Sie sind hier: Home > Finanzen > Karriere >

Machtkampf bei Volkswagen: Showdown in Salzburg

Machtkampf bei Volkswagen  

Showdown in Salzburg

16.04.2015, 18:59 Uhr | dpa-AFX, rtr, t-online.de

Machtkampf bei Volkswagen: Showdown in Salzburg. Bild aus besseren Tagen: VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn. (Quelle: dpa)

Bild aus besseren Tagen: VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn. (Quelle: dpa)

Im Machtkampf an der Spitze von Volkswagen kommt es heute in Salzburg möglicherweise zum Showdown. Entweder wird die von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch vom Zaun gebrochene Führungskrise entschärft - dann bekommt Vorstandschef Martin Winterkorn vielleicht sogar die von ihm geforderte Vertragsverlängerung. Oder es gibt eine andere Lösung: Dann führt demnächst ein neuer Chef Europas größten Autobauer.

Jedenfalls sucht der engste Kreis des Aufsichtsrats, das Präsidium, in der österreichischen Stadt Salzburg nach einem Weg aus der Krise. Salzburg ist die Heimat der VW-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche. Außerdem hat dort der größte Autohändler Europas, die Porsche Holding Salzburg, ihren Sitz. Das Unternehmen ist eine Volkswagen-Tochter.

Das sechsköpfige Präsidium traf sich am Nachmittag nach Informationen von Nachrichtenagenturen zu einer Sondersitzung. Nach Angaben der "Wirtschaftswoche" endete es nach rund drei Stunden gegen 18 Uhr, ohne dass Ergebnisse bekannt wurden.

Das Präsidium kam außer der Reihe zusammen, nachdem VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am vergangenen Freitag von Winterkorn abgerückt war. "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", hatte Piëch dem "Spiegel" gesagt und damit für Turbulenzen bei VW gesorgt.

Winterkorn muss um Job bangen

Die Zukunft von Winterkorn ist derzeit fraglich. Das Präsidium ist mit seinen sechs Mitgliedern der Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats und bereitet entscheidende Weichenstellungen vor.

Das Sextett bilden: Ferdinand Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sowie der Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtete, Piëch habe neben den Mitglieder des Präsidiums auch Winterkorn zu dieser außerordentlichen Sitzung in seine Heimat gebeten. Der "FAZ" zufolge will Winterkorn um eine Verlängerung seines Ende 2016 auslaufenden Vertrages kämpfen.

Dafür, dass der bestbezahlte Dax-Vorstandschef bei dem Treffen mit dabei sein könnte, sprach zumindest, dass er sein Erscheinen bei einer Klausurtagung der Fraktionsspitzen von Union und SPD am späten Nachmittag in Göttingen kurzfristig absagte. Das teilte der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann mit. Winterkorn habe das mit der Teilnahme an Gremiensitzungen des Volkswagen-Konzerns begründet. Auch ein VW-Sprecher bestätigte die Absage, nannte aber keine Gründe.

Auch Ministerpräsident Weil sagte nach dpa-Informationen einen Termin in Hannover ab. Er hätte ab 18 Uhr an einer Veranstaltung der Tui-Stiftung teilnehmen sollen.

Piëch will Winterkorn nicht im Aufsichtsrat haben

Winterkorn war bis zur Piëch-Aussage als Nachfolger des VW-Patriarchen an der Spitze des Aufsichtsrates gehandelt worden. Neben der Distanz-Ansage zitierte das Nachrichtenmagazin Piëch auch mit den Worten: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." Mit diesen Aussagen steht nicht nur Winterkorns möglicher Wechsel an die Spitze des Kontrollgremium infrage, sondern auch sein weiterer Verbleib im Vorstand. Während Winterkorns Vorstandsvertrag Ende 2016 ausläuft, hat Piëchs Kontrakt eine Laufzeit bis zum Frühjahr 2017. Er wird außerdem am Freitag 78 Jahre alt.

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite hat sich eine Allianz für Winterkorn ausgesprochen. Doch in der derzeitigen Führungskrise geht es möglicherweise nicht ums Stimmenzählen der Mandate im Aufsichtsrat. Übereinstimmend sagen Insider, dass eine offene Frontenbildung im Aufsichtsrat gegen Piëch eher unwahrscheinlich ist. Der Aufsichtsratschef und Vertreter der Piëch-Eigentümerfamilie gilt als das VW-Machtzentrum.

Wolfgang Porsche ist im Präsidium der Sprecher des Familienzweigs der Porsches, der zusammen mit den Piëchs die Stimmenmehrheit an VW hält. Porsche hatte Ferdinand Piëchs vernichtendes Zitat zunächst als "Privatmeinung" zurückgewiesen. Die Aussage sei nicht abgestimmt.

Unter Winterkorns gut achtjähriger Ägide - er wurde 2007 Konzernchef - legten die Auslieferungen des heute größten Autobauer Europas um etwa 64 Prozent zu, der Umsatz stieg um 86 Prozent, das operative Ergebnis vervierfachte sich. Bei seinem Amtsantritt zählte der Konzern 329.000 Mitarbeiter. Heute sind es, auch dank vier neuer Marken, fast 600.000 Menschen. Die VW-Aktie rutsche am Donnerstag in einem allgemein schwächeren Umfeld ab.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die neuesten Technik-Trends: Mieten ist das neue Kaufen
OTTO NOW entdecken
Anzeige
Sichern Sie sich 40% Rabatt auf den nächsten Möbeleinkauf
bei der Jubiläumsaktion auf XXXLutz
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal