg sehe: "Nicht wirklich." Gleich mehrere Baustellen sehe der Patriarch, hieß es damals, und es sind dieselben, von denen auch jetzt die Rede ist: Das schwache US-Geschäft, die niedrige Rendite der Kernmarke VW, Lücken in der Modellpalette, vor allem im Billigsegment.

Knapp an der Obergrenze

Allerdings ergibt sich daraus eine unangenehme Zwickmühle für Piëch. Denn Winterkorn war 2014 der mit Abstand am besten bezahlte Manager eines Dax-Konzerns. Und der VW-Chef wird vor allem nach Erfolg bezahlt: Mit fast 15,9 Millionen Euro blieb er nur knapp unter der maximal möglichen Vergütung von 16,5 Millionen Euro. Lediglich 1,9 Millionen Euro betrug sein Fixgehalt mit Nebenleistungen, rund 13,9 Millionen Euro waren Erfolgsprämien, wie folgende Tabelle zeigt:

Martin Winterkorns Vergütung (in Euro)

Bestandteil201320142014
(Obergrenzen)
Festvergütung1.486.5251.617.0251.617.025
Nebenleistungen421.337300.453300.453
Einjährige variable Vergütung3.001.0003.148.0003.375.000
Sondervergütung (zweijähriger Betrachtungszeitraum)6.002.0006.296.0006.750.000
LTI (vierjähriger Betrachtungszeitraum)4.095.0004.500.0004.500.000
Gesamtvergütung15.005.86215.861.47816.542.478

Quelle: Volkswagen AG/"Spiegel Online"

Das lässt nur zwei Schlüsse zu, und beide werfen kein gutes Licht auf den Chefkontrolleur: Entweder Piëch hat als Chef des Aufsichtsrats ein Vergütungssystem zu verantworten, bei dem der Vorstandschef nahezu die höchstmöglichen Erfolgsprämien kassieren, obwohl im Konzern in entscheidenden Bereichen einiges im Argen liegt. Oder das Vergütungssystem bildet die Leistung Winterkorns adäquat ab - dann zielt die Kritik aus dem Piëch-Lager ins Leere.

Zudem gibt ein früherer Weggefährte Piëchs zu Bedenken, dass der Aufsichtsrat darüber hinaus Möglichkeiten habe, Bezüge einzugrenzen. "Da, wo es um die persönliche Beurteilung von Vorständen geht, spricht man miteinander." Soll heißen: Wenn Piëch mit der Arbeit Winterkorns nicht zufrieden gewesen wäre, hätte er Teile der Vergütung drücken können.

Der Widerspruch erscheint noch eklatanter, wenn man die Entstehungsgeschichte des VW-Vergütungssystems betrachtet: Im August 2009 verabschiedete der Bundestag unter dem Eindruck der Finanzkrise ein Gesetz zu Vorstandsbezügen. Es verpflichtet Aktiengesellschaften, Bonuszahlungen an den langfristigen, nachhaltigen Erfolg eines Konzerns zu koppeln. Zudem dürfen die Vergütungen sich nicht mehr nur an den Interessen der Aktionäre orientieren - sondern auch an denen der weiteren Stakeholder, etwa Kunden und Mitarbeitern.

Als Volkswagen 2010 sein neues vom Aufsichtsrat unter Piëch erarbeitetes Vergütungssystem vorlegte, waren Fachleute voll des Lobes: Es setze die Intention des Gesetzes um. Konkret werden die VW-Chefs laut dem Vergütungsbericht des Konzerns zwar weiter überwiegend am operativen Gewinn gemessen - allerdings nicht mehr ausschließlich an dem des abgelaufenen Jahres, sondern auch an dem des Vorjahres. Martin Winterkorn kassierte im Jahr 2014 allein für das Erreichen der Gewinnziele 9,44 Millionen Euro - von maximal möglichen 10,13 Millionen Euro.

Großteil hängt an langfristigen, weichen Faktoren

Ein großer Teil der variablen Bezüge jedoch ist von eher weichen - und noch langfristigeren - Faktoren abhängig. Der sogenannte Long Term Incentive (LTI) belohnt laut VW-Vergütungsbericht das "Erreichen der Ziele der Strategie 2018", und zwar über den Zeitraum der vergangenen vier Jahre:

  • Kundenzufriedenheit: Diese wird gemessen an der Zufriedenheit der Kunden mit den VW-Händlern und -werkstätten sowie den Autos an sich.
  • Mitarbeiterzufriedenheit: Diese wird unter anderem durch Mitarbeiterbefragungen ermittelt - dabei wird auch berücksichtigt, wie viele Mitarbeiter sich überhaupt daran beteiligt haben.
  • Absatzsteigerung: Dafür sind die absoluten Zahlen der ausgelieferten Fahrzeuge maßgeblich, aber auch der Marktanteil von Volkswagen.
  • Renditesteigerung, gemessen an der Entwicklung der Umsatzrendite und der Dividende.

Die Kriterien erscheinen nachvollziehbar, wenn es um die Bewertung langfristiger und nachhaltiger Erfolge geht: Welcher Konzern muss sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft machen, wenn sowohl Kunden als auch Mitarbeiter extrem zufrieden sind?

Bei Volkswagen scheinen sie es zu sein. Für den LTI-Bonus gilt eine Obergrenze von 4,5 Millionen Euro im Jahr für den Konzernchef. Winterkorn erhielt jüngst: 4,5 Millionen Euro.

Wäre es nach Piëch gegangen, hätten es womöglich noch mehr sein können. Die Obergrenzen für die erfolgsabhängigen Zahlungen gelten bei Volkswagen erst seit 2013. Durchgesetzt wurden sie nicht von Piëch, sondern von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat - nachdem Winterkorn für das Jahr 2011 ein Rekordsalär von 17,5 Millionen Euro erhalten hatte.

Die Familien Piëch und Porsche. (Quelle: dpa)Die Familien Piëch und Porsche. (Quelle: dpa)

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